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Sebastian Vettel hat nun 21 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton © getty

Vettel bemängelt nach dem vergebenen Sieg in China die falsche Taktik und nimmt sein Team in die Pflicht. Hamilton ist "überwältigt".

Von Julian Meißner

München - Nur wenige Minuten nach dem nervenaufreibenden Rennen von Schanghai war Sebastian Vettel schon in der Lage, eine nüchterne Analyse des Geschehens zu liefern.

"Kein perfekter Job, aber auch kein Desaster", fasste der Weltmeister den ersten kleinen Rückschlag der noch jungen Saison für sein bis dato ungeschlagenes Red-Bull-Team zusammen (BERICHT: Hamilton bricht Vettels Serie).

18 Punkte für Platz zwei, die WM-Führung sicher verteidigt - in der Tat hätte es für den 23-Jährigen wenig zu kritisieren gegeben, wären beim spektakulären Großen Preis von China nicht vielfältige Probleme für den Heppenheimer aufgetreten.

Das Rennen zeigte, so Vettel: "Wenn man nicht seine 100 Prozent bringt, gibt es immer jemand anderen, der einem auf der Nase herumtanzt und vielleicht den Sieg wegschnappt."

Hamilton "überwältigt"

In diesem Fall war es Lewis Hamilton, der die Gunst der Stunde nutzte, Vettels dritten Sieg im dritten Saisonrennen verhinderte und davon "absolut überwältigt" war.

"Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, dass ich hier saß", so Hamilton nach seinem ersten Grand-Prix-Sieg seit August 2010, als er im belgischen Spa triumphiert hatte.

Der Weltmeister von 2008 profitierte von der Entscheidung, im Qualifying am Samstag Reifen zu sparen und so im Rennen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben. "Das hat sich ausgezahlt", freute sich Hamilton.

Verhinderter Hattrick

Vettel nahm seinen verhinderten Hattrick dann auch nicht ganz so locker hin. Der Champion wusste freilich, dass er nach dem dominanten Vorstellungen in Australien und Malaysia auch in China hätte gewinnen können.

Doch schon am Start musste er Jenson Button und dessen McLaren-Teamkollegen Hamilton ziehen lassen und haderte später mit der Taktik.

"Natürlich fuchst das einen ein bisschen", sagte Vettel: "Ich glaube, das Auto war heute schnell genug, aber die Strategie vielleicht die falsche."

Vettel "ohne Chance"

Vettel war im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Mark Webber auf zwei Stopps unterwegs und deshalb am Ende mit abbauenden Reifen gegen Hamilton "ohne Chance", wie er erklärte.

[kaltura id="0_vjy0s6tg" class="full_size" title="Eine Runde in Schanghai "]

"Es war eine Frage der Zeit, bis er vorbeigeht", so Vettel - fünf Runden vor Schluss des bewegten Rennens mit zahlreichen Positionswechseln war es dann soweit.

Webber mit imposanter Aufholjagd

Webber, bislang in der Saison vom Pech verfolgt, stoppte im Gegensatz zu seinem jungen Stallgefährten dreimal, pflügte von Startplatz 18 durch das Feld und beendete seine imposante Aufholjagd gar auf dem Podium.

"Vielleicht sollte ich das immer so machen", scherzte der Australier: "Das Qualifying auslassen und dann von hinten durchstarten."

KERS zickt erneut

Während bei Webber das Energierückgewinnungssystem KERS erneut über die gesamte Renndauer nicht funktionierte, lief es bei Vettel "am Start und im ersten Stint eigentlich tadellos, dann nicht mehr so."

Zudem plagten Vettel Funkprobleme, ab dem ersten Boxenstopp war der Kontakt zum Kommandostand nur noch bruchstückhaft vorhanden.

Ein Grund mehr, dass der Weltmeister sagte: "Es war kein rundes Rennen, nicht alles hat 100 Prozent geklappt."

Ärger bei Rosberg

Das galt auch für die Silberpfeile, die zwar ihren Aufwärtstrend bestätigten, bei denen Nico Rosberg aber aufgrund eines Berechnungsfehlers Benzin sparen musste und am Ende Position um Position verlor (BERICHT: Rosberg sauer nach Tank-Panne).

Während man sich bei Mercedes mächtig über das Verpassen einer großen Chance auf das Podium ärgerte, verabschiedeten sich die besten Drei von Schanghai aber vorwiegend positiv gestimmt in die dreiwöchige Pause bis zum Europa-Auftakt in der Türkei.

Vettels Appell

"Es ist offensichtlich, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben", meinte Hamilton, dessen Team bei den Wintertests noch chancenlos gewirkt hatte: "Wir arbeiten sehr hart, um die Lücke zu schließen. Im Rennen sind wir gleichauf, aber im Qualifying haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns."

Und Vettel mahnte sein Team, im Entwicklungswettstreit mit der Konkurrenz ja nicht nachzulassen: "Der Fuß darf nicht vom Gas."

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