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Weltmeister Sebastian Vettel fährt seinen Wagen in Kurve acht in die Leitplanke © getty

Beim Training zum Türkei-GP dreht sich Vettel in die Leitplanke. Die Mercedes-Motoren laufen rund, Button setzt die Topzeit.

Istanbul - Das "Auge Fatimas" war nicht wachsam genug, "sexy Kylie" stand zertrümmert in der Box: Nach dem spektakulären Crash und dem schlimmsten Tag der Saison machte Sebastian Vettel gute Miene zum bösen Spiel.

"Wir zählen noch", sagte der Formel-1-Weltmeister beim Türkei-GP (Qualifying, Sa., ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER und im TV auf SPORT1) auf die Frage, was an seinem nach Popstar Kylie Minogue benannten Auto alles kaputtgegangen sei.

Auf dem Gesicht trug der Titelverteidiger dabei sein unschuldiges Lausbubenlächeln, doch in ihm drin muss es nach dem verkorksten Auftakt des vierten Rennwochenendes 2011 anders ausgesehen haben. (Neue Bullen-Strategie: Besser ohne Pole?)

Ein heftig aussehender Unfall am Morgen, eine Zwangspause am Mittag und keine brauchbaren Testwerte im Regen, so lautete nämlich die Bilanz nach dem Trainingstag von Istanbul (398545Bilder), der für Vettel gerade einmal vier Runden gedauert hatte.

Kein Problem mit Webber

"Das ist mit Sicherheit nicht optimal, aber ändern können wir es jetzt nicht mehr. Mit dem Schaden war es leider nicht möglich, den Wagen wieder hinzukriegen", sagte der Red-Bull-Star: "Ich stehe hier und mir gehts gut, das ist nach jedem Unfall das wichtigste. Wir sind da, um das Limit auszuloten. Heute habe ich das ziemlich hart gespürt, aber das gehört zum Rennfahren dazu."

Grund zur Hoffnung gebe ihm, das Teamkollege Mark Webber unbeschadet durch beide Sessions gekommen sei: "Mark hat ja einige Runden drehen können, bei ihm hat KERS funktioniert. Ich hoffe, dass das bei mir auch so ist."

Dabei betonte Vettel, dass zwischen ihm und dem Australier keine Probleme mehr bestünden: "Wir hatten im letzten Jahr das Eine oder Andere zwischen uns, aber das haben wir aus der Welt geschafft. Ich habe zu ihm ein ganz normales Verhältnis wie zu jedem anderen Fahrer auch."

"Auge der Fatima" bringt kein Glück

Mit dem orientalischen Glückssymbol "Auge der Fatima" auf dem neu lackierten Helm war Vettel an diesem verregneten und kalten Morgen auf die Strecke in der Türkei gegangen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Doch der Ort des berühmten "Bullen-Crashs" mit dem Teamkollegen Mark Webber aus dem Vorjahr wurde für Vettel erneut zum Unglücksort.

Ausgangs der berühmten Kurve 8 kam er bei Tempo 220 mit den Reifen auf den Randstein, rutschte quer über die Straße und schlug in der Leitplanke ein.

[kaltura id="0_sln7p87s" class="full_size" title="Streckenvideo Istanbul"]

Vettel kam mit dem Medical Car, sein Auto mit dem Abschlepp-Truck zurück in die Box. Das Training musste für zehn Minuten unterbrochen werden, der Weltmeister blieb aber unverletzt.

Red Bull arbeitet auf Hochtouren

"Sorry! Ich habe den Randstein erwischt, dann konnte ich nichts mehr tun", sagte der 23-Jährige nach seinem Fahrfehler über den Boxenfunk.

Unter anderem wurden die Radaufhängungen und der Unterboden beschädigt.

Da der Gebrauch eines Ersatzwagens verboten ist, schraubten die Red-Bull-Mechaniker wie wild und versuchten Vettels Boliden zumindest zum Ende der Mittags-Session wieder fahrtüchtig zu machen.

Entschuldigung beim Team

Doch der ungeduldig am Streckenrand umhertigernde Hesse hoffte vergeblich. "Das Auto ist schwer beschädigt und wir müssen alles genau überprüfen", sagte sein Teamchef Christian Horner.

"Fragen sie mich lieber, was noch ganz geblieben ist", sagte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko auf die Frage nach den Schäden: "So etwas kann passieren, die Folgen sind leider enorm. Aber das Auto wird am Samstag sicher wieder fahren."

Auch Vettel geht davon aus, entschuldigte sich aber bei den Mechanikern: "Es tut mir leid, dass sie so viel Arbeit haben."

Vor der Box baute das Team während der Reparaturen Stellwände auf, um sich vor den TV-Kameras zu schützen.

Kein Vorwurf

Dem Titelverteidiger ging dadurch wichtige Trainingszeit verloren, und dies am ersten Regentag der aktuellen Saison.

Ohne schlimmere Folgen könnte dies bleiben, wenn im Qualifying sowie im Rennen am Sonntag die Sonne scheint. Die Prognosen widersprechen sich.

Ein Vorwurf des Teams gab es nicht. "Da war viel Pech im Spiel. Wäre es trocken gewesen, hätte er das Auto sicher halten können", sagte Horner.

Silber dominiert

Für die Bestzeit sorgte auf nasser Strecke und bei nur 10 Grad Außentemperatur Ex-Weltmeister Jenson Button im McLaren (1:26,456).

Ihm folgten in Nico Rosberg, Buttons Teamkollege Lewis Hamilton und Rosbergs Stallrivale Michael Schumacher drei weitere Autos mit Mercedes-Motoren.

Vettels Teamkollege Mark Webber musste sich nach dem Ausfall des Weltmeisters vor allem auf das Sammeln von Daten konzentrieren und fuhr die fünftbeste Zeit.

"Zugvögel kann man nicht aufhalten"

Derweil hat Mercedes-Sportchef Norbert Haug angekündigt, Schumacher und Rosberg bei einem Wechselwunsch keine Steine in den Weg legen, er befürchtet derzeit aber keinen Abgang der beiden Piloten.

"Zugvögel kann man nicht aufhalten", sagte Haug: "Diese allgemeine Aussage darf man aber nicht auf die aktuelle Situation interpretieren, denn im Moment gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass uns einer unserer Fahrer verlassen wird."

Schumi selbstkritisch

Rekordweltmeister Schumacher sieht sich selbst derweil nicht mehr auf dem Zenit seines Leistungsvermögens.

"Wenn man mich fragt, ob ich stark wie im Jahr 2002 bin, antworte ich 'wahrscheinlich Nein'", sagte der 42-Jährige in einem Interview mit der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport".

Seine Vorstellung am Freitag war trotz einiger Dreher jedoch ordentlich.

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