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Sebastian Vettel (v.) triumphierte sowohl in Australien als auch in Malaysia © getty

In Sepang zeigt sich das Ausmaß der Veränderungen: Die Teams müssen "flexibel sein", von den Fahrern wird ein Spagat gefordert.

Von Olaf Mehlhose

München - Der Malaysia-GP (Bericht) hat eindrucksvoll vor Augen geführt, wie nachhaltig sich die Formel 1 verändert hat.

Während der 56 Runden fanden sage und schreibe 63 Boxenstopps statt. Zum Vergleich: Im letzten Jahr gab es gerade mal mickrige 20. (SERVICE: WM-Stand)

Auf der Strecke bot das Rennen ein hohes Maß an Unterhaltung: Lewis Hamilton und Fernando Alonso lieferten sich spektakuläre Zweikämpfe; Mark Webber landete nach einer tollen Aufholjagd noch auf Rang vier.

Und das Rennen in Sepang wird voraussichtlich kein Einzelfall sein. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

"Wir werden auch auf anderen Kursen wie Istanbul oder Silverstone etwas Ähnliches sehen - auf Strecken, welche die Reifen sehr hart rannehmen", sagte Felipe Massa bei "Motorsport-Total".

56 Strategien für jedes Auto

Vor allem die schnell verschleißenden Pirelli-Reifen, die zusammen mit KERS und dem verstellbaren Heckflügel für eine Verbesserung der Show sorgen sollen, stellen Fahrer und Teams vor ganz neue Herausforderungen.

"Mittlerweile steht man in jeder einzelnen Runde vor einer völlig neuen Situation. Das macht es aufregend. Wir hatten in Malaysia für jedes unserer Autos 56 Pläne", erklärte Force-India-Teammanager Andy Stevenson.

Für die Piloten geht es nun nicht mehr darum, bedingungslos zu attackieren. Um zu gewinnen, muss ein Fahrer mit dem Material haushalten und sich auf ständig wandelnde Rennsituationen einstellen können.

"Der Rennsport hat sich verändert"

"Der Rennsport hat sich verändert", erklärte Sebastian Vettel, der mit den neuen Anforderungen anscheinend bestens zurecht kommt: "Das große Geheimnis ist wohl, zu jeder Zeit die Reifen im Griff zu haben."

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Natürlich versuche er immer, so schnell wie möglich zu fahren, es sei aber ebenso wichtig, gleichzeitig die Reifen zu schonen.

"Die Abstände, das Tempo der einzelnen Autos und die Bestzeiten verändern sich nun schneller, als wir das gewohnt sind", sagte der Weltmeister: "Wenn man sich in einem Stint im Auto wohl fühlt und in einem anderen Stint nicht, kann das ebenfalls Auswirkungen haben."

Hamiltons 14-Punkte-Fehlgriff

Diese Erfahrung machte in Malaysia McLaren-Pilot Hamilton.

Im zweiten Stint holte der Weltmeister von 2008 noch Zeit auf den Führenden Vettel auf, doch nachdem er als einziger Topfahrer auf die harten Pirellis umstieg, spielte er im weiteren Verlauf keine Rolle mehr und fiel noch vom zweiten auf den achten Rang zurück.

Die Fehlentscheidung kostete Hamilton 14 Punkte für die Gesamtwertung.

Teamkollege Jenson Button hingegen fuhr dank guter Strategie und Reifenwahl noch auf Platz zwei vor.

Teams sind gefordert

"Du musst flexibel sein", beschrieb Red-Bull-Teamchef Christian Horner die gestiegen Anforderungen an die Rennställe: "Wir wussten nicht, ob es drei, vier oder fünf Stopps braucht, um ganz ehrlich zu sein. Also musst du mit der Flexibilität ins Rennen gehen, jederzeit wechseln zu können."

Die "Bullen" hielten sich beispielsweise während des gesamten Rennens die Option einer Drei- und einer Vierstoppstrategie für Vettel offen.

An der Boxenmauer sei für die Teams nun ein Mammutprogramm zu bewältigen, erklärte Horner: "Sogar für einen Fluglotsen wäre es ein Albtraum, wenn er sich in unseren Strategiekanal einklinken müsste, denn du musst darauf achten, wo du nach dem Stopp rauskommst, wie der Reifenverschleiß ist, welcher Reifen verwendet werden sollte - und das alles für zwei Autos."

Alonso verliert den Überblick

Doch auch den Fahrern wird durch die vielen Pitstopps, Überholmanöver und Positionskämpfe einiges abverlangt.

Sogar der wegen seiner Akribie oft mit "Professor" Alain Prost verglichene Alonso bekannte, bei dem sich ständig ändernden Renngeschehen ein wenig den Überblick verloren zu haben.

"Einmal war ich Zweiter oder Dritter, dann habe ich Jenson überholt. Dann war Jenson sogar vor Lewis und er hat gegen Webber gekämpft, der dann zum Stopp hereinkam. Das ist nicht so leicht zu lesen", teilte der Spanier seine Erlebnisse auf der Strecke mit.

Doch der Vize-Weltmeister konnte den Neuerungen auch etwas Gutes abgewinnen: "Vergangenes Jahr waren die meisten Rennen nach dem ersten Boxenstopp entschieden, aber jetzt weißt du bis zu den letzten vier oder fünf Runden gar nichts."

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