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Sebastian Vettel (l.) ließ seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber keine Chance © getty

Machtdemonstration des Weltmeisters: Sebastian Vettel holt eindrucksvoll die Melbourne-Pole. Bei Mercedes herrscht Katerstimmung.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel hat die Nebel, die nach der winterlichen Vorbereitung über der Formel 1 lagen, beim Auftakt zerrissen. Im Qualifying zum Großen Preis von Australien unterstrich er die Ausnahmestellung des Red-Bull-Teams in beeindruckender Manier.

Der Weltmeister blieb bei seiner Fahrt auf die 16. Pole-Position seiner Karriere als einziger Fahrer unter der Marke von 1:24 Minuten. An Vettels imposante Bestzeit von 1:23,529 Minuten kam kein einziger Konkurrent auch nur ansatzweise heran. (DATENCENTER: Das Qualifying-Ergebnis)

Als Zweiter geht in den ersten Grand Prix der Saison nach mittelmäßigen Ergebnissen in der Vorbereitung etwas überraschend McLaren-Star Lewis Hamilton, der in 1:24,307 Minuten den deutlichen Aufwärtstrend seines Teams aus dem Training bestätigte. 370658(DIASHOW: Bilder des Qualifyings)

Hamilton verdrängte Vettels Kollegen Mark Webber aus der ersten Starreihe, dem in seiner australischen Heimat mehr als acht Zehntelsekunden auf den Deutschen fehlten.

Mercedes deklassiert

Vorjahressieger Jenson Button unterstrich als Vierter, dass mit McLaren in Melbourne gerechnet werden muss.

Er wurde vom jüngsten Weltmeister allerdings ebenso deklassiert wie der Rest des Feldes, darunter das Mercedes-Duo Nico Rosberg und Michael Schumacher, das mit deutlich höheren Erwartungen ins erste Qualifying der Saison gegangen war (Zusammenfassung ab 15.40 im TV auf SPORT1).

In den Auftakt-GP startet Rosberg von Platz sieben aus, Schumacher, der den finalen Qualifying-Durchgang verpasst hatte, beginnt das Rennen nur vom elften Rang aus.

Auch Ferrari blieb mit Platz fünf für Vize-Weltmeister Fernando Alonso (1:24,974 Minuten) und dem achtplatzierten Felipe Massa weit hinter den Erwartungen zurück.

Renault-Lotus-Neuling Nick Heidfeld musste als 18. ebenfalls einen ersten empfindlichen Nackenschlag verkraften.

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Viele Verlierer

Über den vielen Verlierern nach der Stunde der Wahrheit thronte der deutsche Champion. "Das war heute das reinste Vergnügen, ich war ziemlich schnell", kommentierte Vettel seine Machtdemonstration, die ihn in eine eigene Liga katapultierte.

Für den Grand Prix ist Vettel angesichts des beeindruckenden Tempos seines RB7 nun ohnehin der große Favorit.

"Ich bin ziemlich zuversichtlich", räumte Vettel ein, wollte sich aber dennoch nicht vollends hinreißen lassen. "Wir haben wie alle anderen auch bisher null Punkte auf dem Konto", bremste Vettel: "Wir müssen erst einmal abwarten, wie es läuft."

Der Hesse war derart überlegen, dass er sogar auf den Einsatz der 82 Extra-PS des KERS verzichten konnte. Auch einen Satz weiche Reifen sparte er sich auf.

Hamilton war verblüfft: "Mein Auto fühlte sich schon fantastisch an. Da kann ich mir kaum vorstellen, wie sich Sebastians anfühlen muss."

Frustrierter Webber

Dass es bei Red Bull offenbar zwei Seiten einer Medaille gibt, belegte das Abschneiden von Vettels Teamkollegen Mark Webber.

Der Australier war nach seinem persönlichen Quali-Debakel bedient. "Ich bin verwirrt über den Abstand auf Sebastian", räumte der Pilot aus Queanbeyan frustriert ein: "Ich konnte meine Zeiten heute einfach nicht fahren. Ich bin über meine Leistung enttäuscht."

Auch Teamchef Christian Horner wunderte sich über das Leistungsgefälle seiner beiden Fahrer. "Es ist schwierig zu verstehen, wo die Zeit zwischen den beiden liegt, besonders im letzten Sektor", sagte Horner der "BBC".

Schumi: Nicht schnell genug

Entsetzen herrschte nach einem katastrophalen Qualifying im Mercedes-Team, welches so zuversichtlich in die neue Saison gegangen war.

"Wir sind jetzt nicht auf dem Stand, auf dem wir im Normalfall sein sollten", kommentierte Schumacher sein Abschneiden. Mercedes sei nicht schnell genug, um vorne mitzumischen.

Eine Platzierung unter den besten zehn hielt Schumacher zwar für möglich, "unser Anspruch war aber sicher ein etwas anderer".

Mercedes fehle eine halbe Sekunde auf Ferrari, analysierte Schumacher, der von Problemen mit dem Turbo-Knopf KERS berichtete.

Mercedes stochert im Nebel

Sein jüngerer Teamkollege Rosberg konnte sich kaum über seinen Sieg im internen Duell freuen. "Ich denke nicht, dass wir wirklich so weit weg sind", meinte der 25-Jährige zwar, fand aber die Unzuverlässigkeit seines Autos "ein bisschen erschreckend."

Auch er habe Schwierigkeiten mit KERS gehabt, so Rosberg weiter, das aber sei nicht das einzige Problem gewesen. "Das ist aber schon die nächste Schwierigkeit: Es ist nicht klar, weshalb wir so langsam sind."

"Weckruf für alle"

Rosberg zog den Hut vor Pole-Setter Vettel. "Gigantisch" sei dessen Fahrt gewesen, so der Landsmann. Vettel sei "eins mit dem Auto. Dann läuft es auch".

Auch Schumi, der wegen überhöhter Geschwindigkeit in der Boxengasse eine Strafe bezahlen muss, gratulierte seinem Kumpel Vettel. "Das ist sicher ein Weckruf an alle", so der Rekord-Weltmeister.

Man müsse Vettel "Respekt zollen und diese Leistung anerkennen". Für sein Team gelte nach der Fabelrunde des Weltmeisters: "Verstehen, wie wir das hinkriegen."

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