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Nick Heidfeld feierte in Sepang seine 13. Podiumsplatzierung seit dem Formel-1-Debüt © imago

Nick Heidfeld gibt nach dem schwachen ersten Rennen die richtige Antwort. Dank eines Turbo-Starts beendet er eine Durststrecke.

Von Julian Meißner

Kuala Lumpur/München - So überraschend sein Coup in Sepang (Rennbericht) auch war, ganz unvorbereitet kam Nick Heidfeld nicht zur Pressekonferenz der drei Bestplatzierten.

"Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich heute hier sitze", sagte der Renault-Pilot nach dem Großen Preis von Malaysia zwar. Doch der Formel-1-Routinier schickte nach seinem 174. Grand Prix als erstes Statement einen "lieben Gruß" an seine Familie in die Heimat.

Dies habe er Lebensgefährtin Patricia sowie den drei Kindern Juni, Joda und Justus vorab versprochen, so Heidfeld - als habe er gewusst, dass ihm im zweiten Saisonrennen ein solch glänzendes Resultat glücken könnte (DATENCENTER: Ergebnis).

"Quick Nick" legte einen furiosen Start hin und schob sich von Platz sechs zunächst direkt auf den zweiten Rang hinter Dominator Sebastian Vettel vor.

Vettel staunt über Turbo-Start

"Ich war überrascht, dass ich etwas Schwarzes in meinem Spiegel gesehen habe", staunte Vettel: "Ich habe dann realisiert, dass es Nick war."

Am Ende eines fast fehlerfreien Rennens, in dem Heidfeld sich nach einem verpatzten Boxenstopp wieder zurückkämpfen musste, landete neben dem souveränen Sieger auch noch Jenson Button im McLaren vor ihm, doch die Freude über Platz drei schmälerte das kaum.

Kuala Lumpur ein gutes Pflaster

"Mein Start war fantastisch, das hat viel Spaß gemacht", jubelte der Mönchengladbacher: "Mein erstes Podium für Lotus Renault ist ein großer Schritt."

Für Heidfeld, der in Kuala Lumpur offensiv (gegen Felipe Massa) wie defensiv (gegen Mark Webber) mit beherzten Manövern überzeugte, war es die erste Top-Drei-Platzierung seit fast genau zwei Jahren. 2009 war er für BMW-Sauber an gleicher Stelle auf Platz zwei vorgefahren.

"Daran hatte ich mich gar nicht mehr erinnert, aber das scheint hier ein gutes Pflaster für mich zu sein", sagte Heidfeld.

Damals allerdings hatten chaotische Wetterbedingungen das Klassement in Sepang wild durcheinander geworfen, an diesem Sonntag resultierte das Ergebnis zweifellos aus der realen Stärke von Fahrer und Auto.

Zweites Podium im zweiten Rennen

"Ich freue mich für Nick und das gesamte Team", erklärte Renault-Teamchef Eric Boullier: "Das ist erneut eine tolle Belohnung für uns, gerade nach dem schwierigen Start ins Wochenende."

Doch nach dem schwachen Saisonauftakt in Australien dürfte der Sturm aufs Podest vor allem für Heidfeld eine besondere Genugtuung gewesen sein. In Melbourne hatte der 33-Jährige für Platz zwölf viel Kritik einstecken müssen.

Heidfeld, der erst mitten in der Vorbereitungsphase nach dem schweren 347832Rallye-Unfall Robert Kubicas zum Renault-Team gestoßen war und dessen Zukunft in der Formel 1 mehr als auf der Kippe stand, bescherte seinem neuen Arbeitgeber nun das zweite Podium im zweiten Rennen.

Petrow mit Glück im Unglück

Sein Teamkollege Witali Petrow, in Melbourne als Dritter noch obenauf, hatte in Kuala Lumpur Glück, dass er unversehrt davonkam.

Nach einem Ausritt neben die Strecke und einem gewaltigen Sprung mit seinem R31 zurück auf die Piste hielt der Russe auf einmal sein Lenkrad lose in der Hand (377317Bilder des Rennens).

"Ich habe einen kleinen Fehler gemacht, der nicht die Auswirkungen hätte haben sollen, die er hatte. Heute hätten beide Autos in den Punkten sein sollen", meinte Petrow: "Aber die gute Nachricht ist, dass wir offensichtlich die Pace haben, um vorne mitzumischen."

Das stellte sein Teamkollege Heidfeld eindrucksvoll unter Beweis. Und so hatte auch Weltmeister Vettel ein Lob für seinen Landsmann parat: "Ich freue mich für Nick. Nach der langen Zeit hat er das verdient."

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