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Bernie Ecclestone ist Mitbesitzer des Fußballklubs Queens Park Rangers © getty

Der Formel-1-Boss glaubt allen Schreckensmeldungen zum Trotz an einen Start in Bahrain. Die Proteste sind ihm ein Rätsel.

München - Das Auftaktrennen der neuen Saison findet am 13. März auf dem Bahrain International Circuit statt.

Davon geht zumindest Bernie Ecclestone aus.

Der Formel-1-Boss hat sich am Freitag über die Lage vor Ort informieren lassen und schilderte danach bei "BBC": "Ich habe heute Morgen mit niemandem aus dem Büro des Kronprinzen gesprochen. Ich habe aber mit unseren Leuten vor Ort gesprochen. Sie sagen, dass es ruhig ist und dass es keine großen Probleme gibt."

Allerdings sei ihm auch bewusst, dass der Eindruck lediglich subjektiv sei: "Sie haben es jedenfalls so gesagt." (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

GP2-Absage richtig

Die Absage der für Freitag und Samstag geplanten Rennen der GP2-Asia-Serie halte er für richtig.

"Wir haben es abgesagt, weil die Asia-Serie nicht wahnsinnig wichtig ist. Wir wollten nichts riskieren. Wenn wir aber heute mit meinem aktuellen Informationsstand die gleiche Entscheidung treffen müssten, hätten wir es anders gemacht", gab der Brite am Freitag zu bedenken.

Allerdings scheint sich Ecclestone mit der Lage in Bahrain nicht sonderlich gründlich befasst zu haben.

"Hoffentlich müssen wir nichts tun"

So sagte er der "BBC" mit Blick auf die Unruhen, die bereits fünf Menschenleben gefordert haben, auch: "Wir wissen nicht genau, worum es bei diesem Protest geht. Wir haben uns nie in Religion und Politik eingemischt. Wir treffen unsere Entscheidungen nicht auf Grundlage von solchen Dingen. Es liegt nicht an uns, das Land zu regieren. Hoffentlich müssen wir gar nichts tun, hoffentlich geht alles normal weiter."

Zumindest die vom 3. bis 6. März angesetzten Tests in Bahrain stehen weiter auf der Kippe. Als Ausweichorte werden bereits Barcelona, Jerez, Portimao und Abu Dhabi gehandelt. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Dabei wird vor allem wichtig sein, dass die Teams unter ähnlichen Wetterbedingungen wie in Bahrain testen können. Die Sporting Group der Teamvereinigung FOTA setzte sich bereits zusammen, um abschließend zu beraten.

Die Durchführung der Testfahrten gehört zum Zuständigkeitsbereich der FOTA, die entsprechend auch eine Verlegung anordnen kann.

Deadline am Mittwoch?

Die endgültige Entscheidung über den Grand Prix wird wohl in der kommenden Woche fallen. "Wenn es sich nicht bis Mittwoch beruhigt, dann müssen wir es vielleicht streichen", zweifelt Ecclestone doch noch am Auftaktrennen.

Das würde auch Niki Lauda begrüßen. Der dreimalige Weltmeister aus Österreich hatte sich bei "n-tv" ablehnend geäußert: "Nein, das macht keinen Sinn. Wenn Menschen für Demokratie kämpfen, kann man da nicht Formel 1 fahren. Das ist nicht vereinbar."

Ihm gehe es darum, ein Zeichen zu setzen. "Es wäre falsch, wenn plötzlich eine Sportveranstaltung in die Proteste hineinplatzt. Der Sport muss sich da raushalten", so Lauda weiter.

Ausweichen nicht möglich

Angesichts der andauernden Präsenz des Militärs im Straßenbild der Hauptstadt Manama ist eine Durchführung des Saison-Auftaktrennens in Bahrain derzeit nur schwer vorstellbar. Die Zeit läuft den Formel-1-Verantwortlichen davon.

Ein anderer Austragungsort käme nicht in Frage. Teile der Logistik sind bereits seit Januar per Schiff unterwegs in den Nahen Osten.

Drei Tote nach Gefechten

Bereits am Donnerstag hatte es Ecclestone geschafft, telefonischen Kontakt zu Bahrains Kronprinz herzustellen. "Er weiß auch nicht mehr als du und ich, aber sie beobachten die Angelegenheit sehr genau", berichtete der Brite.

Am gleichen Tag waren in den frühen Morgenstunden drei Menschen erschossen worden, als Polizeieinheiten den zentralen Lulu-Platz in der Hauptstadt Manama geräumt und laut Augenzeugenberichten unvermittelt das Feuer eröffnet hatten.

200 Personen erlitten Verletzungen. Die überwiegend schiitische Bevölkerung des Bahrain begehrt gegen die sunnitische Familie von König Hamad ibn Isa Al Chalifa auf, weil sie sich diskriminiert fühlt.

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