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2010: Alonso geht mit 15 Punkten Vorsprung auf Vettel in den letzten Grand Prix des Jahres in Abu Dhabi
Fernando Alonso holte 2005 und 2006 den WM-Titel mit Renault © Imago

Die große Mehrheit der Formel-1-Fahrer hält den Spanier für den besten der Ihren. Aktuell demonstiert er wieder, warum.

Von Martin Hoffmann

München - Vor zwei Monaten gab es unter den Formel-1-Piloten eine anonyme Umfrage, welcher der aktuellen Fahrer der beste wäre.

Dass Karun Chandhok in ihr an dritter Stelle gleichauf mit Sebastian Vettel und Michael Schumacher (je eine Stimme) lag, ließ zwar Zweifel zu, ob sie jeder ernst nahm.

Keinen Zweifel aber erlaubte das Votum für den Sieger: Mit sieben Stimmen Vorsprung wählten die Kollegen Fernando Alonso - unbeirrt davon, dass der Spanier damals im WM-Rennen abgeschlagen schien.

Warum seine Mitstreiter so viel von ihm halten, hat Alonso in den vergangenen Rennen bewiesen: Der Ferrari-Fahrer ist nach den Erfolgen in Monza und 291932Singapur der Mann der Stunde.

Drei Konkurrenten kassiert

68 Punkte hat Alonso in den vergangenen vier Rennen geholt - mehr als WM-Leader Mark Webber (59) und deutlich mehr als die übrigen Konkurrenten Vettel (42), Hamilton (37) und Button (32), die der Spanien nun allesamt kassiert hat (WM-Stand Fahrer).

Nach einer durchwachsenen ersten Saisonhälfte - woran das Auto, aber auch er selbst Anteil hatten - präsentiert Alonso nun wieder die Tugenden aus den Weltmeisterjahren 2005 und 2006.

Und sein Chef Stefano Domenicali ist zuversichtlich, dass sie Alonso in den nächsten vier Rennen zu dessen dritten Titel tragen werden.

Entscheidung "in den Köpfen"

Domenicali glaubt nämlich, dass die individuelle Klasse der Fahrer im Saisonendspurt eher den Ausschlag geben wird als die Qualität der Autos.

Zumal die Boliden nun nicht mehr groß weiterentwickelt würden, denn: "Alle Teams müssen jetzt ihren Fokus auf die neuen Autos richten, um nicht abgehängt zu werden."

Die WM werde sich daher eher "in den Köpfen entscheiden". Und in der Konkurrenz der Köpfe sieht Domenicali den von Alonso ganz weit vorne.

Cool, ruhig und führungsstark

Warum, war in Singapur offensichtlich: sowohl im Qualifying, als er dem eigentlich überlegenen Sebastian Vettel die Pole abknöpfte, als auch im Rennen, wo er dem Dauerdruck des Red-Bull-Piloten unbeirrt standhielt.

"Im richtigen Moment da sein, ohne dabei zu viel zu riskieren": Alonso fuhr so, wie Domenicali es als ideal bezeichnet - anders als sein alter Kollegenrivale Hamilton, der zum zweiten Mal in Folge mit einer Kollision und einem Ausfall dafür bezahlte, dass er zu viel aufs Spiel setzte.

"Cool und ruhig" blieb dagegen Alonso, so wie Domenicali ihn schätzt. Eben das mache auch die "sehr große Führungsstärke" Alonsos aus, die der Ferrari-Teamchef seinem Schützling so hoch anrechnet.

"Motiviert, fokussiert und so weiter"

Alonso funktioniert derzeit wie ein Uhrwerk. Er selbst sieht sich "im Moment auf einem Höhepunkt". Er sei "zu hundert Prozent motiviert, fokussiert und so weiter".

Das wäre in früheren Jahren nicht immer so gewesen: "In anderen Saisons war ich im September manchmal müde und gestresst von all den langen Flügen. In diesem Jahr ist das anders. Ich habe das Gefühl, dass die WM jetzt erst losgeht."

Selbsteinschätzungen, die zugleich Drohungen an die Konkurrenz sind - und die weiß nur zu gut, wie gefährlich ein Alonso in Topform ist.

"Die größte Bedrohung"

"Fernando scheint jetzt die größte Bedrohung zu sein", glaubt nicht nur Unglücksrabe Lewis Hamilton, Alonsos alter Kollegenrivale aus gemeinsamen McLaren-Zeiten.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner verleiht Alonso und seiner Scuderia denselben Titel: "Ferrari ist die größte Bedrohung. Sie haben ein schnelles Auto und sie sind seit der Saisonhalbzeit am dichtesten an uns dran."

Von 47 auf 11

Alonsos zeitweise 47 Punkte großer Rückstand auf Platz eins ist auf elf Zähler zusammengeschrumpft - und es sammeln sich immer mehr Faktoren an, die im WM-Fünfkampf für ihn sprechen.

Sein Momentum, die größte Erfahrung auf Top-Niveau, einen teaminternen Status als Alleinherrscher, einen Rennstallkollegen, der faktisch aus dem WM-Rennen ist und im Zweifel für ihn fahren wird: all das hat Alonso sämtlichen Konkurrenten voraus.

Spielt sein Auto weiter mit, hat Alonso beste Chancen noch einmal zu demonstrieren, warum ihn seine Fahrerkollegen für den Besten halten.

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