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Bernie Ecclestone ist der Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC © getty

Der Formel-1-Boss erklärt seine Motivation, kritisiert die Teamchefs und entwirft das mögliche Profil seines Nachfolgers.

Von Olaf Mehlhose

München/London - Ein Leben auf der Überholspur.

Bernie Ecclestone hat das Geschehen in der Formel 1 in den letzten 50 Jahren entscheidend geprägt.

Der aus Ipswich stammende Milliardär begann als Gebrauchtwagenhändler und fuhr zu Beginn seiner Karriere auch einige Rennen. Als Rennfahrer war Ecclestone jedoch bei weitem nicht so erfolgreich wie als Funktionär.

"Mein Geschäft war mir wichtiger, als Rennen zu fahren. Deshalb habe ich aufgehört", sagt der Formel-1-Boss, der in Kürze seinen 80. Geburtstag feiert.

Erstaunliches Selbstverständnis

Ecclestone überrascht im Interview mit der offiziellen Formel-1-Homepage mit einem erstaunlichen Selbstverständnis.

"Ich wurde einmal gefragt, wie ich meinen Job beschreiben würde. Ich habe gesagt, ich bin ein Feuerwehrmann", sagt der Brite und fügt hinzu: "Allerdings gibt es einige Leute, die denken, ich würde mehr Feuer anzünden, als ich lösche."

Trotz eines geschätzten Vermögens von rund 2,5 Milliarden Euro verblüfft Ecclestone mit der Aussage, dass ihm Geld nicht wichtig sei - genauso wenig wie Macht und Erfolg.

"Diese Dinge bedeuten mir nichts - gar nichts", bekräftigt Ecclestone, räumt aber ein, dass es ihm schwer fallen würde, auf Geld zu verzichten.

"Gute Deals" als Motivation

Allerdings sei es nicht der finanzielle Gewinn, der ihn motiviere.

"Ich habe nie etwas nur für Geld gemacht - es ist ein Nebenprodukt meiner Tätigkeiten. Was mich immer motiviert hat, war gute Deals auszuhandeln - Geld kommt dann durch die Verträge", erläutert der allmächtige Formel-1-Chef: "Das ist der Punkt, den viele Leute nicht verstehen."

Für seinen großen Erfolg hat der britische Geschäftsmann eine einfache Erklärung: "Wenn ich etwas tue, sorge ich dafür, dass es vernünftig gemacht wird. Egal ob ich ein Ei koche oder ein wichtigen Vertrag mache."

Glück bedeute dabei zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und den Mut zu haben, eine Chance wahrzunehmen.

Eher Pragmatiker als Visionär

Einmal in seinem Leben habe er wirklich Glück gehabt, als während des Krieges direkt neben ihm ein Flugzeug abstürzte: "Die Wucht der Explosion hat mich meterweit durch die Luft geschleudert, aber ich hatte nicht mal kleine Verletzungen. Da hatte ich verdammtes Glück."

Doch viel lieber konzentriert sich Ecclestone auf die Dinge, die er direkt beeinflussen kann.

Visionen für das nächste Jahrzehnt habe er nicht, er sorge sich nur um das nächste Jahr. "Jeder der heute sagt, was in drei Jahren passiert, liegt falsch", begründet Ecclestone seine Sicht.

"Ich nenne das Dummheit"

An den meisten Formel-1- Teamchefs stört den beinahe 80-Jährigen, dass sie meistens nur den eigenen Vorteil im Auge haben.

Regeländerungen sollten im Sinne der Formel 1 beschlossen werden, anstatt einzelne Teams zu bevorzugen.

"Mit Ego hat das nichts zu tun, ich nenne das Dummheit. Wenn die Teams dank eines besseren Autos, eines besseren Fahrers oder einer besseren Strategie gewinnen, ist das super", sagt Ecclestone: "Aber sie sollten nicht versuchen, es so einzurichten, dass sie von vorneherein einen Vorteil haben."

Schließlich wagt Ecclestone noch einen Ausblick auf das mögliche Profil seines Nachfolgers: "Am besten einen Gebrauchtwagenhändler."

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