SPORT1-Experte Peter Kohl zieht nach dem Vettel-Triumph beim spektakulären Formel-1-Finale von Abu Dhabi sein Saisonfazit.

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Red Bull: Die Brausedosenmillionäre sind die neuen Könige im Fahrerlager! 15 Poles, das schnellste Auto, verdient erstmals Konstrukteursweltmeister, Adrian Newey unterstreicht sein Magier-Image als Meisterdesigner ein weiteres Mal. Dazu das stärkste Fahrerduo.

Trotz einiger Dissonanzen, die in einem so engen Duell um den Titel normal sind, auch für die kommende Saison eine Bank. Respekt, Dietrich Mateschitz, dass Stallorder kein Thema war, ein Fanal für Fairness und Sportlichkeit!

Sebastian Vettel: Jüngster Weltmeister aller Zeiten! In einer Saison mit vielen Up and Downs am Ende verdient strahlender Hero! Wie der 23-Jährige zahlreiche Rückschläge, Kritik und Sticheleien des Teamkollegen weggesteckt hat, immer das große Ziel im Auge behielt - das zeichnet wahre Champions aus! Titel Nummer eins war erst der Anfang, es werden noch viele folgen.

Ferrari: Am Ende einer durchwachsenen Saison der kapitale Bock einer falschen Boxenstopp-Strategie für Alonso, mit der der Fahrertitel hergeschenkt wurde. Grande Desaster. Luca Di Montezemolo wird gnadenlos aufräumen. DER Stachel sitzt tief!! Alonso hat das Maximum rausgeholt, eine sehr gute erste Saison bei den Roten hingelegt.

Aber die Stallorder am Hockenheimring hat Kratzer im Lack der Mythos-Marke hinterlassen. Dazu war Massa zu schwach, um eine Chance im Kampf um den Konstrukteurstitel zu haben. Die Weiterentwicklung des Autos verlief zu langsam für ein absolutes Spitzenteam, die Konstruktion eines gut funktionierenden eigenen F-Schachts hat zu lange gedauert. Auch im Motorensektor gab es Schwachstellen.

McLaren: Der F-Schacht war ein genialer Schachzug, hat die Konkurrenz gehörig ins Schwitzen gebracht. Bis zum Schluss haben sie allerdings das Problem zu wenig Abtrieb nicht in den Griff gekriegt. Hamilton hat sich wie erwartet teamintern als Nummer eins durchgesetzt, fuhr in den entscheidenden Rennen aber zu aggressiv, machte Fehler, die ein Weltmeister nicht machen sollte. Button war über weite Strecken der Saison im Qualifying zu schwach, und unter dem Strich viel zu brav.

Renault: Für mich die Überraschung der Saison! Sehr konkurrenzfähig, immer in der Lage, in die Top Ten zu fahren. Kubica hat unterstrichen, dass er ein Ausnahmefahrer ist - Petrows Leistungen waren zu schwankend, seine Fehlerquote zu hoch.

Mercedes GP: Vor Beginn der Saison wurde uns das neue Dreamteam angekündigt - zwei Weltstars hätten zueinander gefunden, Michael Schumacher und Mercedes. Schwarz, Rot, Silber - von wegen! Der siebenmalige Weltmeister blieb blass, sein viel bejubeltes Comeback versandete in der Bedeutungslosigkeit eines Mitläufers.

Der einzige Stern, der glänzte, war Nico Rosberg. Der Rest war biederes Mittelmaß. Zu wenig unter dem Strich für die hohen Ansprüche.

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Williams: Endlich wieder eine Saison, in der das Traditionsteam bis zum Ende am Ball blieb! In der ersten Hälfte des Jahres war das Auto schwierig zu fahren, dank der Erfahrung von Barrichello wurde es aber immer besser. Nico Hülkenberg legte eine gute Premierensaison hin, herausragend seine Pole in Sao Paulo unter extremen Bedingungen. Hat einen Verbleib in der Formel 1 verdient.

Force India: Stark angefangen, ab der Saisonhälfte zunehmend nachgelassen, am Ende nur noch Mitläufer. Schade, da war mehr drin. Adrian Sutil ist gereifter, souveräner aufgetreten, schöne Entwicklung - Liuzzi hat das Pech an den Hacken geklebt, seine Leistungen waren aber oft auch zu dünn, um sein Cockpit zu behalten. Di Resta sollte seine Chance nächstes Jahr bekommen!

Sauber: Zwölf Ausfälle in den ersten acht Rennen, ein Fiasko für die Schweizer! Nachdem James Key als technischer Leiter das Kommando übernommen hatte, ging es stetig bergauf. Am Ende überwiegt die Freude darüber, dass es Peter Sauber nach dem Ausstieg von BMW geschafft hat, den Laden über Wasser zu halten. Mit Kamui Kobayashi haben sie einen Senkrechtstarter gefördert, der für sehr hohen Unterhaltungswert gesorgt hat.

Toro Rosso: Das erste Jahr abgenabelt von Red Bull Technology war hart, mit Problemen gepflastert. Über die Mitläuferrolle kam das Team von Franz Tost selten raus. Sehr erfreulich allerdings die Entwicklung von Jaime Alguersuari, der in der zweiten Saisonhälfte Teamkollege Buemi ein ums andere Mal abgekocht hat.

Lotus: Das beste der neuen Teams, sehr solide und durchaus hin und wieder konkurrenzfähig, wenn nicht laufend das Hydrauliksystem kollabiert wäre. Ein Zuliefererproblem. Aber 14 Ausfälle sind einfach zu viel. Dennoch, die Truppe von Tony Fernandez hat sich viele Sympathiepunkte geangelt.

Virgin: Das einzige Team, dass ausschließlich mit Computersimulationen und ohne Windkanal ein Auto entwarf und weiterentwickelte. Der große Wurf war's nicht! Lediglich das Farbdesign war dynamisch! Timo Glock holte im Qualifying oft Ergebnisse raus, die das Auto eigentlich nicht herzugeben bereit war. Im Rennen sah aber auch er meist nur die Rücklichter der Konkurrenten. In der Form ist die Truppe von Richard Branson und John Booth keine Bereicherung für die Formel 1.

Hispania Racing: Respekt für Colin Kolles, dass er die Trümmertruppe in letzter Sekunde tatsächlich noch an den Start brachte. Aber wer kein Geld hat zu säen, kann auch nicht ernten. So gut wie keine Weiterentwicklung, von Haus aus ein Auto, das prähistorisch wirkte, mehr als die Rote Laterne war nicht zu holen. Bruno Senna hat mich als Fahrer nicht überzeugt, Chandhok und Yamamoto erst recht nicht!

FAZIT

Unfassbar die Saison 2010! Spannung, Abwechslung, vier Teams die um Top-Platzierungen gerungen haben bei jedem Lauf - die Formel 1 rockt - und zwar gewaltig! Hoffentlich auch 2011, dann ohne F-Schacht und ohne Doppeldiffusor.

Bis dahin, gute Fahrtwünscht Ihr Peter Kohl

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