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Sebastian Vettel egalisierte für Red Bull den Pole-Rekord von McLaren und Williams © getty

Sebastian Vettel stößt in Abu Dhabi in einen Elitekreis vor - und weiß, dass er im Rennen Glück braucht, um Champion zu werden.

Von Marc Ellerich

München -Sebastian Vettels Vorstellung beim letzten Qualifying des Jahres beim Grand Prix in Abu Dhabi (So., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) war durchaus beeindruckend - und obendrein rekordträchtig. (WM-Krimi: Vettel perfekt - Alonso im Plan)

Mit seiner zehnten Pole-Position am Final-Wochenende dieser turbulenten Saison stellte der Red-Bull-Pilot die Marke zweier Traditionsteams ein: 15 Mal binnen einer Saison als Erster zu starten, das war zuvor nur McLaren (1988, 1989) und Williams (1992, 1993) gelungen. (DATENCENTER: Das Quali-Ergebnis)

Vettel war sich durchaus bewusst, dass er mit seiner schnellen Runde in einen erlesenen Kreis vorgestoßen war. "Ich habe Statistiken von Leuten vor Augen, die viele Poles in einem Jahr geholt haben. Da stehen Leute wie Senna oder Schumacher", kommentierte er sein Ergebnis. (311771DIASHOW: Die Bilder des Qualifyings)

Webbers böser Schnitzer

Wichtiger allerdings ist ihm die Zugehörigkeit zu einem anderen Elitezirkel, in dem die Namen Senna und Schumacher ebenfalls eine Rolle spielen. Vettel will bekanntlich mit aller Kraft Weltmeister werden, und mehr noch: Als jüngster Champion bisher will er die Legenden seiner Sportart in den Schatten stellen.

Und was dieses ehrgeizige Ziel angeht, hat seine Fahrt auf Startplatz eins seine Chancen gewiss nicht verschlechtert - gestiegen sind sie allerdings auch nicht unbedingt. Zwar leistete sich sein Red-Bull-Teamkollege und interner Titel-Widersacher Mark Webber als Fünfter einen bösen Schnitzer.

Doch der aussichtsreichste Titelkandidat, WM-Leader Fernando Alonso hielt im Ferrari als Dritter der Qualifikation mit Vettel Schritt. Platz drei würde dem Spanier am Sonntag bei einem Vettel-Sieg zum Titel reichen. (Rechenspiele: Viele Wege führen zum Titel)

[kaltura id="0_3mw5zbnf" class="full_size" title="Eine Runde in Abu Dhabi"]

"Hängt nicht von mir ab"

Vettel weiß das natürlich. Entsprechend verhalten ordnete er sein Ergebnis ein. "Ich sollte in einer guten Position sein, aber dort befinde ich mich nicht", urteilte der 23-jährige Hesse mit Blick auf seine pleiten- und pannenreiche Saison. (SPORT1-Interview mit Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko)

Und weiter: "Wer den Titel gewinnt, hängt nicht von mir ab. Wir haben das Bestmögliche herausgeholt, jetzt müssen wir sehen, was im Rennen passiert. Der Glaube ist noch da, die Hoffnung stirbt zuletzt."

Horner: Sebastian muss angreifen

Zwar versuchte der Vize-Weltmeister des Vorjahres noch den Druck an seine WM-Widersacher Alonso und Webber weiterzureichen ("Sie müssen liefern"), gleichwohl ist ihm bewusst: "Der Titelgewinn wäre ein Bonus."

Ähnlich sieht es sein Teamchef Christian Horner: "Die Aufgabe von Sebastian ist ziemlich klar: Er muss angreifen und es probieren."

Selbstbewusster Alonso

Ob der abgebrühte Alonso, der beim Start auf dem Yas Marina Circuit jeweils einen McLaren-Piloten vor sich (Lewis Hamilton) und einen hinter sich hat (Noch-Weltmeister Jenson Button), im wichtigsten Rennen des Jahres Nerven zeigt, wird man sehen.

Der 29-jährige Pilot aus Oviedo sah sich nach dem Qualifying in "einer sehr starken Position. Der dritte Platz ist großartig".

Vorfreude auf seinen dritten Titel nach 2005 und 2006 lag dem Spanier allerdings fern. "Im Rennen kann alles passieren. Wir müssen 55 Runden ohne Probleme hinter uns bringen, es wird lang und hart", urteilte der Spanier, der sich in der letzten Phase der Qualifikation noch vom fünften auf den dritten Platz vorgeschoben hatte.

Webber trotzig

Mark Webber, im WM-Tableau vor dem Grand Prix hinter Alonso am aussichtsreichsten positioniert, erlebte einen finsteren Nachmittag, bei dem er die Aussicht auf seinen ersten Titel im Spätherbst seiner Karriere fast vor die Wand fuhr.

"Ich bin noch im Rennen", stellte er später trotzig fest und klammerte sich an die Hoffnung, im 19. Grand Prix des Jahres könnten "noch eine Menge Dinge passieren". Doch zugleich wusste der 34-Jährige aus Queanbeyan: "Es war enttäuschend. Ich war einfach nicht schnell genug. Ich kam einfach nicht auf das Tempo der Besten. Wahrscheinlich liegt es am Fahrer."

Auch sein Team ordnete Webbers Leistung skeptisch ein. "Er wird enttäuscht und frustriert sein, nur Fünfter zu sein", vermutete Horner und gab seinem Piloten schon samstags die Vorgabe fürs Rennen mit: "Mark muss Alonso überholen, er kann es sich nicht leisten, hinter ihm ins Ziel zu kommen."

Horner fordert gute Starts

Horner ging davon aus, dass Red Bull einen Glanztag benötigen wird, um Ferrari den ersten Titel mit Alonso noch zu entreißen.

"Wir brauchen an der Box eine gute Arbeit, wir benötigen gute Starts. Wir wissen, dass wir ein gutes Auto haben. Die Abnutzung der weichen Reifen wird morgen ein Schlüsselfaktor sein", blickte der Teamchef voraus. Auch den mehr oder weniger verschlissenen Motoren der Spitzenteams komme besondere Bedeutung zu.

Whitmarsh: Für Lewis ist es einfach

Am einfachsten wird der Renn-Sonntag für Lewis Hamilton - zumindest, wenn man seinem Teamchef Martin Whitmarsh Glauben schenkt.

Hamilton liegt 24 Punkte hinter Spitzenreiter Alonso, darf sich mithin als völliger Außenseiter im Titelrennen fühlen, der nur mit außerordentlichem Glück zum zweiten Mal nach 2008 jubeln dürfte.

Was den McLaren-Star laut Whitmarsh allerdings der größten Sorgen entledigen wird. "Für Lewis ist die Sache recht einfach", befand der Ingenieur, der "mit einem der aufregendsten Tage in der Formel-1-Geschichte" rechnet.

Hamiltons Warnung

Hamilton müsse von seinem zweiten Startplatz aus angreifen und möglichst gewinnen. "Er braucht sich dabei aber nicht mit komplizierten Rechenaufgaben befassen. Die anderen Fahrer müssen an diesem Wochenende deutlich mehr rechnen."

Hamilton gab sich unterdessen wesentlich angriffslustiger und sandte eine wenig versteckte Drohung an seine WM-Rivalen. "Ich muss morgen überhaupt nicht aufpassen, wer in meiner Nähe ist, sie müssen aufpassen, wer in ihrer Nähe ist", kündigte der Engländer an.

Um dann fortzufahren: "Ich habe nichts mehr zu verlieren und alles zu gewinnen. Es sind die anderen Piloten, die sich Sorgen machen müssen. Ich muss auch im Rennen überhaupt nicht vorsichtig sein. Vielleicht sollten die anderen mal darüber nachdenken."

Auch so kann man es natürlich sehen.

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