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Bei seinem ersten Boxenstopp fuhr Jenson Button versehentlich bei Red Bull vor © imago

Das Missgeschick des McLaren-Piloten bringt sein Team zum Umdenken. Hamilton profitiert - und könnte "nicht glücklicher sein".

Von Olaf Mehlhose

München - Lewis Hamilton ordnete den Sieg beim China-GP (Rennbericht) neben zwei Erfolgen aus dem WM-Jahr ein.

"Ich fühle mich so stolz. Dieses Rennen ist eines meiner Top-3-Siege. Es kann mit Silverstone und Monaco 2008 mithalten", freute sich der 26-Jährige nach seiner brillanten Vorstellung auf dem Shanghai International Circuit.

"Ich existiere, lebe und atme um zu gewinnen: Ich liebe das Gewinnen und ich könnte einfach nicht glücklicher sein."

Auch durch warnende Kommentare aus der Box ließ sich der WM-Vierte des vergangenen Jahres die Vettel-Jagd 382451(Bilder) nicht ausreden: "Ich habe nicht zu hart attackiert, aber genug und zwar nur an den wichtigen Stellen der Strecke." (DATENCENTER: Rennergebnis).

Lob für Hamilton

Auch beim Team war der Jubel nach dem ersten Saisonsieg riesig.

"Es war fantastisch, unseren ersten Sieg des Jahres zu holen. Das war sehr wichtig, denn emotional verteufelst du ein Jahr, wenn du von den ersten Rennen keines gewinnst", sagte Teamchef Martin Whitmarsh.

Dabei lobte der der 52-Jährige "Überholkünstler" Hamilton in den höchsten Tönen: "Nico (Rosberg, d. Red.), Vettel und Massa haben ihn nicht freiwillig vorbeigelassen. Er hat das großartig gemacht!"

Neben dem glänzend aufgelegten Hamilton war der Triumph in Schanghai vor allem ein Erfolg der Taktik. Der Wechsel von einer Zweistopp- auf eine Dreistopp-Strategie entpuppte sich als Schlüssel zum Sieg.

Patzer führt zu Strategiewechsel

Ironischerweise leitete das Missgeschick von Button, der eine Runde zu spät zum Reifenwechsel kam und seinen Boliden dann auch noch in die Red-Bull-Box fuhr, ein Umdenken bei den Silbernen ein.

"Lewis musste deswegen leider auch eine Runde später reinkommen. Nach der ersten Runde der Boxenstopps nicht mehr Erster und Zweiter, sondern Fünfter und Sechster zu sein, war niederschmetternd", erläuterte Whitmarsh, der Button trotz des peinlichen Aussetzers ausdrücklich in Schutz nahm: "Das sah komisch aus, aber normalerweise macht er solche Fehler nicht."

[kaltura id="0_vjy0s6tg" class="full_size" title="Eine Runde in Schanghai "]

Doch genau dadurch sei allen im Team klar geworden, "dass wir von der eigentlich geplanten Zweistoppstrategie auf drei Stopps wechseln müssen. Zu dem Zeitpunkt war Lewis auf seinem neuen Satz Options (weiche Reifen, d. Red), die wir nicht maximal ausschöpften, weil es sein kürzester Stint war. Aber wir haben die Strategie umgestellt, was ein entscheidender Moment im Rennen war - genau wie die fantastischen Überholmanöver".

Vorteil nicht voll ausgenutzt

Durch den Strategiewechsel legte Hamilton zwischen der 15. und 25. Runde nur zehn Umläufe auf dem im Qualifying gesparten weichen Reifensatz hin.

Bei einem Blick auf sein Tempo in den letzten Rennrunden war das sicherlich die richtige Entscheidung, obwohl der Brite den Vorteil der weichen Pneus nicht mal in vollem Umfang nutzte.

Erfolgreiche Philosophie

Eine Schrecksekunde hatte das McLaren Racing allerdings noch zu überstehen. Als Hamilton in der 36. Runde mit einem riskanten Überholmanöver innen an Button vorbeizog, blieb Whitmarsh nach eigener Auskunft beinahe das Herz stehen.

"Ich habe nie Freude daran, wenn unsere beiden Fahrer gegeneinander racen. Wenn du das live ansiehst, ist das angsteinflößend, denn du weißt, dass die Katastrophe nur ein paar Zentimeter entfernt ist", sagte der McLaren-Boss: "Aber andererseits sollen sie gegeneinander racen, denn das ist die Philosophie dieses Teams."

Eine durchaus erfolgreiche Philosophie: Hamilton (47 Punkte) liegt in der Fahrerwertung auf Rang zwei, Button (38) rangiert nach seinem vierten Platz von Schanghai genau dahinter.

Steigerung im Qualifying

Um auch weiterhin vorne dabei zu sein, müsse das Team "so viel Druck wie möglich" machen, sagte Whitmarsh: "Wir können besser sein als wir es momentan sind."

Steigerungsmöglichkeiten sieht er vor allem noch im Qualifying: "Wir müssen noch eine halbe Sekunde bis sechs Zehntel finden. Im Rennen sind sie auch schneller, aber wir sind ihnen am nächsten."

Allerdings sei es ein Fehler, sich nur auf Red Bull zu konzentrieren: "Auch Ferrari, Mercedes und Renault haben gute Ressourcen. Diese Rennställe können ebenfalls erheblich zulegen."

Am meisten hat bisher allerdings McLaren zugelegt, und das will das Team auch während der drei Wochen bis zum Türkei-GP tun.

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