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Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel holte bislang zwölf WM-Siege © getty

Das Weltmeisterteam schlägt sich mit fehlender Power und zickiger Technik herum. Die Suche nach der Lösung hat Priorität.

Von Barnabas Szöcs

München - Der Blick auf den WM-Stand sollte Sebastian Vettel eigentlich zufrieden stimmen.

Nach dem dritten Saisonlauf in Schanghai führt der Weltmeister mit zwei Siegen und einem zweiten Platz die Fahrerwertung souverän an, Red Bull steht auch in der Teamwertung ganz oben (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Dennoch: Beim bislang dominanten Team der Saison ist man gewaltig alarmiert, der Vorsprung auf der Strecke und im Klassement scheint zu schrumpfen.

Grund dafür ist das Bremsenergie-Rückgewinnungssystem KERS, welches beiden Red-Bull-Piloten in China ordentlich zu schaffen machte, sogar mitverantwortlich für den verpassten Rennsieg war.

Sorgenfalten bei Red Bull

"Die meiste Zeit des Rennens mussten wir ohne KERS auskommen" so der 23-jährige Vettel nach dem Grand Prix: "Am Start und im ersten Stint war eigentlich alles tadellos, dann nicht mehr so."

Sorgenfalten sind daher nicht unbegründet.

Die wiederkehrenden Ausfälle resultieren vor allem aus der streikenden Kühlung des Systems, welches sich bei höheren Temperaturen abschaltet und somit den oft benötigten PS-Zusatzschub verhindert. Des Rätsels wahre Lösung ist noch nicht gefunden.

"Es ist ein großer Schlag"

Eine leichte Enttäuschung über die zickige Technik konnte der ehrgeizige Heppenheimer daher nicht verbergen: "Es ist ein großer Schlag. In China gibt es zwei lange Geraden, auf denen KERS einen großen Effekt hat. Wenn man davonziehen will, hilft sowas natürlich überhaupt nicht."

Auch gab Vettel zu, dass die nicht vorhandene Extrapower aus dem Renault-Motor seine Rundenzeiten und damit auch seine Rennstrategie enorm beeinflusst hatte - was letztlich dazu beitrug, dass am Ende McLaren-Star Lewis Hamilton den Siegerschampus vergoss (BERICHT: Hamilton bricht Vettels Serie).

Die Konkurrenz indes reibt sich bereits die Hände, die schmerzhafte Achillesferse der "Bullen" scheint gefunden zu sein.

[kaltura id="0_94lj98z0" class="full_size" title="Rosberg am Steuer"]

Webber kennt größten Konkurrenten

Aber das ist noch nicht alles. Vettels Teamkollege Mark Webber setzte noch einen drauf und nannte sogar die Vorteile des wohl schärfsten Konkurrenten um die WM: "McLaren hat riesige Erfahrung mit Mercedes seit dem Jahr 2009 und sie machen ihren Job sehr gut."

Wie auch in anderen Fällen üblich geht Red Bull einen eigenen Weg und überarbeitet das von Renault gelieferte Basissystem den eigenen Anforderungen entsprechend. Doch genau dort scheint sich der Fehlerteufel eingeschlichen zu haben.

"Das zerreißt alles"

"Unser KERS ist schon verbessert. Wir haben jetzt drei Wochen, um den nächsten Schritt zu machen. Das ist eine komplexe Technologie und wir lernen bei jedem Rennen dazu", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Die KERS-Problematik macht sich aber nicht nur auf der Strecke bemerkbar, auch und vor allem in der Boxengasse kommt es zu Unregelmäßigkeiten im Ablauf und Zeitmanagement:

"Mein Auto wurde am Rennwochenende etwa viermal auseinander- und zusammengebaut. Das zerreißt alles", klagte Webber.

Superhirn Newey ist gefordert

Bevor der Formel-1-Zirkus am 8. Mai zum vierten Saisonlauf in Istanbul erneut zusammenkommt, muss "Bullen"-Chefdesigner Adrian Newey eine funktionierende Lösung anbieten, um McLaren auf Distanz zu halten.

Sein Boss jedenfalls vertraut dem britischen Topingenieur vollends: "Adrian Newey wäre nicht Adrian Newey, wenn er ein normales KERS bauen würde", meint Horner vielsagend und fügt an: "Wir werden eine weitere Verbesserung in der Türkei präsentieren."

Die Pause nach dem China-Grand Prix kommt Red Bull daher gerade recht, um die Fehler zu beheben und den Vorsprung wieder auszubauen.

Sollte Newey und Co. das gelingen, könnte auch Sebastian Vettel wieder entspannt auf den WM-Stand blicken.

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