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Vettel (r.) über Webber: "Gute Freunde werden wir wohl nicht mehr" © getty

Red Bull setzt nach dem Doppelsieg von Sao Paulo auf das Entscheidungsvermögen der Piloten. Vettel steckt in der Zwickmühle.

Von Julian Meißner

München - Jüngster Weltmeister aller Zeiten. Der Traum von Sebastian Vettel lebt vor dem letzten Rennen der Saison, und die Erleichterung darüber war dem 23-jährigen Deutschen in Sao Paulo deutlich anzusehen.

"Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen", bekannte der Red-Bull-Pilot, nachdem er mit seinem souveränen Sieg beim Großen Preis von Brasilien die Entscheidung im Titelkampf auf das Finale in Abu Dhabi vertagt hatte.

Auf dem berühmten Kurs von Interlagos wurde in diesem Jahr erstmals seit 2004 nicht der neue Champion gekürt.

Doch immerhin kam es am Sonntag zu einer weiteren Auslese unter den besten Rennfahrern auf diesem Planeten 309351(DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

Button und Hamilton raus

Weltmeister Jenson Button verabschiedete sich endgültig aus dem Kandidatenkreis, sein McLaren-Teamkollege Lewis Hamilton hat nur noch theoretische Chancen auf die Krone des Motorsports.

"Ich brauche nun ein Wunder", seufzte der viertplatzierte Champion von 2008 angesichts 24 Punkten Rückstand.

Titeljäger auf dem Podium

Derweil standen nach einem ereignisarmen Rennen in Sao Paulo just die drei Fahrer auf dem Podium, die den Titel beim Dämmerungsrennen auf dem futuristischen Kurs am Persischen Golf unter sich ausmachen werden.

Hinter Vettel wurde Mark Webber im zweiten Red Bull Zweiter vor Ferrari-Star Fernando Alonso (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Alonso rechnet schon

Letzterer hat nach einer überlegten Performance immer noch die besten Karten: Acht Zähler liegt er im Ranking vor Webber, gar 15 sind es zu Vettel. "Ich brauche einen zweiten Platz, wenn Mark gewinnt und einen fünften, wenn Seb gewinnt", rechnete der Spanier vor.

Sicher ist er sich seiner Sache nach dem GP, in dem Überraschungs-Pole-Setter Nico Hülkenberg in seinem Williams erwartungsgemäß nach hinten durchgereicht wurde, aber keineswegs.

"Wenn du im falschen Moment die falsche Entscheidung triffst, bist du Achter oder Neunter, und der Titel ist weg", so Alonso, der schon im ersten Jahr bei Ferrari zum Volkshelden in Italien aufsteigen könnte.

Offener Konflikt bei Red Bull

Sein schärfster Verfolger machte trotz Platz zwei einen etwas missmutigen Eindruck. Webber holte zwar Punkte auf Alonso auf, hätte bei einem Sieg aber einen großen Schritt Richtung Titel machen können.

Bereits im Vorfeld des Rennens hatte er mit Aussagen für Aufsehen gesorgt, er fühle sich nach wie vor im Team eher benachteiligt denn bevorteilt.

[kaltura id="0_dnuokcxq" class="full_size" title="Die Strecke in Interlagos"]

"Es ging ein bisschen drunter und drüber", meinte Vettel dazu: "Es wurde viel gesagt, besonders von ihm. Ich glaube, der heutige Tag gilt ganz dem Team, dabei sollten wir es auch belassen."

Team-WM schon im Sack

Immerhin sicherte sich die Crew des jüngsten Formel-1-Teamchefs, dem 36-jährigen Briten Christian Horner, in Brasilien vorzeitig den Titel in der Konstrukteurswertung.

Doch die Diskussion um die Fahrerpolitik bei Red Bull wird deshalb in den verbleibenden Tagen bis zum großen Showdown nicht verstummen.

Schließlich könnten Alonso genau jene Punkte, die er aufgrund des Zurücksteckens seines Teamkollegen Felipe Massa beim Deutschland-Grand-Prix im Juli erbte, zu seinem dritten Titel nach 2005 und 2006 verhelfen.

Zähneknirschen bei Webber

"Fernando hat in Hockenheim Punkte geschenkt bekommen, das ist in der Vergangenheit passiert und wird auch in Zukunft passieren", sagte Webber, der sich nur zähneknirschend der Teamleitung fügt.

"Es hilft", meinte er zum Thema Teamorder, "aber es ist nun einmal nicht die Philosophie des Teams. Jeder hat da verschiedene Vorstellungen."

Momentum auf Vettels Seite

Bevorzugung oder nicht, das Momentum liegt in der entscheidenden Phase auf Seiten Vettels.

Und der Heppenheimer hat gute Erinnerungen an das spektakuläre Rennen auf dem Yas Marina Circuit, das bei Tageslicht beginnt und in der Dunkelheit endet.

Im Vorjahr, bei der Premiere, deklassierte er Webber und feierte einen überlegenen Sieg.

Damals stand mit Button der Weltmeister zwar schon fest, an der Herangehensweise Vettels änderte das aber nichts. Diese sei auch dieses Jahr wie immer, erklärte Vettel: "Vollgas."

Keine Order - aber Hilfestellung?

Horner stellte schon kurz nach dem Rennen in Sao Paulo klar, dass er seinen Fahrern keine Anweisungen über einen möglichen Platztausch geben werde - auch wenn es das Team möglicherweise den Titel kosten wird.

Was aber nicht heißt, dass es nicht zu einem internen Überholmanöver kommen könnte.

"Wenn sie sich in einer Situation wiederfinden, wo einer dem anderen helfen muss, weil er selbst nicht mehr gewinnen kann, dann kann ich mir vorstellen, dass sie das tun werden", sagte Horner: "Aber es wird eine Entscheidung der Fahrer sein."

Vettel meinte, man werde der Situation gemäß entscheiden. Und er sagte: "Ich bin zur Schule gegangen, ich kann rechnen."

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