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Einer ist raus: Wer wird Nachfolger von Weltmeister Jenson Button (2. v. r.) © getty

Der große Showdown in Abu Dhabi steht bevor: SPORT1 klärt vor dem großen Finale der Formel-1-Saison die wichtigsten Fragen.

Von Marc Ellerich

München - Der Formel 1 steht beim letzten Saison-Grand-Prix in Abu Dhabi (Training, Fr., 10 Uhr im LIVE-TICKER und im TV auf SPORT1) ein Showdown bevor, wie es ihn nie zuvor gegeben hat.

Gleich vier Piloten können sich beim Wüsten-Rennen die Krone ihres Sports aufsetzen und Weltmeister werden.

Wer hat die besten Chancen, was hat es mit dem Thema Stallregie auf sich, warum ist die Situation so einmalig?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem WM-Finale:

Wer kann beim Saisonfinale in Abu Dhabi Weltmeister werden?

Vier Fahrer haben die Chance, beim letzten Grand Prix der Saison Weltmeister zu werden: Ferrari-Star Fernando Alonso führt das Tableau mit 246 WM-Punkten an, dahinter folgt das Red-Bull-Duo Mark Webber (238 Punkte) und Sebastian Vettel (231 Punkte). Und selbst McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton kann mit sehr viel Glück noch seinen zweiten Titel nach 2008 erobern.

Vier Piloten mit Titelchance - Gab es das jemals zuvor?

Nein, 25 Mal wurde in 60 Jahren Formel-1-Geschichte die Weltmeisterschaft im letzten Rennen entschieden. Mehr als drei Piloten waren aber nie beteiligt. (28421DIASHOW: Knappste WM-Finals)

Neun Mal vergab der WM-Spitzenreiter im Finale seine Titelchance und einer seiner Verfolger triumphierte, doch nur zwei Mal gelang es seit 1950 dem drittplatzierten Fahrer: Im Premierenjahr der PS-Liga war es Giuseppe Farina, der den führenden Juan-Manuel Fangio und den dahinter platzierten Luigi Fagioli düpieren konnte.

Und 2007 fing der finnische "Iceman" Kimi Räikkönen im Ferrari das McLaren-Duo Lewis Hamilton und Fernando Alonso noch ab. Sebastian Vettel, vor dem letzten GP in Abu Dhabi, ebenfalls drittplatziert, befände sich also in einem erlesenen Kreis.

[kaltura id="0_3mw5zbnf" class="full_size" title="Der Kurs in Abu Dhabi"]

Wer hat die besten Chancen?

Rechnerisch betrachtet natürlich Fernando Alonso. Der Spanier führt in der WM und kann sein Rennen danach ausrichten, wie sich die Red-Bull-Piloten verhalten. Raubt Sebastian Vettel zum Beispiel seinem Teamkollegen Mark Webber den Sieg im Wüstenrennen, reicht dem Ferrari-Rivalen ein dritter Platz, um als lachender Dritter Weltmeister zu werden. Es gibt zahlreiche andere Szenarien, nach denen der Spanier zum dritten Mal nach 2005 und 2006 Champion würde (beide Male mit Renault). (WM-Rechenspiele: Viele Wege führen zum Titel)

Doch auch Mark Webber liegt noch sehr gut im Rennen. Er wäre erstmals Weltmeister, wenn er in Abu Dhabi Erster würde und sein Teamkollege Vettel (oder ein anderer) den spanischen Rivalen auf Distanz hielte.

Sebastian Vettel müsste den 19. Grand Prix dieser Saison am besten gewinnen, um als jüngster Weltmeister in die Formel-1-Geschichte einzugehen. Das allein würde allerdings nicht reichen: Alonso dürfte nicht besser als Platz fünf abschneiden.

Lewis Hamilton braucht unbedingt einen Sieg in Abu Dhabi. Alonso dürfte dann gar keine Punkte ergattern, also nicht besser als Elfter abschneiden, Webber nicht über Platz sechs und Vettel nicht über Platz drei hinauskommen.

Warum hilft Vettel nicht Webber, Weltmeister zu werden?

Bei Red Bull gibt es - anders als bei Ferrari mit Alonso und dessen Kollegen Felipe Massa - keine Nummer eins und zwei im Team.

Und eine Stallorder zugunsten des 34-jährigen Webber haben Rennstall-Besitzer Dietrich Mateschitz und Teamchef Christian Horner vor dem großen Finale der diesjährigen WM kategorisch ausgeschlossen. Beide Piloten sind gleichberechtigt und dürfen auch im letzten Rennen ihre Titelchance suchen.

"Wenn sie sich in einer Situation wiederfinden, wo einer dem anderen helfen muss, weil er selbst nicht mehr gewinnen kann, dann kann ich mir vorstellen, dass sie das tun werden", sagte Horner nach Vettels Sieg in Brasilien: "Aber es wird eine Entscheidung der Fahrer sein."

Vettel selbst deutete an, er werde in der konkreten Rennsituation entscheiden: "Ich bin zur Schule gegangen, ich kann rechnen." (Vettel deutet Schützenhilfe an)

Was, wenn Alonso aufgrund der Stallorder-Affäre von Hockenheim Weltmeister wird?

Die Szene geriet zum handfesten Skandal: Beim Deutschland-Grand-Prix musste Felipe Massa seinen spanischen Kollegen auf Anweisung des Teams passieren lassen ("Felipe, Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Nachricht verstanden hast?"). Alonso fuhr zum Sieg vor Massa und Vettel.

Doch die offensichtliche Regieführung hatte ein Nachspiel: Ferrari wurde mit einer Geldstrafe von 100.000 Dollar belegt, behielt aber die volle Punkte-Ausbeute.

Sollte Alonso in Abu Dhabi mit den sieben Punkten Vorsprung, die er damals statt seines Kollegen Massa auf seinem Haben-Konto verbuchen konnte, Weltmeister werden, "wäre das frustrierend, denn Teamorder ist verboten", urteilt Red-Bull-Chef Horner. (Thema Stallorder: Entscheidet Betrug die WM?)

Jenson Button, bis Abu Dhabi immer noch Weltmeister, hielte Alonsos Triumph gar für befleckt. "Fernando ist ein außergewöhnlicher Fahrer. Allerdings werden sich einige aufgrund der Geschehnisse am Hockenheimring fragen, ob er es wirklich verdient hat", erklärte der McLaren-Star.

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