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Sebastian Vettel bestritt in Südkorea sein 60. Formel-1-Rennen © getty

Auch nach dem Drama von Yeongam peilt Sebastian Vettel weiter den Titel an. Webber beklagt seinen Fehler, Alonso stapelt tief.

Von Julian Meißner

München/Yeongam - Sebastian Vettel zeigte sich erstaunlich gefasst nach der dramatischen Premiere des Großen Preis von Südkorea, die für ihn mit einem "gravierenden Rückschlag" endete.

Obwohl seine WM-Chancen zwei Rennen vor Saisonende mit dem motorbedingten Ausfall in Yeongam auf ein Minimum gesunken sind, gab sich der 23-jährige Red-Bull-Pilot sogar betont kämpferisch.

"Es ist noch nicht vorbei. Man sieht ja, wie schnell etwas passieren kann. Wir haben immer noch die Chance, Weltmeister zu werden", sagte der 23-Jährige, der das chaotische Rennen bis zur 46. von 55 Runden souverän angeführt hatte, bevor die Technik streikte.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner versuchte, zu trösten: "Ein Motorplatzer ist immer ganz großes Pech, der Rennsport kann grausam sein."

Wetterbedingtes Chaos

Vorzuwerfen hatte sich Vettel nichts an diesem denkwürdigen Tag, an dem die mit Spannung erwartete erste Austragung des Grand Prix tatsächlich im von vielen erwarteten Chaos endete (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Das lag jedoch nicht an den Verzögerungen beim Bau des Korean International Circuit, sondern vielmehr am Wetter.

15 von 24 im Ziel

Starker Regen hatte erst eine Verschiebung des Starts, dann eine lange Rennphase hinter dem Safety Car, drei weitere Unterbrechungen und zahlreiche Unfälle zur Folge - nur 15 von 24 Fahrern sahen die Zielflagge 303285(DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

In all dem Trubel behielt Vettel die Nerven. "Ich habe alles richtig gemacht und zu jeder Zeit den Rest des Feldes im Griff gehabt", fasste er zusammen: "Von daher bin ich mit dem Wochenende eigentlich zufrieden und habe keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen."

Renault entschuldigt sich

Genau das tat man beim Motorenlieferanten des Red-Bull-Teams.

"Renault muss sich beim ganzen Team für den Motorschaden an Sebastians Auto entschuldigen", ließ Fabrice Lom, Vertreter des französischen Konzerns, verlauten.

Einzelheiten zu dem folgenschweren Defekt gebe es noch nicht. "Wir müssen erst Nachforschungen anstellen, bevor wir Details veröffentlichen. Der Motor war zwar in seinem dritten Rennen, aber wir haben das natürlich nicht erwartet", so Lom.

Vettel betonte, er wolle weiter an seine Chance glauben. "Es gibt keinen Grund, den Plan und die Herangehensweise zu ändern", so der Hesse, der nun in der WM auf Rang vier abgerutscht ist: "Hier ist bis zum Aus alles nicht nur gut, sondern perfekt gelaufen."

Webber beklagt eigenen Fehler

Das lag aus Vettels Sicht auch daran, dass sein Teamkollege, der bis dato in der WM Führende Mark Webber, auf regennasser Strecke in die Mauer gerutscht war und so den Weg frei gemacht hatte für einen neuen Spitzenreiter im Titelrennen.

"Das war voll und ganz mein Fehler", musste der Australier zugeben: "Es war nicht mein Tag."

Er verlor zwar die Führung in der Fahrerwertung, hat den Titel aber natürlich ebenfalls noch nicht abgeschrieben.

Zum Zeitpunkt seines Ausfalls konnte Webber noch nicht ahnen, dass Vettel die 25 Zähler für den sicher geglaubten Sieg noch verlieren würde.

Alonso nun Favorit

So geht nun der strahlende Sieger Fernando Alonso als Favorit in die letzten beiden Rennen in Brasilien und Abu Dhabi. Dabei hatte der Spanier am Sonntag Glück, dass ein verpatzter Boxenstopp am Ende folgenlos blieb.

Von einer Vorentscheidung wollte Alonso, der gleich in seinem ersten Jahr bei der Scuderia Ferrari den Titel holen kann, aber nichts wissen.

"Im Kampf um die Weltmeisterschaft hat sich nicht großartig etwas geändert. Mit dem neuen Punktesystem kann sich in einem Rennen alles ändern", meinte der Titelträger von 2005 und 2006, dessen Team in Sao Paulo traditionell schnell unterwegs ist.

"Wir müssen aufs Podium und mindestens noch einen Sieg einfahren", so das Rezept Alonsos, an dessen Seite es auch sein Helfer Felipe Massa nach mehreren schwachen Rennen wieder einmal aufs Podest schaffte.

Horner setzt auf beide Fahrer

Von Hilfsdiensten für seinen Stallgefährten Webber ist Vettel nach wie vor weit entfernt, wie Teamchef Horner in der "BBC" betonte: "Das wäre falsch. Unsere Strategie ist es, beide Fahrer zu pushen."

Vettels Plan ist einfach: "Wir fahren jetzt einfach unsere zwei Rennen, versuchen Spaß zu haben und das Maximum rauszuholen. Dann schauen wir, was die letzte Zielflagge in Abu Dhabi sagt."

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