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Stefano Domenicali löste 2007 Jean Todt als Ferrari-Teamchef ab © getty

Nach dem Triumph von Singapur sehen viele in Fernando Alonso den kommenden Weltmeister. Doch der Teamchef tritt auf die Bremse.

Von Marc Ellerich

München - Fernando Alonsos beeindruckende Aufholjagd versetzt viele Ferrari-Anhänger in Entzücken.

Gründe dafür gibt es genug: Nach dem England-GP betrug der Rückstand des spanischen Stars auf die WM-Spitze 47 Punkte.

Nach den Siegen in Hockenheim, in Monza und zuletzt beim Nacht-Grand-Prix in Singapur sowie einem zweiten Platz auf dem Hungaroring fehlen Ferraris Nummer eins nur noch elf Zähler auf Red Bulls WM-Spitzenreiter Mark Webber - bei vier Grands Prix, die noch zu fahren sind.

Alonso ist also längst wieder mitten drin im WM-Geschäft.

Tifosi außer Rand und Band

Die Tifosi und die italienische Presse feierten den Piloten nach dessen 25. Grand-Prix-Sieg in der asiatischen Metropole als kommenden Weltmeister.

Doch genau das missfällt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.

"Wir haben außer ein paar Rennsiegen noch nichts erreicht", dämpfte der rote Vorsteher die Euphorie. Er selbst gerät nach eigenen Worten ohnehin nicht außer Rand und Band.

"Wir müssen cool bleiben"

"Ich bin niemals am Boden, wenn die Dinge schlecht laufen, und ich schreie nie 'fantastisch", wenn es läuft", sagte er nach Alonsos Triumph: "Jetzt müssen wir cool auf dem Boden bleiben und hart arbeiten."

Jeder Fehler, den ein Team in der entscheidenden Phase der Saison begehe, müsse es ab sofort schwer bezahlen, so der Ingenieur.

Teamwertung: Red Bull zieht davon

So wie Ferrari - und zwar ausgerechnet in Singapur, wie der rote Boss vorrechnete.

Wegen Felipe Massas Motorenproblemen habe sein Rennstall einen "hohen Preis bezahlt. Massa wurde gerade noch Achter. Red Bull konnte seinen Vorsprung in der Teamwertung auf 64 Punkte ausbauen."

Suzuka eine Schwachstelle

Umkämpft werde es in den kommenden vier Grand Prix weitergehen. "Ich erwarte, dass McLaren in Japan stark zurückkommt. Red Bull ist sowieso immer stark. Das wird schwierig für uns. Suzuka ist eine Strecke, auf der wir in der Defensive sind", orakelte Domenicali.

Dafür liege Brasilien seinem Rennstall besser. Aber die Strecken-Charakteristik hält Domenicali ohnehin für zweitrangig. Der Italiener rechnet vielmehr damit, dass zwei Faktoren für den Ausgang der WM entscheidend sein werden: ein zuverlässiges Auto und der Kopf seines Fahrers.

Nur noch kleine Updates

Was den Ferrari-Boliden angeht, kündigte der Teamchef einige kleinere Updates für die vier Schlüsselrennen an - mehr sei nicht drin, Ferrari steckt bereits mitten in der Arbeit am Auto für das kommende Jahr.

An der richtigen Einstellung seines Top-Piloten hat Domenicali ohnehin keine Zweifel: "Ich weiß, dass Fernando mental sehr stark ist."

Seine Forderung an den roten Rennstall lautete: "Es ist wichtig, dass wir unsere Hausaufgaben erledigen. Das Wichtigste ist, ein klares Ziel vor Augen zu haben, nämlich nie aufzugeben. Genau das tun wir."

Ferrari werde, immerhin so viel Zuversicht ließ Domenicali bei aller Vorsicht dann doch zu, ein gewichtiges Wörtchen um die WM-Krone mitreden. "Ich glaube fest daran, dass wir bis zum letzten Rennen um den Titel kämpfen können."

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