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Sebastian Vettel feiert in Malaysia seinen zweiten Start-Ziel-Sieg © getty

Weltmeister Sebastian Vettel siegt in Sepang fehlerlos. Lediglich die KERS-Technik macht Probleme. McLaren ist erster Verfolger.

Von Marc Ellerich

München - Die 56 Runden des glühend heißen Malaysia-Grand-Prix ließen manchen der Beteiligten einigermaßen konfus zurück. (377317Bilder des Rennens)

"Es war irgendwie ein ziemlich verwirrendes Rennen", bekannte McLaren-Pilot Jenson Button nach den 310 kräftezehrenden Kilometern: "Die Boxenstopps zu verstehen oder ob man auf die Reifen achten musste oder nicht, das war wirklich ziemlich tricky."

Letztlich schlugen sich der Weltmeister von 2009 und sein Team in dem asiatischen Freiluft-Schach prächtig: Platz zwei vor dem brillanten Nick Heidfeld im Lotus Renault war der Lohn. (DATENCENTER: Ergebnis)

Fehlerloses Rennen

Einer aber verlor in dem eineinhalbstündigen Reigen von Boxenstopps, Überholmanövern und Positionswechseln niemals den Überblick: Weltmeister Sebastian Vettel. Der Deutsche im Red Bull fuhr vom Start weg ein fehlerloses Rennen - selbst der notgedrungene Verzicht auf sein anfälliges KER-System nach 29 Runden machte den Weltmeister nicht langsamer, im Gegenteil.

Der Start-Ziel-Sieg des Pole-Setters von Sepang, der zwölfte seiner Karriere, der zweite in Malaysia nach 2010, brachte Vettels Teamchef Christian Horner regelrecht ins Schwärmen.

"Eine dominante Fahrt", attestierte er dem jungen Hessen: "Er war so cool. Wahrscheinlich war er der coolste Kerl in ganz Malaysia."

"Könnte nicht besser sein"

Vettels Überlegenheit habe seinem Team sämtliche Spielmöglichkeiten in dem für die meisten anderen äußerst kniffligen Grand Prix beschert. "Sebastian hat die Sache von vorne kontrolliert. Das hat uns viele Optionen eröffnet. Wir hätten länger oder kürzer draußen bleiben können und von drei auf vier Stopps wechseln können."

Der Sieger selbst freute sich über den Traumstart in die neue Formel-Saison: "Zwei Siege in zwei Rennen, das ist perfekt und könnte nicht besser sein."

Das große Ganze verlor Vettel bei aller Begeisterung aber nicht aus den Augen. Mit Blick auf die umkämpften WM-Finals der Vorjahre meinte er: "Die Weltmeisterschaften waren zuletzt immer sehr eng. Da ist jeder Punkt, den man schon gewonnen hat, wichtig."

Und - Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste - wiederholte der Red-Bull-Star wie in Australien auch in Sepang seine Mahnung ans eigene Team: "Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben und weiter arbeiten. Es war hier deutlich enger als in Melbourne. Die WM ist noch lang."

Probleme mit KERS

Der Saisonverlauf ist das eine. Was einigen seiner geschlagenen Rivalen aber mehr Mut machen dürfte, ist, dass das ansonsten makellose Red-Bull-Team offensichtliche Schwierigkeiten mit seinem neuen Bremsenergie-Schub KERS hatte.

Vettel durfte sich zwar darüber freuen, dass ihm die 82-Extra-PS, auf die man beim Auftakt-GP in Melbourne noch verzichten musste, "den Start gerettet" hatten: "Da hat es den Unterschied gemacht."

Dass KERS auch zum enormen Handicap werden kann, war aber ausgerechnet bei Vettels Teamkollegen Mark Webber gut zu besichtigen. Weil bei ihm der Turbo-Knopf nicht funktionierte, ging der Australier als Dritter ohne in den Grand Prix - und wurde gnadenlos nach hinten durchgereicht. "Er hatte eine schreckliche erste Runde", stellte Horner fest.

Heidfeld hat Spaß

Umgekehrt führte Vettels Landsmann Nick Heidfeld mit einem brillanten Start den KERS-Effekt wie im Lehrbuch vor: Von Platz sechs aus stürmte er auf die zweite Position. "Das hat viel Spaß gemacht", freute sich "Quick Nick". (Strahlender Heidfeld bejubelt "großen Schritt")

Vettel will auf den Turbo-Knopf trotz der Probleme, die ihn nach 29 Runden heimsuchten, keinesfalls verzichten, denn: "KERS bringt Rundenzeit. Ich kann Ihnen versichern, ohne KERS zu fahren, ist auch für uns ein Nachteil."

Der WM-Leader hat natürlich bemerkt, dass ihm im zweiten Grand Prix vor allem die McLaren-Konkurrenz wesentlich näher auf die Pelle gerückt ist. Im Ziel trennten ihn und seinen ersten Verfolger Button drei Sekunden, doch der Brite wähnte sich in der Schlussphase des Rennens sogar stark genug, um seinen Vordermann anzugreifen.

Auf harten Reifen sei der MP4-26 erst so richtig in Fahrt gekommen, berichtete der ehemalige Champion. "Als Fahrer willst du natürlich immer draufdrücken und den Führenden einholen." Sein Team habe ihn aber aufgefordert, sich zurückzuhalten und Vettel ziehen zu lassen.

Hamilton: Eine Katastrophe

Auch Buttons Teamkollege Lewis Hamilton, der den Deutschen lange gejagt hatte, hätte Vettel wesentlich gefährlicher werden können, hätte die Reifen-Strategie besser funktioniert.

Er habe zu früh zum Wechsel kommen müssen, klagte der Zweite des Qualifyings später: "Der Boxenstopp war wenig hilfreich, denn so ist Jenson vorbeigekommen." Noch dazu habe man ihm die falschen Reifen montiert, weiche anstelle der geforderten harten Pneus.

Und im Finale des Grand Prix war er obendrein noch mit seinem Erzrivalen Fernando Alonso aneinanderaten und später für zu häufige Spurwechsel bestraft worden.

"Es war ein schreckliches Rennen, eine Katastrophe", aber so sei wohl manchmal der Rennsport, hakte Hamilton seinen verkorksten Grand Prix ab, kritisierte aber offen die Taktik seines Teams: "Die Strategie war der große Schwachpunkt."

Anders als sein Teamkollege Button und der überragende Vettel gehörte Hamilton zu den großen Verlierern des Motoren-Schachspiels von Sepang.

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