vergrößernverkleinern
Mark Webber geht als WM-Führender ins viertletzte Rennen der Saison © getty

Zuspitzung des WM-Kampfes: Das Qualifying zum Japan-GP muss aufgrund massiver Regenfälle am Tag des Rennens stattfinden.

Suzuka - Badetag statt Zeitenjagd, Bootsausflug statt Autorennen:

Heftige Regenfälle haben am Samstag die Qualifikation für den Großen Preis von Japan in Suzuka ins Wasser fallen lassen und den Titelkandidaten um Sebastian Vettel einen ungewohnten freien Nachmittag beschert (297196Bilder).

Weil die Strecke wegen Aquaplanings nicht befahrbar war, wird die Startaufstellung für den 16. von 19 WM-Läufen (So., ab 7.45 Uhr im LIVE-TICKER) erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Königsklasse erst um 10 Uhr Ortszeit (3 Uhr MESZ) am Sonntagmorgen ausgefahren.

2004 hatte es das ebenfalls in Suzuka schon einmal gegeben, damals nach einer Taifunwarnung.

Sorgenfalten bei den Teamchefs

"Das ist ein schöner Tag für Enten, aber nicht für Formel-1-Fahrer", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner und blickte sorgenvoll auf den nächsten Tag: "Das wird ein schwieriger Tag. Es gibt eine Menge Arbeit, man muss da viel reinpressen."

"Es tut mir leid für die Fans, die da draußen sitzen und nicht viel zu sehen bekommen. Aber ich habe das Safety Car gesehen, selbst das braucht Schwimmflügel", sagte Rekordweltmeister Michael Schumacher, der vor sechs Jahren in Suzuka auch dabei war.

Damals hatte er am Sonntagmorgen die Pole-Position geholt und fünf Stunden später auch das Rennen gewonnen.

Vettel unterstützt Entscheidung

Dieses Kunststück würde Vettel gerne wiederholen, dem trockene Bedingungen lieber sind als die "Lotterie" im Regen.

Daher war für den 23-Jährigen, der in der WM-Gesamtwertung hinter seinem Teamkollegen Mark Webber (202 Punkte), Ferrari-Pilot Farnando Alonso (191) und McLaren-Fahrer Lewis Hamilton (182) mit 181 Zählern auf Rang vier liegt, die Absage der Qualifikation die richtige Entscheidung.

"Nur eine Frage der Zeit..."

"Es war zuviel Wasser auf der Strecke und gab unheimlich viele Pfützen. Das Risiko wäre sehr hoch gewesen, es gab Aquaplaning an mehreren Stellen. Unter diesen Bedingungen ist nur eine Frage der Zeit, wann einer von der Strecke segelt", sagte Vettel.

"Für die Leute draußen ist das schwer zu verstehen. Die denken, wir haben doch Regenreifen. Aber die Autos sind sehr flach über dem Boden. In der Vergangenheit hat man die Autos hochgeschraubt, aber das ist heute nicht mehr erlaubt", erklärte der Heppenheimer.

[kaltura id="0_1ms2tzlr" class="full_size" title="Eine Runde in Suzuka"]

Nach der Absage winkte Vettel wie einige andere Kollegen auch den Fans auf der Haupttribüne zu.

Drei Verschiebungen

Vor der endgültigen Absage hatte die Rennleitung die Qualifikation insgesamt dreimal um jeweils 30 Minuten verschoben.

Während die Fahrer wie Timo Glock beispielsweise sich die Zeit bis zur endgültigen Entscheidung mit einer Partie Poker vertrieben, bauten Vettels Red-Bull-Mechaniker derweils aus ihren markanten Getränkedosen kleine Boote, die sie durch die Boxengasse schwimmen ließen.

Beifahrer Wurz nicht begeistert

"Für ein Formel-1-Auto war die Strecke nicht befahrbar. Es gab zu viel stehendes Wasser, dafür ist ein Formel-1-Auto nicht gebaut. Es ist zu gefährlich, die Fahrer bei solchen Bedingungen rauszuschicken", sagte Alexander Wurz, der in Suzuka als ehemaliger Fahrer die Rennleitung unterstützt.

Der Österreicher hatte sich wie auch Rennleiter Charlie Whiting im Safety Car ein Bild von der Strecke gemacht. "Neben dem Bernd Mayländer ist das nicht so lustig, wenn man nicht selbst am Steuer sitzt", sagte er.

Training nicht durchführbar

Am Samstagmorgen war bereits das letzte Freie Training ins Wasser gefallen.

Weil die Strecke bereits zu stark überflutet war, um im Renntempo zu fahren, beließen es fast alle Fahrer in der 60-minütigen Trainingseinheit bei ein oder zwei Installationsrunden.

Nur Toro-Rosso-Pilot Jaime Alguersuari und Timo Glock im Virgin fuhren gezeitete Runden.

Glück für Hamilton

"Es war so rutschig da draußen, so viele Flüsse auf der Strecke. Wenn das Aquaplaning kommt, schwimmt das Auto für ein paar Sekunden richtig auf", sagte McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der schon am Freitag im Trockenen von der Strecke gerutscht war.

Sein Glück: Durch die Verschiebung kann er dann doch noch den neuen Heckflügel nutzen, den ein Teammitglied nach dem 297196Unfall extra nach Japan eingeflogen hatte.

Rosberg nimmt's gelassen

Mercedes-Pilot Nico Rosberg ("Vielleicht hätten wir alle in den SLS setzen und das Qualifying mit dem Safety Car fahren sollen") ist vor der zusätzlichen Frühschicht am Sonntag nicht bange. "Heute war es extrem entspannt", sagte er: "Heute abend geht es früh ins Bett, dann ist das kein Problem."

Teamkollege Schumacher hat eine solche Situation schon einmal perfekt gemeistert.

"Damals hatten wir aber den ganzen Samstag richtig frei und haben Fußball gespielt. Da hatten wir mehr Spaß", erinnert er sich an den Tag seines insgesamt sechsten und bislang letzten Sieges in Suzuka.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel