In Sebastian Vettel gewinnt der richtige Pilot den Weltmeister-Pokal. Für ihn sprechen seine Härte, seine Klasse - und die Moral.

2324 Tage nach Michael Schumacher hat Deutschland wieder einen Formel-1-Weltmeister. Noch dazu den jüngsten aller Zeiten.

Und bei aller Anerkennung für Fernando Alonso und seine furiose Aufholjagd, für Mark Webber und seinen unerwarteten zweiten Frühling in diesem Jahr und für das starke McLaren-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button, die dem Deutschen in einem noch nie dagewesenen Fünfkampf alles abverlangt haben: Sebastian Vettel ist der verdiente Weltmeister.

[image id="2090778d-65ac-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Alles Glück, das der 23-Jährige im Finale dieser historischen Saison und seinem unverhofften Ende hatte, es war das Glück des Tüchtigen.

Oft hat es dem jungen Deutschen in diesem dramatischen Formel-1-Jahr gefehlt. Man denke nur an Vettels bitteren Motoren-Ausfall in Südkorea.

Kein anderer Pilot hatte während der 19 Grands Prix eine vergleichbare Anhäufung an Pleiten, Pech und Pannen zu verzeichnen wie der Virtuose aus Heppenheim.

Vettel hat all dem widerstanden. Er hat die Nackenschläge ebenso weggesteckt, wie er die beinharte, interne Auseinandersetzung mit seinem Teamkollegen Webber verarbeitet und das nervenzehrende Duell mit dem wesentlich erfahreneren Alonso gemeistert hat. Das spricht für die mentale Reife des jungen Champions.

Doch für den Weltmeister spricht nicht allein seine innere Härte in den vielen Psycho-Duellen dieser langen Saison.

Auch die nackten Zahlen sind starke Argumente für Vettels Triumph: Allein zehn Mal ging der Hesse von Startplatz eins ins Rennen, eine Quote, die kein anderer seiner Mitbewerber vorweisen kann. Vettel reiht sich damit in einen Elitezirkel großer Namen wie Schumacher, Senna und Prost ein.

Und trotz seiner vielen Ausfälle beendete der frischgebackene Weltmeister immerhin fünf Grands Prix als Sieger, womit er mit seinem größten Konkurrenten im WM-Showdown, Alonso, gleichauf liegt. Auch das spricht für seine fahrerische Sonderklasse.

Und schließlich: Sebastian Vettel und sein Team dürfen sich auch als die moralischen Weltmeister fühlen.

Bis zum heißen Final-Grand-Prix widersetzte sich Red Bull allen Forderungen, dem Beispiel Ferraris zu folgen und eine Stallorder zugunsten des in der WM besser platzierten Webber auszurufen.

Anders als die Italiener, die Alonso beim Deutschland-Grand-Prix per Dekret an dessen führendem Teamkollegen Felipe Massa vorbei zum Sieg lotsten und damit den Nummer-eins-Status des Spaniers zementierten, verzichtete der österreichische Rennstall in jeder Phase der Saison auf dergleichen.

Vettel und Webber hatten stets freie Fahrt.

Am Ende sind die Bullen für diesen Mut belohnt worden. Weil Ferrari im alles entscheidenden Rennen einen fatalen Fehler machte. Und weil Sebastian Vettel seine Chance wie ein Weltmeister am Schopfe gepackt hat.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel