Jacques Schulz rechnet im Power-Ranking mit einem Showdown im WM-Kampf in Abu Dhabi. Sebastian Vettel schreibt er keineswegs ab.

Hallo Formel-1-Fans!

Die äußerst gelungene Premiere des Südkorea-GP ist uns allen noch in guter Erinnerung. Das Rennen war spannend und gut organisiert. Darüber war ja vorher viel spekuliert worden.

Was Sebastian Vettel angeht, sieht es natürlich völlig anders aus. Es wäre natürlich ein Traum gewesen, wenn er als WM-Führender an diesem Wochenende in Interlagos (Training, Freitag, 13 Uhr im LIVE-TICKER und im TV auf SPORT1) um den Titel hätte fahren können.

Aber meines Erachtens ist es für ihn längst noch nicht vorbei. Der große Vorteil von Vettel ist, dass er jetzt ohne Druck fahren kann, ohne den permanenten Gedanken an den WM-Titel. Bei Fernando Alonso und Mark Webber sieht das sicher ganz anders aus. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Deswegen halte ich Vettel auf den zwei noch verbleibenden Strecken in Brasilien und Abu Dhabi für den Topfavoriten. Das Auto ist definitiv stärker als der McLaren und auch einen Tick stärker als der Ferrari.

[image id="6f5fe107-65ad-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Aber zunächst noch ein paar Worte zum Thema "Stallorder" bei den "Bullen": Da gibt es bei den 14 Punkten Vorsprung von Webber auf Vettel meines Erachtens keine zwei Meinungen. Ich teile völlig die Ansicht von Michael Schumacher, dass das Team in der Rennsituation entscheiden muss, wie es Webber die bessere Ausgangslage für Abu Dhabi verschafft.

Dagegen spricht der sportliche Spirit von Team-Besitzer Dietrich Mateschitz. Aber wenn du am Ende des Jahres ohne beide Titel dastehst, fragt danach kein Mensch mehr. Dann ist dort nicht nur Teamchef Christian Horner weg, sondern dann bricht bei Red Bull eine Welt zusammen.

Letztlich zählt nur der Titel - egal durch wen. Und deswegen werden sie in den zwei Rennen wohl ziemlich viele Kopfschmerz-Tabletten nehmen müssen. Die Frage aller Fragen lautet: Was macht Red Bull, wenn Alonso führt, Vettel Zweiter ist und Webber Dritter?

Aus der Malaise, in der sich Red Bull befindet, bezieht das Finale noch viel mehr Spannung als aus der sportlichen Situation, die an sich ja schon der Brüller ist.

Zum Power-Ranking: Red Bull ist in Brasilien und auf dem Yas Marina Circuit gewiss das Maß aller Dinge - siehe im Vorjahr Vettel in Abu Dhabi, siehe Webber in Interlagos.

Das Layout, die hohen Abtriebswerte, das Infield in Interlagos und die engen, winkeligen Kurven von Abu Dhabi sprechen ganz klar für Red Bull.

Hinzu kommt das psychologisch befreite Fahren von Vettel. Das Wissen, dass er Webber im Vorjahr in Abu Dhabi demontiert hat und das Wissen, dass das Auto definitiv besser ist als der McLaren sollten ihm zwei Siege ermöglichen. Ich sehe Vettel, obwohl nur WM-Vierter, mit größeren Chancen als Lewis Hamilton.

[image id="6f7f5aed-65ad-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

McLaren hat zwar den F-Schacht verfeinert, sie haben den höchsten Top-Speed. Aber mir scheint der McLaren ausgereizt zu sein. Hamilton ist vom Paket her für die entscheidenden Rennen einfach nicht so aufgestellt wie Ferrari und die Red Bull. Jenson Button ist ohnehin raus.

Hamilton muss auf technische Probleme der Konkurrenz hoffen: Ausfälle, Unfälle. Ich traue ihm am wenigsten aus eigener Kraft zu. Das liegt weniger an ihm, das Auto gibt einfach nicht mehr her.

Ich sehe die Engländer also hinter Ferrari, auch weil ein Alonso in dieser Phase der entscheidende Faktor ist. Das Auto mag zwei Zehntelsekunden langsamer sein als der Red Bull. Aber Alonso weiß, wie man es macht.

Der Spanier befindet sich für mich seit drei, vier Rennen auf einer Mission. Er wirkt unglaublich fokussiert.

Ich glaube zwar nicht, dass Alonso in Brasilien den Titelsack zumachen kann. Aber ich glaube, dass er sich mit realistischen Chancen nach Abu Dhabi retten kann, gegen die zwei Red Bull um den Titel zu fahren.

Alonso ist in einer komfortableren Lage als seine Rivalen. Er muss nicht mehr unbedingt gewinnen, kann theoretisch sogar mit einem dritten Rang das Ding nach Hause fahren. Er wird sich also vor allem auf Red Bull konzentrieren, aber sicher nicht den Fehler machen, wie Hamilton 2008 zu konservativ ins Qualifying zu gehen.

[image id="6f8f967a-65ad-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Bei Alonso merkt man jetzt ganz genau seine unglaubliche Erfahrung. Er ist für mich unter den vier Kandidaten definitiv der ausgewogenste. Alonso ist für mich die Mischung aus dem Schnellsten aller Zeiten, Senna, und dem cleversten aller Zeiten, Prost.

Ich gehe dennoch davon aus, dass die WM-Entscheidung nicht in Brasilien fallen wird. Den Showdown sehe ich - anders als im Vorjahr - bei dieser engen Konstellation in Abu Dhabi.

Zum Schluss noch eine Fußnote zu Mercedes GP. Achten Sie auf dieses Auto! Die Silbernen haben den Knoten zum Platzen gebracht, obwohl sie bereits seit geraumer Zeit das diesjährige Auto nicht mehr wesentlich weiterentwickelt und den Blick längst auf 2011 gerichtet haben.

[image id="6faee96e-65ad-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Warum das so ist? Sie haben endlich den F-Schacht ins Laufen gebracht.

Deshalb halte ich Mercedes, sollte es vorne bei den drei Top-Teams knallen, für einen Podest-Anwärter. Michael Schumacher traue ich zum Schluss seiner Comeback-Saison durchaus eine Podiumsplatzierung zu. In Interlagos sehe ich Michael auftrumpfen und sicherlich auf Augenhöhe mit Nico Rosberg.

Daran wird er im für Mercedes eminent wichtigen Jahr 2011 gemessen werden.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel