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Nico Hülkenberg kam vor der Saison als GP2-Champion zum Williams-Team © getty

Sensations-Pole-Setter Hülkenberg mischt ausgerechnet im Saison-Endspurt vorne mit. Vettel erwartet keine Hilfestellung vom Landsmann.

Von Julian Meißner

München - Der Protagonist selbst brachte das außergewöhnliche Geschehen in Sao Paulo am besten auf den Punkt.

"Damit hatte keiner gerechnet", konstatierte Nico Hülkenberg mit leicht entrücktem Blick, nachdem er sich sensationell die Pole-Position für den Großen Preis von Brasilien gesichert hatte: "Ich kann es selbst kaum glauben."

Nicht Sebastian Vettel oder Mark Webber, auch nicht Fernando Alonso oder Lewis Hamilton, keiner der großen Stars und Titelanwärter, sondern der deutsche Rookie startet von ganz vorne ins vorletzte Rennen der Saison (So., 16.45 Uhr im LIVE-TICKER) .

Den Granden der Branche stahl der Emmericher mit seinem Auftritt die Show, dem WM-Kampf verleiht er mit der ersten Pole für Williams seit Nick Heidfelds Sturm auf Startplatz eins beim Großen Preis von Europa im Jahr 2005 zusätzliche Würze.

Vettel "Best of the Rest"

Die beste Position der WM-Kandidaten hinter dem vermeintlich unterlegenen Boliden des britischen Traditionsrennstalls hat dabei Red-Bull-Pilot Vettel, der die Rivalen um seinen drittplatzierten Teamkollegen Webber hinter sich ließ (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

Dementsprechend war der WM-Vierte aus Heppenheim, der dringend aufholen muss, will er es noch zum jüngsten Champion aller Zeiten bringen, einigermaßen zufrieden.

"Es war ein unheimlich schwieriges Qualifying, aber es hätte viel schlimmer kommen können", sagte der 23-Jährige und sprach von einer "guten Ausgangsposition".

Kein Regen zu erwarten

Vettel wird versuchen, die Überlegenheit seines Boliden direkt beim Start auszuspielen. Wie stark Hülkenberg sein wird, sei zwar "schwer einzuschätzen", doch: "Im Trockenen haben wir normalerweise die Oberhand", so Vettel.

Ähnlich komplizierte Bedingungen, die am Samstag Hülkenberg seinen Coup erst möglich machten, sind für das Rennen nicht zu erwarten. Während es im Qualifying nach anfänglichem Regen immer weiter abtrocknete, soll es am Sonntag trocken bleiben auf dem Autodromo Jose Carlos Pace.

[kaltura id="0_dnuokcxq" class="full_size" title="Die Strecke in Interlagos"]

Doch Vettel weiß: "Man muss erstmal vorbeikommen." Er hoffe zwar, dass sich das beim Start kläre, "aber er wird etwas dagegen haben".

Keine Schützenhilfe erwartet

Und nicht nur für Vettel könnte sich Überraschungsmann Hülkenberg als ernstzunehmender Störfaktor erweisen.

Auf Schützenhilfe seines Landsmannes, gegen den er zu Teenagerzeiten noch im Kart antrat, wollte Vettel jedenfalls nicht spekulieren: "Darauf kann ich mich nicht verlassen. Nico wird sein eigenes Rennen fahren."

Sollte Vettel jedoch bereits am Start vorbeiziehen, könnte der langsamere Hülkenberg als Puffer dienen und Vettel seine Rivalen vom Leib halten - soweit die Theorie.

Vettel: "Man kann sich verschiedene Szenarien ausmalen. Das wäre das Optimum."

Button kein Faktor

WM-Leader Alonso steht jedenfalls verhältnismäßig weit hinten und muss sich erst einmal mit Hamilton herumschlagen. Der Brite mischt ebenfalls noch im Titelkampf mit, allerdings ähnlich wie Vettel nur in Lauerstellung.

Jenson Button im zweiten McLaren realisierte dagegen nach seinem schwachen Qualifying, dass er sich mit Startplatz elf nicht nur von der Titelverteidigung verabschiedet hat, sondern auch nicht in der Lage sein wird, Hamilton zu unterstützen.

"Das ist ziemlich schwierig, wenn du so weit hinter deinem Teamkollegen stehst", meinte der Noch-Weltmeister: "Wenn Lewis einen guten Start erwischt, werde ich ihm nicht helfen können."

Alonso hat den Titel vor Augen

Schon am Sonntag könnte er den Titel los werden, wenn Alonso seine elf Punkte Vorsprung entsprechend ausbaut.

Der Spanier, Weltmeister 2004 und 2005 mit Renault, meinte: "Ich weiß, dass mich manch merkwürdiges Ergebnis zum Weltmeister machen würde, aber unsere Priorität liegt darauf, den Vorsprung zum Zeiten zu vergrößern."

Doch für den Fall des Falles baute der Fünftplatzierte schon einmal vor: "Wenn wir Punkte abgeben müssen, dann hoffentlich nicht zu viele."

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