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Sebastian Vettel benötigte vier Anläufe, um in Melbourne zu siegen © getty

Sebastian Vettel fährt beim Saisonstart in einer eigenen Liga. Dennoch warnt er. Hamilton feiert. Mercedes geht Down Under unter.

Von Marc Ellerich

München - Der erste Grand Prix der neuen Formel-1-Saison geriet zu einem einzigen Triumphzug für den Weltmeister. (Ab 21 Uhr im TV auf SPORT1: Die Highlights des Rennens)

Nachdem Sebastian Vettel in seinem Red Bull schon im samstäglichen Qualifying für keinen seiner Konkurrenten einzuholen war, fuhr er auch einen Tag später in einer eigenen Liga. 371072(DIASHOW: Bilder des Rennens)

Zu keiner Zeit war Vettels erster Sieg Down Under gefährdet, nach drei vergeblichen Anläufen davor, in denen er im Albert Park nicht ins Ziel gekommen war. "Ich bin heute sehr, sehr glücklich. Es hat von Anfang an alles gestimmt", freute sich der Hesse über seinen Start-Ziel-Erfolg. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Petrow überrascht

Der zweitplatzierte McLaren-Pilot Lewis Hamilton kam Vettel nur in der Phase vor dessen erstem Reifenwechsel nahe.

Nachdem Vettel den Angriff des Briten nach dem Stopp spektakulär gekontert hatte, konnte dieser den Führenden nie mehr gefährden. Am Ende fehlten dem Engländer 22 Sekunden auf Vettels Siegerzeit von 1:29:30,259 Stunden.

Dritter wurde der erstaunlich starke Lotus-Renault-Fahrer Witali Petrow, er lag 30 Sekunden hinter dem Sieger.

Webber mit Problemen?

So richtig deutlich wird die weltmeisterliche Überlegenheit allerdings erst durch den Vergleich mit Vettels Red-Bull-Kollegen Webber. Der Australier erreichte das Ziel von Startplatz drei aus erst als Fünfter. Wohlgemerkt: Im gleichen Auto wie der Deutsche war der Lokalmatador fast 40 Sekunden langsamer.

"Mark muss irgendwelche Probleme mit dem Fahrwerk gehabt haben", nahm Red Bulls Motorsport-Beauftragter Helmut Marko den frustrierten Australier in Schutz. Bei Webber hätten weder die weichen noch die harten Pirelli-Pneus funktioniert.

"Rennen ins Ungewisse"

Triumphator Vettel wollte im Ziel nicht von einem mühelosen Sieg in einem "Rennen ins Ungewisse" sprechen.

Zwar konnte es sich der 23-Jährige leisten, das gesamte Wochenende über auf die 82 Extra-PS des KER-Systems zu verzichten, dennoch meinte Vettel anschließend: "Das war kein einfaches Rennen. Es ist ja nicht so, dass man nichts zu tun hat, nur seine Runden abspult." Erst in der zweiten Hälfte habe der Druck durch McLaren nachgelassen.

Immerhin, so viel räumte der Sieger ein: "Der Start war gut, wir konnten eine deutliche Lücke herausfahren." Marko sprach von einer "einwandfreien Leistung" Vettels, der die neuen Pirelli-Reifen zwei Mal wechseln musste.

Der Pilot rechnete nach seinem ersten Saisonsieg nicht damit, dass das Formel-1-Jahr weiterhin so erfreulich unkompliziert verlaufen wird. "Ich habe dem Team gesagt, dass wir auf dem Boden bleiben müssen. Es ist ein langes Jahr, vieles kann passieren."

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Desaster für Mercedes

Gar nicht erst abgehoben hat das in Australien mit vielen Ambitionen gestartete Mercedes-Team. Der Saisonstart geriet unverschuldet zum Desaster.

Sowohl Michael Schumacher als auch Nico Rosberg mussten den MGP W02 noch vor der Hälfte der Renndistanz vorzeitig parken. Schumacher, der in der Startphase von Jaime Alguersuari aufgespießt worden war und einen Platten hatte, gab in Runde 22 auf, aus Sicherheitsgründen, wie er später mitteilte.

Sein Kollege Rosberg wurde nur zwei Runden später vom übermotivierten Rubens Barrichello gerammt. Der Williams-Fahrer wurde später dafür bestraft, doch für den Deutschen war das Rennen beendet.

Rosberg: Abhaken!

"Das war ein Satz mit X", fasste Motorsportchef Norbert Haug das doppelte Null-Punkte-Resultat seines Teams zusammen. "Nicht vergessen, aber abhaken", meinte Rosberg, und Schumacher wies auf die vielen Probleme der Deutschen in Melbourne hin: "Es wäre auch ohne die Zwischenfälle schwer geworden."

Erklären konnte die vielen Schwierigkeiten der Silberpfeile anschließend niemand so recht.

Pure Freude hingegen herrschte beim anderen Silber-Team. Lewis Hamilton feierte die Wiederauferstehung seines McLaren-Rennstalls, der im Winter so große Probleme gehabt hatte, hingebungsvoll. "Wir können definitiv stolz darauf sein, war wir hier erreicht haben", meinte der Weltmeister von 2008 glücklich.

Petrow und die Nr. 1

Und Witali Petrow, der wie beim Saisonfinale 2010 seinen Verfolger Fernando Alonso in der Schlussphase des australischen Rennens in die Verzweiflung getrieben hatte?

Der im Vorjahr so anfällige Russe, der in Melbourne seinen Teamkollegen Nick Heidfeld auf Platz 14 vernichtend geschlagen hatte, bekam schon in der Pressekonferenz das Grinsen nicht mehr aus seinem Gesicht.

"Am heutigen Tag lief alles perfekt", fasste der Pilot aus Wyborg seine erste Podiumsfahrt zusammen. Ob er nun die Nummer eins im Team sei, wurde er gefragt. Petrow: "Ich denke nicht, dass ich diesbezüglich eine Antwort geben muss. Das seht ihr ja selbst. Aber ja!"

Sauber-Duo ausgeschlossen

So hinterließ der Saisonstart 2011 einen großen und mehrere kleinere Sieger. Und das nach dem Untergang Down Under tieftraurige Mercedes-Team.

Zwei andere Fahrer, die in Australien für Furore gesorgt hatten, erlebten nach dem Grand Prix eine böse Überraschung: Sauber-Rookie Sergio Perez, starker Siebter, und sein Teamkollege Kamui Kobayashi wurden nachträglich disqualifiziert. Grund: nicht regelkonforme Heckflügel.

Das Team will Berufung gegen die Entscheidung der Stewards einlegen.

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