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Sebastian Vettel (r.) wurde 2009 Vize-Weltmeister hinter Jenson Button © getty

Der Weltmeister hat genug vom Feiern und sehnt sich nach Ruhe. Zwei Tage nach dem Triumph setzt er sich schon das nächste Ziel.

Aus Salzburg berichtet Marc Ellerich

Salzburg - Der schier endlose Party-Marathon nach Red Bulls doppeltem Titel-Triumph zehrt allmählich an den Kräften des frischgebackenen Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel.

Mit müdem Gesicht trat der neue Champion am Red-Bull-Firmensitz in Salzburg gemeinsam mit Teamchef Christian Horner, Design-Guru Adrian Newey und seinem australischen Teamkollegen Mark Webber nach der 312858Fete vom Vorabend vor die internationale Presse-Hundertschaft, um in Hangar 7 die vorerst letzten Fragen zu klären.

"Gebt ihm Sprit", scherzte Webber angesichts der angeschlagenen Form seines deutschen Nebenmanns ganz in der Nähe des Flughafens der österreichischen Metropole.

Doch Vettel mühte sich auch ohne Stärkung durch den vorerst letzten Interview-Ausdauerlauf auf dem europäischen Festland - von Österreich aus geht es direkt weiter an den englischen Sitz des Weltmeister-Teams in Milton Keynes.

Wasser statt Champagner

Auch dort soll gefeiert werden, diesmal vermutlich noch etwas deftiger auf Englisch. Doch Vettel winkte schon in Salzburg ab.

Er habe vor allem sehr viel Wasser getrunken auf der Firmen-Fete tags zuvor, die nebenher von einer Live-Sendung des konzerneigenen TV-Senders begleitet worden war. "Um meine Stimme klar zu halten", wie Vettel ergänzte.

Doch im Moment leidet nicht nur die Stimme, es kämpft der ganze Mann. "Ich brauche dringend Erholung, für mich ist es erst einmal wichtig, Ruhe zu finden", ächzte der zweite deutsche Weltmeister der Formel-1-Geschichte..

Urlaub wird es nicht geben

Aber was Vettel natürlich weiß: "Urlaub wird es erst mal nicht geben. Im Moment es drunter und drüber."

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Beinahe stündlich ändere sich sein Terminkalender, berichtete der erschöpfte neue Superstar der Szene.

Auch die Glückwünsche ebben nicht ab. In der Nacht nach seinem Triumph habe er "so 150 bis 160 SMS" bekommen.

Sehnsucht nach dem Cockpit

Alle wollen etwas von ihm, und Vettel sehnt sich angesichts des gerade erst erwachten Hypes nur nach einem: Er will zurück ins Cockpit seines RB-6. Am Wochenende darf er tatsächlich wieder das tun, was er am liebsten tut: Autofahren.

Reifentests sind anberaumt für den neuen Lieferanten der PS-Liga, die italienische Klassiker-Marke Pirelli. Und das ausgerechnet an der Stätte von Vettels Last-Minute-Sensationscoup: in der Wüste von Abu Dhabi. 312220(DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

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"Die Zeit im Auto wird für mich die ruhigste", erhofft sich der derzeit berühmteste Hesse: "Da freue ich mich drauf." Die Übungsfahrten seien "aktive Erholung".

Heppenheim muss warten

Doch bis es soweit ist, geht die wilde PR-Jagd für den jüngsten Weltmeister der Geschichte weiter, gnadenlos. "Ich versuche alles, in den Zeitplan hineinzupressen", schildert Red Bulls Bester seine Not.

Und da muss selbst ein Abstecher in die hessische Heimat Heppenheim warten. Auch dort sehnt man dringlichst den berühmten Sohn der Stadt herbei. Ehrenbürger soll Vettel werden und auf dem Rathaus-Balkon will man ihn feiern.

Doch Vettel muss die Erwartungen der feierlustigen Mitbürger dämpfen: "Ich weiß nicht, wann ich es schaffe. Es ist von der Zeit her unheimlich eng."

Keine Hochzeit, kein Ärger

Immerhin, einige naheliegende Fragen konnte der Vielbegehrte in der Salzburger Flughafen-Halle dann doch beantworten.

Nein, er habe seinen großen Sieg immer noch nicht ganz realisiert. "Ich hatte noch nicht viel Zeit, um darüber nachzudenken. Hoffentlich bekomme ich in den nächsten Tagen ein bisschen Zeit, um zu begreifen, was passiert ist."

Nein, die Hochzeit mit seiner Freundin Hanna sei nicht geplant. "Ich denke, wenn man Leute in meinem Alter fragt, ist die Antwort klar."

Nein, er habe keinen Ärger mit seinem Ferrari-Rivalen Fernando Alonso, dem er in Abu Dhabi auf den letzten Drücker noch den Titel entrissen hatte. "Da ist kein Grund, mit Fernando ein Problem zu sehen."

Vettels Ziel: Titelverteidigung

Und nein, mit einer Vettel-Mania, wie sie sich im Moment in seiner Heimat abspiele, habe er nicht gerechnet: "So etwas kann man doch nicht planen."

Überwältigt sei er selbst worden "als ich hier angekommen bin und mein Gesicht in allen Zeitungen gesehen habe. Man kann die Gefühle nicht ausdrücken, es ist alles sehr speziell." Als er am Montagabend erstmals die Bilder vom Public Viewing aus Heppenheim sah, wirkte Vettel sichtlich beeindruckt.

Auch über seine künftigen Ziele zu reden, fiel Vettel nicht leicht. "Es hört ja nicht auf, es geht ja weiter", vermutete er: "Das kommt jetzt auf mich zu: Die Kraft zu finden, sich neue Ziele zu setzen."

Im Moment wolle er "genießen, was passiert ist. Irgendwann wird es klick machen, dann wird vom nächsten Jahr geredet." Aber natürlich: "Was mich betrifft, ist das Ziel den Titel zu verteidigen."

Ruhe nur im Flieger

Sprach's, und musste schon wieder weiter. Vor die TV-Kameras und Mikrofone.

Doch dann wurde der gestresste Champion endlich erlöst. Seine Pressesprecherin zupfte am Ärmel.

Der Flieger nach England wartete bereits - und mithin einige Momente der Ruhe für den erschöpften Sebastian Vettel.

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