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Sebastian Vettel holte schon beim Saisonstart in Melbourne die Pole-Position © getty

Der Weltmeister holt sich in Malaysia die Pole. Doch die McLaren-Konkurrenz ist dicht dran. Bei Mercedes herrscht erneut Frust.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel wusste, wem er nach seiner Fahrt auf die 17. Pole-Position seiner noch jungen Karriere zu danken hatte.

1:34,870 Minuten zauberte der Weltmeister im Red Bull in seinem allerletzten Qualifying-Anlauf beim Malaysia-Grand-Prix (So. ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) aufs Zeitentableau und blieb so hauchdünn vor seinem McLaren-Widersacher Lewis Hamilton (1:34,974 Min.). (DATENCENTER: Startaufstellung)

Anschließend fand der Hesse die gewohnt warmen Worte für sein Team, doch seinen speziellen Dank entbot er der KERS-Abteilung des Hauses Red Bull. (376893Die Bilder)

"Ohne KERS würden jetzt weder Mark (Webber, d. Red.) noch ich hier sitzen", sagte Vettel nach seinem gelungenen Angriff auf Startplatz eins - sein australischer Teamkollege geht 0,3 Sekunden zurück als Dritter in den zweiten Grand Prix der Saison: "Großes Kompliment daher ans Team, vor allem an die Jungs, die an KERS gearbeitet haben. Sie hatten seit Australien wirklich eine Menge zu tun."

Vettel: Deutlich enger

Beim Auftakt Down Under konnte es sich Weltmeister Red Bull noch erlauben, auf die 82 PS-Extraschub zu verzichten, die für 6,5 Sekunden freigesetzt werden können. Nur zwei Wochen später konnte sich Vettels Team diesen Luxus nicht mehr leisten. (STIMMEN: Es ist frustrierend)

McLaren, derzeit erster und offenbar auch einziger wirklich gefährlicher Konkurrent, ist binnen 14 Tagen näher gekommen. So nahe, dass Vettel bei seiner Pole-Fahrt den Atem der Verfolger fast spüren konnte.

"Es war deutlich enger", berichtete Vettel nach der einstündigen Kraftanstrengung in der schwülen Nachmittagshitze von Sepang: "Australien war sozusagen Luxus, hier wurden die Karten neu gemischt". Und zwar nicht unbedingt zum Vorteil für den Champion.

Probleme mit dem Flügel

Er habe bis zum Qualifying Probleme gehabt, erläuterte Vettel, einen einzigen Knackpunkt habe es allerdings nicht gegeben: "Ich hatte war zufrieden mit dem Auto, hatte keine Probleme, es war auch nichts kaputt. Aber es kam einfach nicht alles zusammen wie gewünscht."

Noch vormittags, im Abschlusstraining, beklagte der 23-Jährige Probleme mit dem verstellbaren Heckflügel. Dennoch habe darauf vertraut, dass "der Speed im Auto steckt", so Vettel: "Am wichtigsten war, weiter daran zu glauben."

Und siehe da, als es in Malaysia wirklich um Wohl oder Wehe ging, sei der Knoten auf einmal geplatzt: "Im Qualifying hat dann alles auf Anhieb wunderbar funktioniert."

"Es wird kein Zuckerschlecken"

Doch Vettel weiß natürlich, dass ihm seine Widersacher, vor allem Hamilton und Webber, aber auch der viertplatzierte Weltmeister-Vorgänger Jenson Button, tags darauf wenig bis gar keinen Spielraum lassen werden.

"Ich glaube, morgen wird es sehr spannend", blickte der Deutsche nach vorne und vergaß nicht zu erwähnen, dass er es auf den 310 Kilometern außer mit seinen Konkurrenten auch mit übermenschlichen Gegnern zu tun haben wird: extremer Hitze und womöglich unberechenbaren Regengüssen.

"Es gibt sehr viele Variablen hier. Es ist ein sehr langes Rennen, sehr hart für Auto und Fahrer", so Vettel, und: "Es ist verdammt heiß, die Luft steht. Es wird kein Zuckerschlecken."

Hamilton: Fast perfekt

Die Konkurrenz dürfte das ähnlich sehen. Allerdings herrschte bei McLaren nach der spektakulär geglückten Aufholjagd der vergangenen beiden Wochen purer Optimismus.

Von "einem fast perfekten Tag", sprach Hamilton, der kleinere Fehler einräumte: "Wir sind näher an der Spitze, als wir es erwartet hatten."

Sein Teamchef Martin Whitmarsh sieht es genauso: "Wir sind Red Bull näher gekommen, und das auf einer Strecke, die aerodynamisch anspruchsvoller ist als Melbourne. Wir haben sogar die Chance, das Rennen zu gewinnen."

Warum das so ist, weiß Hamilton angeblich nicht: "Im Grunde haben wir nicht viel am Auto gemacht." Ein Grund sei, dass der Kurs dem MP4-26 besser liege als der Albert Park in Melbourne.

Button sieht Vierkampf

Für den Sonntag wünschte Hamilton, der vor dem Qualifying den Spekulationen um einen möglichen Wechsel zu Red Bull neue Nahrung gegeben hatte, sich vor allem einen besseren Start als noch in Melbourne. "Damit ich eine Chance kriege, in den ersten paar Runden mit Sebastian zu kämpfen."

Sein Teamkollege Button ("Habe meinen Hinterreifen gekillt") glaubt an einen Vierkampf um den Rennsieg in Kuala Lumpur. "Wir sind wesentlich näher an Red Bull, als das viele gedacht haben, und es ist ein ganz schöner Vorsprung auf die Jungs hinter uns."

Alonso: Sind zu langsam

Womit der von Vettel im Vorjahr entthronte Weltmeister Recht hatte. Dem vor dem Saisonstart favorisierten Ferrari-Star Fernando Alonso fehlte als Fünftem bereits eine Sekunde auf Vettel und immer noch deutlich über eine halbe Sekunde auf Hamilton. "Wir sind zu langsam", stellte der Spanier lakonisch fest.

Lotus-Renault-Fahrer Nick Heidfeld durfte seinen sechsten Platz, mehr als 1,2 Sekunden zurück, nach seinem verkorksten Auftritt beim Saisonstart und technischen Problemen während des Trainings zwar als persönlichen Erfolg verbuchen, aber ob er das Red-Bull-McLaren-Quartett wirklich gefährden wird, erscheint zweifelhaft.

Mercedes ohne Chance

Ohne jegliche Chance auf eine Top-Platzierung ist das Mercedes-Duo Michael Schumacher und Nico Rosberg.

Schumacher schied nach Problemen mit seinem auf einmal nicht mehr verstellbaren Heckflügel schon im zweiten Qualifikationsdurchgang aus und startet als Elfter, Rosberg geht zwei Plätze vor ihm ins Rennen. Beiden fehlen zwei Sekunden auf den Weltmeister.

Die Frustration bei Mercedes ist mit Händen greifbar. Aufgrund der zahlreichen Schwierigkeiten könnten er und Schumacher "gar nicht zeigen, was das Auto wirklich kann", berichtete Rosberg, im Vorjahr Dritter in Sepang.

Hinzu komme: "Wir sind im Renntrimm am Freitag nicht sehr stark gewesen. Im Rennen wird es sicher schwierig, überhaupt nach vorne zu kommen."

Schumi mit Flügel-Problem

Und Schumacher, bis dato der schnellere der beiden Mercedes-Piloten, schilderte sein persönliches Flügel-Dilemma. Um überhaupt mithalten zu können, habe sein Team den schon im Training anfälligen Flügel einsetzen müssen, glücklos, wie sich herausstellte: "Es ist ziemlich offensichtlich, dass etwas schiefgegangen ist." Sein Mercedes habe wegen des Problems zu rutschen begonnen.

Eine Prognose für den Grand Prix gab der Rekord-Weltmeister am Vorabend schon gar nicht mehr ab: "Wir müssen uns auf das Rennen konzentrieren", sprach Schumacher: "Wir gehen da mit dem festen Glauben hinein, dass alles passieren kann."

Die Hoffnung auf das Unvorhersehbare: Zuversicht hört sich definitiv ganz anders an.

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