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Nach dem Ausfall des Bahrain-GP begann die Formel-1-Saison in Melbourne © getty

Die neuen Regeln sollten die Spannung steigern. Was haben KERS, LRS und die neuen Reifen gebracht? Ist die Show besser geworden?

Von Marc Ellerich

München - Alles für die Show, so in etwa lautete die Begründung für die Einführung bzw. Wiedereinführung des verstellbaren Heckflügels LRS, der neuen Pirelli-Pneus und des Turbo-Anschubs KERS. (Formel 1 2011: Das ist neu)

Das Überholen sollte 2011für die Formel-1-Stars durch KERS und LRS wesentlich einfacher werden, die Strategie durch schneller verschlissene Reifen abwechslungsreicher. Im Ergebnis sollte die PS-Liga schlichtweg spannender werden.

Die vielen neuen Knöpfe auf dem Lenkrad und auch die schwarzen Pirelli-Walzen sorgten vor dem Saisonstart für aufgeregte Diskussionen - unter den Fahrern wie auch in der Öffentlichkeit. (KERS, LRS, Pirelli - Formel 1 am Limit)

Und - was hat es gebracht? Das fragen sich nach dem ersten Rennen viele Fans, aber auch die Formel-1-Verantwortlichen nach dem Saisonstart Down Under. 371072(DIASHOW: Bilder des Rennens)

Hamilton: Kein Unterschied

Ein deutlich dramatischerer Spannungsbogen war in Melbourne auf Anhieb nicht zu erkennen.

Weltmeister Sebastian Vettel kam ohne die 82 Extra-PS des KER-Systems zu einem überlegenen Start-Ziel-Sieg. Der zweitplatzierte Lewis Hamilton kam ihm - mit KERS - nur einmal gefährlich nahe. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Und auch der McLaren-Star hatte von hinten wenig bis gar nichts zu befürchten. Der Flügel? Er habe ihn während des Rennens einmal flach gestellt, berichtete Hamilton. "Einen großen Unterschied hat das nicht gemacht."

Auch der Dritte, Lotus-Renault-Pilot Witali Petrow, hatte in der Schlussphase des Rennens keinerlei Mühe, sich Ferrari-Widersacher Fernando Alonso vom Hals zu halten.

[kaltura id="0_bjwc0jhk" class="full_size" title="Vettel erklärt KERS und Flügel"]

Perez stoppt einmal

Die Reifen? Von bis zu fünf Stopps war im Vorfeld die Rede gewesen. Tatsächlich benötigte Sieger Vettel im Albert Park lediglich zwei Mal neue Reifensätze - so wie die meisten seiner Konkurrenten. Sauber-Rookie Sergio Perez kam sogar nur einmal an die Box, um die Reifen zu tauschen.

Wozu also die Aufregung? Die Neuerungen, ein Sturm im Wasserglas? Das Comeback der Formel Gähn gar?

Es scheint dennoch etwas voreilig, den Daumen nach dem ersten Grand Prix zu senken und gleich von der Rückkehr der Langeweile in den Motoren-Zirkus zu sprechen. Fanden zumindest viele Verantwortliche.

FIA: "Nicht ideal"

Angesprochen auf das Thema Heckflügel räumte FIA-Renndirektor Charlie Whiting gegenüber der Schweizer Zeitung "Le Temps" zwar ein: "Es stimmt, die Effektivität des Systems war in Melbourne nicht ideal."

Sein Hauptargument, das er mit vielen anderen teilte: Der Kurs durch den Albert Park sei nicht unbedingt repräsentativ für die Formel 1 gewesen: zu winkelig, zu kurz die Geraden.

"Der Effekt des Heckflügels war nicht wirklich offensichtlich", meinte auch Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, "vielleicht weil die Länge der Geraden nicht ausreichend war."

"Heckflügel hat nichts gebracht"

Und Force-India-Pilot Adrian Sutil urteilte klipp und klar: "Der Heckflügel hat überhaupt nichts gebracht."

Whiting kündigte an, man werde nun die Grands Prix in Malaysia und China beobachten und LRS erst danach entsprechend anpassen.

Auch Sutil glaubt: "Auf den nächsten Strecken wird es (das Überholen, d. Red.) bestimmt einfacher sein."

Pirelli überrascht

Die Reifen? Abgesehen von der Wiederauferstehung des McLaren-Teams waren die Pirelli-Pneus die größte Überraschung in Australien.

Nach der harten Kritik der Piloten am schnellen Verschleiß während und nach den Tests herrschte nach dem ersten Rennen der Saison Erleichterung beim italienischen Reifenlieferanten.

Die Pirellis hielten auf einmal, sie hielten erstaunlich lange durch. "Wir haben unseren Augen nicht getraut", staunte Pirellis Sportchef Paul Hembery nach Perez' Ein-Stopp-Rennen. Auch die Teams wurden von der plötzlichen Haltbarkeit des schwarzen Goldes überrascht.

Von allen Seiten gab es viel Lob für die neuen Pneus. Doch eigentlich, so der ursprüngliche Plan, sollten die Reifen ja wesentlich rascher verschleißen, eben der Spannung wegen. Eine abwechslungsreichere Dramaturgie schufen die Pirellis in Melbourne aber nicht.

Wohl auch deshalb trat der Hersteller bei aller Begeisterung über die neu entdeckte Haltbarkeit anschließend auf die Bremse. "Es würde mich überraschen, wenn wir das noch auf vielen Strecken in diesem Jahr sehen würden", kündigte Hembery an. Halten die Reifen auch künftig so gut, hätte Pirelli glatt seinen Arbeitsauftrag verfehlt.

Red Bull ohne KERS

KERS: Weltmeister Vettel hatte die Sternstunde des Systems ohnehin lediglich beim Start vermutet, im Rennen würden sich die Zusatz-PS der Rennwagen letztlich neutralisieren.

Im Grand Prix kam Red Bull dann sogar ohne den Turbo-Schub aus - was letztlich vor allem die Überlegenheit des RB7 unterstreicht.

Mehr Überholmanöver dank KERS bekam das Publikum in Australien nicht zu sehen. Verzichten können Top-Teams wie McLaren oder Ferrari auf den Turbo-Knopf anders als das Weltmeister-Team dennoch nicht, wollen sie ihre Chancen wahren.

Anderen Teams wie Mercedes oder auch Nick Heidfeld im Lotus Renault bereitete das System Down Under größte Probleme. Sie hätten auf die neue Technik am ersten Wochenende sicher liebend gern verzichtet.

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