Jacques Schulz sieht Vettel im Power-Ranking zum Japan-GP in der Favoritenrolle, warnt aber vor dem Spanier mit dem Tunnelblick.

Hallo Formel-1-Fans!

ab jetzt ist jedes Rennen ein Endspiel. Und ich bleibe dabei: Wer die wenigsten Fehler macht, holt den Titel.

Die uns wohlbekannte Bahn in Suzuka lässt im Power-Ranking zum Japan-Grand-Prix (Training, Freitag, 7 Uhr im LIVE-TICKER und im TV auf SPORT1) eine eindeutigere Reihenfolge zu als das in Südkorea, Brasilien und Abu Dhabi der Fall sein wird.

Der berühmte Kurs, die Berg -und Talbahn in Form einer Acht, ist mit seinen schnellen Kurven einmalig. Nicht umsonst ist es die Lieblingsstrecke von neun von zehn Formel-1-Fahrern. Auch wenn der Kurs aus Sicherheitsgründen über die Jahre etwas entschärft wurde, steht er immer noch ein kleines Stück vor dem Klassiker in Spa. Es handelt sich schlicht und einfach um die ultimative Formel-1-Rennstrecke.

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Red Bull ist klar favorisiert und kann sich hier nur selbst schlagen. WM-Leader Mark Webber fehlt etwas der fahrerische Rhythmus, weil die Vorsicht ihn verkrampfen lässt. Die Hand am Titel macht ihn nervös, weil er diese Chance noch nie hatte und sie wahrscheinlich auch nie wieder kommt. Er ist nicht die Zukunft im jugendorientierten Red-Bull-Konzern, und er weiß es.

Sebastian Vettel droht nur das Schicksal, wieder wie in Singapur die Pole zu verspielen. Dort hatte er es in der Hand, Fernando Alonso zu schlagen. Vettels Nervenkostüm ist jedoch intakt, weil er in Singapur den Speed und sein Können gezeigt hat. Auch wenn es nicht 100 Prozent waren, hat er dort eine Demonstration gegenüber Webber hingelegt.

Die Taktik, Webber auf Sicherheit und Vettel auf Risiko gehen zu lassen, ist übrigens vollkommen richtig. Einer fährt auf Pole, der andere auf Punkte. Im Rennen kann man dann je nach Situation immer noch Feintuning unter den beiden betreiben. Im Vorjahr hat diese Strategie in Japan mit Pole und Sieg für Vettel ja hervorragend funktioniert.

Webber wird versuchen, sich aus den Scharmützeln herauszuhalten, muss dafür aber mindestens in Startreihe zwei kommen. Weiter hinten kann es ganz schnell gefährlich werden. Red Bull wird mit beiden Autos die erste Reihe anvisieren. Auf dieser Signature-Strecke von Red Bull wird das ganz ein heißer Fight zwischen den beiden.

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Ferrari ist in Suzuka die klare Nummer zwei. Der F10 kann mit dem neuen Diffusor und dem gut entwickelten Unterboden mit etwas mehr Abtrieb durchaus schnelle Kurven fahren. Das Auto hat offenbar auch eine bessere Traktion als die McLaren, die in Singapur schlecht aus den Ecken kamen.

Alonso hat zudem den Vorteil des Helfers Felipe Massa. Luca di Montezemolo hat ziemlich klar gesagt, wer hier wem zu helfen hat - Spannungen diesbezüglich wie bei den anderen Teams existieren bei den Roten nicht.

Und: Alonso ist jetzt im Tunnel, auf einer Mission.

Er weiß, es kann klappen mit dem Titel! Dieser Rennfahrer spielt jetzt seine Stärken aus. Für mich ist der Asturier in seiner Gesamtheit der am besten aufgestellte Pilot. Aber: Wieder ist er wie in Singapur "nur" erster Verfolger. Für die Pole reicht es unter normalen Umständen nicht, dafür ist der Red Bull zu überlegen.

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Die Performance von McLaren in Singapur war doch deutlich unter den Erwartungen. Sie haben sich dort erlaubt, zu spät die Reifen zu wechseln, obwohl die Rundenzeiten anstiegen und von hinten der Express kam. So verlor man einen Platz an Webber. Die Strategen haben da nicht richtig gepokert.

Das Auto konnte zudem bislang im letzten Saisonviertel nicht mehr so zulegen wie der Ferrari, der die Lücke zu Red Bull hat stopfen können. Für Suzukas schnelle Kurven gilt: Das ist Lewis-Hamilton-Terrain! Aber auf Ferrari fehlt ein Tick, wir reden hier von vielleicht einem halben Zehntel. Und Hamilton braucht nach zwei Nullern dringend Punkte. Dafür, dass Jenson Button noch ganz vorne eingreifen kann, müsste wirklich einiges passieren.

Dahinter klafft schon eine gewaltige Lücke. Mit Mercedes und Renault folgen zwei Teams, die den Fokus schon auf 2011 richten. Platz vier in der Team-Wertung werden sich die Silberpfeile kaum noch nehmen lassen.

Ein Satz zum folgenden Rennen in Südkorea: Ich bin trotz aller Probleme sicher, dass der GP stattfinden wird, auch wenn vielleicht noch das eine oder andere Hotelbett schief steht - ganz einfach, weil die WM sonst durch ein Rennen weniger eine dramatische Beeinflussung erfahren würde. Zumal hinter dem Projekt bedeutende nationale Interessen stehen.

Jetzt freuen wir uns aber erst einmal auf Suzuka. Im Land der aufgehenden Sonne nimmt die WM richtig Fahrt auf!

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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