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Nico Rosberg ist der Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg © getty

Nach dem missglückten Angriff aufs Podium ist der Mercedes-Pilot enttäuscht. Schumacher sieht trotz Platz zwölf das Positive.

Von Martin Hoffmann

München/Istanbul - Nico Rosberg ist nach eigenem Bekunden "immer optimistisch".

Dieses Lebensmotto betont der Mercedes-Pilot oft, auch vor dem Rennen in Istanbul (Renn-Zusammenfassung, ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1).

Danach war er gezwungen, etwas anderes festzuhalten: "Ich war zu optimistisch."

Zu optimistisch, was die Aufholjagd auf das ersehnte Top-Niveau angeht. Für die er gute Zeichen sah in Form der Führungsrunden in Schanghai und des dritten Platzes im Türkei-Qualifying (Quali-Bericht).

"Die Wahrheit war wieder da"

Nach dem Renntag und dem Triumph von Weltmeister Sebastian Vettel (Bericht und 399559Bilder) stand dann aber doch wieder ein Stück Ernüchterung (Renn-Zusammenfassung, ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1).

"Ich dachte, dass wir die Leistung aus der Qualifikation auch ins Rennen mitnehmen könnten", erklärte der am Ende fünftplatzierte Rosberg: "So war es heute aber nicht. Die Wahrheit war wieder da."

Eine Wahrheit von immer noch bitterem Geschmack: "In der Qualifikation sind wir stärker und nähern uns Red Bull. Im Rennen fehlt allerdings noch einiges."

Zufrieden war Rosberg da "nicht wirklich". Sein uneuphorisches Fazit: "Nun ja, es ist okay."

Gute Stimmung gegen das zersetzerische Potenzial

Dabei hatte Michael Schumachers Teamkollege vor dem Rennen alles getan, um gute Stimmung zu verbreiten.

Aus gutem Grund: Seine wütende Reaktion auf den Benzin-Ärger in China und die anhaltenden Gerüchte zum Interesse von Ferrari und Red Bull hatten und haben einiges an zersetzerischem Potenzial.

Das Thema Tankpanne packte Rosberg diesmal in Witzeleien - und ertrug auch professionell den müden Scherz einer TV-Reporterin, die ihm für das Rennen einen Spritkanister in die Hand drückte.

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Starker Start nicht bestätigt

Rosberg war euphorisiert von erfolgversprechenden Tests neuer Teile und seinem besten Saisonergebnis in der Qualifikation.

So euphorisiert, dass er dem zweitplatzierten Mark Webber forsch ein Überholmanöver direkt beim Start prophezeite.

Das klappte auch ("Das Team hat eine gute Einstellung auf der Kupplung gefunden"), Rosbergs Bolide konnte den Trend aber nicht über die Renndistanz bestätigen (DATENCENTER: Rennergebnis).

"Die Strategie war recht gut"

Als übergroßen Rückschlag mochte Rosberg das aber wiederum auch nicht empfinden.

"Ich habe einen McLaren geschlagen und liege sieben Sekunden hinter Hamilton. Das ist okay", betonte Rosberg.

Und lobte sein Team auch dafür, dass es ihn kompetent durch das Boxenstopp-Wirrwarr leitete: "Ich habe überhaupt nicht durchgeblickt und weder gewusst, wo ich bin - noch mit wem ich kämpfe", gab er zu.

Er sei "durchaus überrascht" gewesen, "zum Schluss doch wieder mit den McLaren zu kämpfen. Am Anfang hatte ich da keine Chance. Die Strategie war also recht gut."

Schumacher verhagelt es sich selbst

Weiter von den hohen Ansprüchen der "deutschen Nationalmannschaft" entfernt war wieder einmal Rosbergs Stallgefährte.

Schumacher verpasste als Zwölfter die Punkteränge - hatte das aber weniger seinem Auto als sich selbst zuzuschreiben.

Eine frühe Kollision mit Renault-Pilot Witali Petrow, ein ungeplanter Boxenstopp, um den kaputten Frontflügel zu reparieren, verhageltem den Rekordweltmeister das Rennen frühzeitig, weitere Rangeleien kosteten später noch mehr Zeit.

"Wahrscheinlich auf meine Kappe"

Die Schuld an dem Crash vermutete Schumacher bei sich selbst: "Wahrscheinlich muss ich das auf meine Kappe nehmen."

Schumacher war sicher, dass er und Rosberg unter normalen Umständen "mehr oder weniger hintereinander ins Ziel gekommen" wären.

Was er an seinem Dienstwagen monierte: "Zu Beginn des Rennens waren wir nicht so stark wie später. Deswegen konnte mich Petrow angreifen. Daran müssen wir arbeiten."

Aufwärtstrend "offensichtlich"

Sein Team wäre "vorne mit dabei", wenn es die Schwäche beheben könnte: "Dann können wir richtig attackieren."

Der siebenmalige Champion, der offenbar anders als Rosberg keine zu großen Erwartungen hatte, sah das Ergebnis des Rennwochenendes dann auch im angenehmen Licht.

"Der Aufwärtstrend ist doch sehr offensichtlich", befand er: "Wir haben sicherlich noch Aufholbedarf und etwas Potenzial. Bei uns tut sich in nächster Zeit sicherlich noch etwas."

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