SPORT1-Experte Peter Kohl zieht einen Strich unter die Fahrer der vergangenen Saison. Besonders ein Deutscher hat viel Potenzial.

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Sebastian Vettel (Red Bull-Renault): Motorplatzer, Radmutter im Eimer, Crashs mit Teamkollege Webber und Jenson Button, Kupplungsprobleme, falsche Strategien. Der 23-Jährige war nicht aus der Ruhe zu bringen, glaubte bis zum Schluss an sich und seine Chance.

Verdient jüngster Weltmeister aller Zeiten, ist den großen Erwartungen gerecht geworden. Lässt sich nicht beirren, nicht reinreden, hat das Potenzial für einen charismatischen Superstar.

Mark Webber (Red Bull-Renault): Ohne Frage die beste Saison des Australiers, der am Ende aber das Nervenflattern bekam und seine Optionen nicht ausreizte. So wird sein großer Traum ein Traum bleiben, Webber wird wohl nie Formel-1-Weltmeister:

Fernando Alonso (Ferrari): Großartige erste Saison bei Ferrari! Er hat mit seinem Ehrgeiz, seiner Fokussierung und seinem Charisma vom ersten Tag an im Team alle hinter sich gebracht, alle dazu angehalten, die Durststrecke Mitte der Saison zu überwinden. Das Sahnehäubchen am Ende fehlte, was ihn noch mehr anspornen wird. Vettel darf sich auf was gefasst machen 2011!

Felipe Massa (Ferrari): Nach seinem schweren Unfall 2009 in Ungarn nicht mehr der Alte. Zu viele Durchhänger und schwache Auftritte. Eine Saison, die seinen Verbleib bei Ferrari stark gefährdet. Weit weg davon, Champion zu werden. So eine Chance wie 2008 wird er wohl nie mehr bekommen.

Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes): Er bleibt ein Heißsporn, aggressiv und mutig wie eh und je, hat mit zahlreichen Überholmanövern für sehr viel Unterhaltung gesorgt, mit zu großer Risikobereitschaft aber in Monza und Singapur seine Titelchancen verschleudert. Manchmal ist weniger mehr, das muss er schleunigst lernen.

Jenson Button (McLaren-Mercedes): Fette Beute macht satt und träge! Der Titelgewinn 2009 hat ihn offenbar schon zufrieden gestellt, was sein Karriereziel angeht. Über weite Strecken der Saison zu brav und bieder, mir fehlte der rechte Biss, um den hart erkämpften Titel zu verteidigen.

Nico Rosberg (Mercedes GP): Grandiose Premierensaison bei den Silberpfeilen. Mit seinen drei dritten Plätzen ließ er den Stern wenigstens ein bisschen funkeln. Hat sich clever im Schumacher-Comeback-Hype zu Beginn des Jahres zurück gehalten, hat dafür mit Leistung geglänzt. Reifeprüfung bestanden, ist auf dem Weg zu einem Topstar.

Michael Schumacher (Mercedes GP): Warum tut er sich das an, wem will er noch was beweisen? Fragen, die immer wieder gestellt werden, vor allem nach dieser lauwarmen Saison. Die Ansprüche an einen siebenmaligen Weltmeister sind eben extrem groß, denen konnte er nicht gerecht werden. Mitfahren ist für einen wie ihn zu wenig. Schumi hat nicht erkennen lassen, dass er die jungen Wilden im Zaum halten kann. Der Crash mit Liuzzi sollte ihm zu denken geben. Lieber eine Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Robert Kubica (Renault): Eine Granatensaison für den Stoiker. Zuverlässig, fast ohne Fehler, nutzte jede sich bietende Chance und hat ein Team, dem wenige etwas zugetraut hatten, immer wieder im Scheinwerferlicht stehen lassen. Der Typ hat Championformat!

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Witali Petrow (Renault): Sein Saisonfinale in Abu Dhabi war sein Gesellenstück. Wie er 40 Runden lang Alonso in Schach hielt, war großes Kino. Neben diesem echten Lichtblick gab es aber auch reichlich Schatten: Seine mitgebrachten Sponsorenmillionen hat er locker mit den zahlreichen Crashs, die er gebaut hat, selber aufgebraucht. Unter dem Strich zu wenig - mit diesem Renault hätte er konstant in die Punkte fahren müssen. Leider ist ihm das nur vier Mal gelungen.

Adrian Sutil (Force India-Mercedes): Abgeklärter, reifer, nicht mehr nur mit dem Messer zwischen den Zähnen. Hat sich etabliert und empfohlen für ein Team mit Siegpotenzial.

Vitantonio Liuzzi (Force India-Mercedes): Von seinem deutschen Teamkollegen komplett entzaubert. Ihm klebte das Pech an den Hacken nach gutem Saisonstart, hat selber zu wenig beigetragen, um bleiben zu dürfen. Sein Cockpit sollte man einem Talent zur Verfügung stellen, mit dem Italiener kommt das Team nicht weiter!

Rubens Barrichello (Williams-Cosworth): 18 Jahre Formel 1 und kein bisschen müde! Hat einen schwer zu kontrollierenden Williams sicher in die Punkte gebracht, wenn sich die Chance dafür bot und viel dazu beigetragen, dass das Team sich fing und in der zweiten Saisonhälfte ernsthaft konkurrenzfähig war.

Nico Hülkenberg (Williams-Cosworth): Klar hat er Fehler gemacht in seiner Premierensaison. Vor allem zu Beginn hat er Dinge erzwingen wollen, die nicht drin waren, und das Auto überfahren. Seine Lernkurve war aber beeindruckend, er hat sich nie aus der Bahn werfen lassen durch Rückschläge. Seine Pole-Position unter schwierigsten Bedingungen in Sao Paulo war eine Glanzleistung. Es wäre eine Schande, wenn er kein Engagement für 2011 finden würde!

Pedro de la Rosa (Sauber-Ferrari): Alteisen glänzt selten. Seine Verpflichtung war ein Fehler, er hat das Team nicht weiter gebracht, seine Ablösung war logisch und zwingend.

Kamui Kobayashi (Sauber-Ferrari): Nicht fehlerlos aber dennoch Senkrechtstarter des Jahres. Hat seine Chance bei Sauber genutzt und viele Sympathien mit seiner aggressiven, unterhaltsamen Fahrweise gewonnen. Ein Gewinn für die Formel 1.

Nick Heidfeld (Sauber-Ferrari): Hat unter den gegebenen Umständen gezeigt, dass Routine hilft, der Speed noch da ist: Ob das reicht für ein Engagement für 2011? Ich hege da meine Zweifel.

Jaime Alguersuari (Toro Rosso-Ferrari): Torero olé! Hat seine Qualifying-Schwäche in der zweiten Saisonhälfte zunehmend abgelegt, sich teamintern freigeschwommen und am Ende Teamkollege Sebastien Buemi fast immer im Griff gehabt. Eine bemerkenswerte Steigerung des Spaniers in seiner ersten kompletten Saison.

Sebastien Buemi (Toro Rosso-Ferrari): Verkrampft, weil die Ergebnisse ausblieben, dadurch stieg die Fehlerquote. Ein harziges Jahr, er ist auf der Stelle stehen geblieben, anstatt sich weiterzuentwickeln. Enttäuschend!

Timo Glock (Virgin-Cosworth): Ohne den "Kampfdackel" wäre bei Virgin gar nichts los! Timo sorgte wenigstens im Qualifying für einige Lichtblicke, war aufgrund der maladen Technik in den Rennen aber chancenlos. Das er den Kopf nie hängen ließ, ist ihm hoch anzurechnen.

Lucas di Grassi (Virgin-Cosworth): Hatte seine Chance, hat die nicht wirklich genutzt, eher gezeigt, dass die Formel 1 ihn nicht wirklich braucht.

Heikki Kovalainen (Lotus-Cosworth): Solide Saison, hat in Singapur seine Qualitäten als Feuerwehrmann eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Jarno Trulli (Lotus-Cosworth): Auf Augenhöhe mit Teamkollege Heikki Kovalainen, aber irgendwann geht alles zu Ende, auch seine Formel 1 Karriere. Vielleicht ist die Zeit reif, das Cockpit einem Talent zu überlassen.

Bruno Senna (Hispania-Cosworth): Großer Name, netter Bursche, aber überzeugt hat er mich nicht.

Karun Chandhok (Hispania-Cosworth): Wirkte oft überfordert, der Formel-1-Schuh ist wohl doch etwas zu groß für ihn, um darin sicher seinen Weg zu gehen.

Sakon Yamamoto (Hispania-Cosworth): Das japanische Jammertal. Kohle ohne Ende, aber ein zu leichter Gasfuß. Wird sich dank Mamas Millionen vielleicht noch einmal irgendwann bei irgendwem ein Cockpit holen - sein Talent für die Formel 1 ist aber sehr überschaubar.

Ich bin gespannt, wer nächste Saison in der Formel 1 alles auftauchen wird. Hinter den Kulissen wird ja derzeit gefeilscht um die verbleibenden Cockpits wie auf dem Bazar. Überraschungen sind da durchaus denkbar.

Ihr Peter Kohl

Bis dahin, gute Fahrtwünscht Ihr Peter Kohl

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