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Den ersten Großen Preis von Bahrain 2004 gewann Michael Schumacher © getty

Einigkeit in der Formel 1: Die Absage des Saisonauftakts in Bahrain war unausweichlich. SPORT1 erklärt, wie es weitergeht.

Von Julian Meißner

München - Es ist ein einmaliges Ereignis in der 62-jährigen Geschichte der Formel 1: Die Absage des Großen Preises von Bahrain aufgrund der Unruhen versetzt der Königsklasse einen schweren Schlag.

Nachdem die Teams wie auch Bernie Ecclestone lange auf Zeit spielten und sich zu keiner klaren Ansage hinreißen ließen, zog am Montag der Veranstalter selbst den Stecker.

Kronprinz Salman ibn Hamad ibn Isa Al Chalifa informierte Ecclestone von der Entscheidung, auf die Austragung zu verzichten.

Hätte der Formel-1-Impresario, der die Absage als "die einzig mögliche Entscheidung" bezeichnete, von sich aus das Rennen abgesagt, wäre ihm und den Teams wohl das Antrittsgeld in Höhe von 35 Millionen US-Dollar verloren gegangen.

Der Brite betonte allerdings in der "BBC": "Mit Geld hat das nichts zu tun - in solchen Fällen reden wir nicht über Geld."

Auf jeden Fall aber stellen die Entwicklungen den PS-Zirkus vor gewaltige Aufgaben (DATENCENTER: Rennkalender 2011).

Wie geht es weiter nach der Absage? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie sieht nun der Rennkalender aus?

Die Saison startet am 27. März in Australien, Start des Rennens in Melbourne ist um 8 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Weiter geht es in Malaysia und dann China. Vorerst umfasst der Rennkalender nur noch 19 statt der geplanten 20 Rennen. Das Saisonfinale steigt wie gehabt in Brasilien am 27. November - Stand jetzt.

Wird das Rennen nachgeholt?

Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Aber vieles deutet darauf hin, sofern die Lage sich entspannt. Nur mit einer Austragung zu einem anderen Zeitpunkt könnten die Veranstalter ihre Ausrichtungsgebühr von 35 Millionen Dollar retten.

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Auch Ecclestone, der den Rennkalender zuletzt immer weiter aufblähte, dürfte an den Einnahmen (TV-Rechte, Werbeeinnahmen) interessiert sein. "Wir müssen die Situation abwarten", sagte er. Sicher sei nur, dass das Saisonfinale in Brasilien steige und die Formel 1 irgendwann wieder in Bahrain fahren wolle.

Wann könnte der Bahrain-GP stattfinden?

Am wahrscheinlichsten erscheint eine Austragung vor oder nach dem Rennen in Abu Dhabi am 13. November. Zum einen ist bis dahin noch Zeit, damit die prekäre Lage sich beruhigen kann. Zum anderen würde die räumliche Nähe der beiden Länder die Logistik vereinfachen.

Am Wochenende vor dem GP in Abu Dhabi wäre es am einfachsten. Eine Austragung danach würde wohl bedeuten, dass man das Saisonfinale der ohnehin verlängerten Saison eine Woche nach hinten verschieben müsste.

Was ist mit den geplanten Tests in Bahrain?

Von 3. bis zum 6. März hätten in Manama die finalen Tests vor dem Saisonstart stattfinden sollen. Diese wurden nun verlegt, voraussichtlich nach Barcelona, wo die Teams bis Montag ohnehin arbeiteten.

Doch auch Jerez ist nach Angaben von "Auto Motor und Sport" noch im Rennen. Laut Red-Bull-Teamchef Christian Horner steht "zu 99 Prozent" fest, dass die Tests vom 8. bis 11. März steigen werden.

Wie reagieren die Teams?

Nachdem sich bis zum endgültigen Entschluss zur Absage niemand wirklich konkret äußerte, ob man in Bahrain fahren wolle, stellt nun niemand die Absage in Frage.

"Es ist klar, dass ein Rennen in Bahrain zu diesem Zeitpunkt und unter den gegebenen Umständen unangebracht gewesen wäre", sagte Williams-Boss Adam Parr.

Horner meinte: "Das Land hat im Moment wichtigere Probleme als ein Formel-1-Rennen, und es ist wichtig, dass es sich um diese kümmert."

Was sagen die Fahrer?

Auch hier herrscht Einigkeit. Mercedes-Star Michael Schumacher schrieb beispielsweise auf seiner Homepage: "Wie so viele meiner Formel-1-Kollegen finde auch ich, dass die Absage der Veranstaltungen in Bahrain eine gute Entscheidung war. Die Menschen haben dort momentan wirklich wichtigere Themen als die Formel 1, die natürlich Priorität haben."

Wer profitiert von der Absage?

Auf den ersten Blick bekommen natürlich die bis dato unterlegenen Teams mehr Zeit, auf die Spitzen-Crews Red Bull und Ferrari aufzuholen. "Dass die Weltmeisterschaft nun in Australien beginnt, stört mich nicht, denn so gewinnen wir Zeit. Wir müssen noch aufholen, bis es losgeht", so Lewis Hamilton.

Ex-Pilot und Experte David Coulthard sagte jedoch im "Telegraph: "Die Situation ist für alle gleich. Ja, McLaren hat nun zwei zusätzliche Wochen in der Fabrik, aber Ferrari hat die ja auch. " Einen kleinen Bonus hat Sebastian Vettels Teamkollege Mark Webber. Er darf sich zum Saisonauftakt auf ein Heimspiel in Melbourne, in seinen Augen "ein sensationelles Event", freuen.

Gibt es organisatorische Schwierigkeiten?

Definitiv. Die Logistiker und Zulieferer der Teams müssen nun Schwerstarbeit leisten - was für sie aber nichts Ungewöhnliches ist. Große Teile der Ausrüstung sind schon per Schiff und Flugzeug unterwegs.

Sauber-Teammanager Beat Zehnder erklärt: "Wenn jetzt ein Team Material nach Bahrain geschickt hat, wird das einfach umgeleitet und schlägt Mitte des Jahres in Montreal auf."

Schließlich haben die Crews mehrere Materialsätze, die das ganze Jahr rund um den Globus geschickt werden.

Für Pirelli, den neuen Reifenausrüster ist die Situation allerdings ein Albtraum. Noch vor der endgültigen Absage meinte Paul Hembery, Motorsportchef der Italiener: "Egal, was geschieht: Jede Entscheidung wird große logistische Konsequenzen nach sich ziehen."

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