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Sebastian Vettel lag nach der Saison 2010 vier Punkte vor Fernando Alonso © imago

Sebastian Vettel will von Überlegenheit nichts wissen. Alonso widerspricht. Red Bull plant eine "signifikante Verbesserung".

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel musste erst einmal tief durchatmen als das böse Wort fiel. Ein Reporter hatte es gewagt und den Weltmeister in Schanghai zu der Dominanz befragt, mit der er die ersten beiden Grands Prix des Jahres gewonnen hatte. (Vettel-Hysterie in China)

Sein dritter Triumph am chinesischen Rennwochenende (Training, Freitag 7 Uhr im TV auf SPORT1) gilt vielen lediglich als Formsache. Vettel sieht das allerdings völlig anders.

Dominanz? "Ich kann mich mit dem Wort nicht anfreunden", sprach der Red-Bull-Star ins Mikrofon: "Es sind erst zwei Rennen gefahren, und es ist ein unheimlich langer Weg." (Großmeister im Rasen-Schach)

Man werde sich folglich "voll und ganz auf das Jetzt konzentrieren", kündigte der junge Hesse an: "Was die Zukunft bringt, ist ein Rätsel."

"Ein Auto außer Reichweite"

Nicht, wenn man Fernando Alonso fragt. Was Vettels ärgster Widersacher des vergangenen Jahres (neben Vettels Red-Bull-Kollegen Mark Webber) vor dem dritten Rennen der noch jungen Saison herausgefunden haben will, wird dem deutschen Konkurrenten nicht gefallen.

"Im Moment ist ein Auto außer Reichweite", meinte Alonso im Vorfeld des Schanghai-Grand-Prix: "Vettels Red Bull".

Soweit birgt die Formel-1-Welt für den schnellen Spanier aktuell nur wenige Geheimnisse. Was die eigene Form angeht, dafür umso mehr.

Alonso: Es wird schwierig

Wo steht Ferrari? Das fragen sich nach einem bestenfalls mittelmäßigen Auftakt der Scuderia nicht nur die vielen Experten. Auch die Roten selbst scheinen etwas orientierungslos irgendwo zwischen Hoffnung und Entsetzen zu taumeln.

Wie sonst sollte man Alonsos Einschätzung der Lage interpretieren? "Es ist nicht viel Zeit, um an den Autos etwas zu verändern", meinte der Weltmeister der Jahre 2005 und 2006 in der Woche zwischen den Grands Prix in Malaysia und China: "Ich erwarte Probleme mit der Geschwindigkeit. Es wird wieder ein schwieriges Wochenende werden."

Womit Alonso den Mut bewies, der Ferrari-Ikone Luca di Montezemolo zu widersprechen. Der große Vorsitzende des italienischen Autobauers hatte angekündigt, der Rennstall werde in China "eine erstaunliche Antwort" geben.

Probleme mit der Aerodynamik

Wollen sie ja auch. Auch deshalb flogen Teamchef Stefano Domenicali und sein oberster Ingenieur nach dem Rennen in Sepang schnurstracks ins heimische Maranello, um dort auf intensivste Fehlersuche zu gehen. "Wir müssen richtig pushen, um unsere schwachen Leistungen zu verstehen", sagte Domenicali - die Aerodynamik bereite die größten Probleme.

Doch halt mal, ruderte Alonso zurück, so schwach sei die Leistung in Malaysia nun auch wieder nicht gewesen. "In Sepang hatten Felipe und ich ein Tempo, das gut genug fürs Podium war", meinte der Pilot aus Oviedo und kreiste das Problem ein, wie er es sieht: "Unsere Geschwindigkeit im Rennen war deutlich höher als die im Qualifying."

So weit, so unklar die Lage. Und natürlich hat auch die Konkurrenz die Roten längst nicht von ihrer Liste gestrichen.

Horner: McLaren und Ferrari

"Auf McLaren und Ferrari schauen wir am meisten", sagte Red Bulls Teamchef Christian Horner: "Ferrari, so scheint es, hatte ein sehr starkes Rennen in Malaysia. Also müssen wir unsere Leistung verbessern."

Zum einen durch den Extra-Anschub KERS. Zwar hätten die 82 Zusatz-PS des Bremsenergie-Rückgewinnungssystem ihm einen starken Start ermöglicht, berichtete Vettel, "sonst hätte das Rennen ein bisschen anders ausgesehen".

Doch nach 29 Runden durfte Vettel den Power-Knopf nicht mehr bedienen. Das soll in Schanghai anders werden. "Unser Ziel ist es, KERS am ganzen Wochenende zu nutzen."

Als Schlüssel zum dritten Sieg in Serie betrachtet man das System bei Red Bull aber offenbar immer noch nicht.

Marko: Stillstand ist Rückschritt

Dieser soll offenbar vielmehr die "signifikante Verbesserung" sein, die Helmut Marko, der Motorsport-Beauftragte des Konzerns, auf der offiziellen Formel-1-Homepage ankündigte.

"Im Moment sind wir vor den anderen, aber die schlafen auch nicht und die Dinge können schnell ganz anders sein", wurde der Österreicher dort zitiert. "Wir müssen das vermeiden."

Red Bull werde deshalb in China eine bedeutsame Verbesserung am RB7 haben.

Marko: "Ich kann nicht sagen, was es ist, aber es ist notwendig. Denn Stillstand ist in der Formel 1 gleichbedeutend mit Rückschritt."

Die Fragen nach der Dominanz, so viel kündigt sich an, wird sein Schützling Vettel so schnell nicht los werden.

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