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Sebastian Vettel kam 2009 von Toro Rosso zu Red Bull © getty

Während Überflieger Sebastian Vettel einen ereignisarmen Start-Ziel-Erfolg feiert, kämpft die Konkurrenz mit der neuen Formel 1.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel gingen die Argumente aus, also gab sich der Weltmeister geschlagen.

Schwächen? Fehler? Schwierigkeiten wenigstens? Nichts davon hatte seinen makellosen Start-Ziel-Sieg in der Türkei getrübt (Renn-Highlights, ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1).

"Ich glaube, es hätte heute nicht viel besser laufen können", räumte der Red-Bull-Star nach dem vierten Grand Prix des Jahres ein. Und dass er keinen Anlass zur Kritik sah, wird den 23-jährigen Überflieger am allerwenigsten bekümmern. (399559Die Bilder)

Vettel ist bekannt dafür, dass er stets das Maximum will. "Es ist gut, in jedem Rennen so viele Punkte zu holen wie möglich", bekräftigte er nach den 58 Runden auf dem Istanbuler Otodrom, die er nach eineinhalb Stunden als Schnellster beendet hatte, acht Sekunden vor seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber und zehn vor dem erstarkten Ferrari-Star Fernando Alonso. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Vettel: Luxuriöse Situation

In dieser Hinsicht ist Vettel ein echter Nimmersatt, er kann vom Siegen nicht genug kriegen, und wenn die fette Beute so leicht zu haben ist, wie beim türkischen Rennen, um so besser. (BERICHT)

"Heute hat von vorne bis hinten alles gepasst", fasste der Pole-Setter seinen ereignisarmen Arbeitstag zusammen. Schon der Start habe mehr oder weniger die Entscheidung gebracht.

Vier, fünf, sechs Sekunden Vorsprung habe er dann schnell beisammen gehabt, "eine luxuriöse Situation", so Vettel: "An der Spitze hatte ich's ein bisschen ruhiger. Solche Tage hat man gerne."

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Aufregung nur am Freitag

Aufregung? Nein, die hatte der jüngste Weltmeister der Geschichte ja schon freitags erlebt, als er mit 220 km/h die berüchtigte Kurve 8 verpasste und "Kinky Kylie" in ihre Einzelteile zerlegte. (398545Bilder: Vettel zerlegt Kylie)

Am Sonntag spielten sich die Turbulenzen hinter dem Überflieger ab. Sicherheiten gab es ab Platz zwei nicht mehr, für niemanden.

Nicht für Nico Rosberg, der sich viel vorgenommen hatte, aber erleben musste, dass nur wenig davon klappte (BERICHT: Bittere "Wahrheit" ernüchtert Rosberg). Als Dritter überholte er beim Start wie angekündigt Webber, fiel dann aber Zug um Zug ins Mittelfeld zurück, um den Zielstrich letztlich doch noch als Fünfter zu passieren.

Und Webber hatte ebenfalls alle Hände voll zu tun. Der zweite Red-Bull-Fahrer bekam die zurückgekehrten Kräften Alonsos zu spüren und konnte den schnellen Spanier erst im letzten Renndrittel hinter sich lassen.

82 Boxenstopps - Rekord

Hinter den Besten ging's noch turbulenter zu. Man frage nach bei Michael Schumacher. Der Rekord-Weltmeister verstrickte sich gleich mehrfach in harte Zweikämpfe und wurde schließlich Zwölfter.

Kurios: Der Mercedes-Star, der sich anfangs in einem Zweikampf mit Witali Petrow den Flügel abfuhr, räumte nach dem Grand Prix ein, dass er nicht einmal wisse, wie oft er zum Boxenstopp abgebogen war.

Vermutlich war er damit nicht einmal alleine. Die Formel 1 des Jahres 2011 ist unübersichtlich geworden - fürs Publikum, aber auch für alle Beteiligten. 82 Boxenstopps der zwölf Rennställe verzeichneten die Chronisten, so viel wie nie zuvor.

Button kritisiert McLaren-Taktik

Und in der Türkei hatte man den Eindruck, als würden selbst die Teams während eines Rennens Lehrgeld bezahlen. McLaren zum Beispiel.

Dort kamen Lewis Hamilton und Jenson Button als Vierter und Sechster ins Ziel. Viel zu wenig für ihren Geschmack. Besonders Button war verärgert. "Wir haben die Strategie einfach nicht richtig hinbekommen."

Auch Hamilton beklagte, er sei gezwungenermaßen von der geplanten Taktik abgewichen.

"Wusste nicht, wo ich bin"

Ein Schicksal, das der Engländer mit vielen der Top-Piloten teilte. Die Stars schwenkten während des Rennens von einer Drei- auf eine Vier-Stopp-Strategie um. Die Pirelli-Reifen hielten dem rauen Asphalt während der 309 Kilometer durch den Istanbul Park Circuit nicht lange genug stand.

Rosberg hat das viele Wirrwarr nicht gut gefallen. "Ich habe gar nichts verstanden. Ich wusste nicht, wo ich bin", berichtete der zweitbeste deutsche Fahrer: "Es war ein Chaos da draußen." Man dürfe "nicht zu viel Durcheinander produzieren".

Vier Poles, drei Siege

Nur Vettel, dem Weltmeister, und seinem Red-Bull-Team konnte nichts und niemand die Sicht verstellen.

Er sei bereit gewesen, seine Rennstrategie notfalls zu ändern, sagte der Sieger später, selbst für eine Safety-Car-Phase fühlte er sich gewappnet: "Ich hatte alles doch ziemlich unter Kontrolle."

Seit China, wo er seine ansonsten makellose Saisonbilanz mit vier Pole-Positions und drei Siegen mit einem zweiten Platz hinter Hamilton befleckte, habe Red Bull "definitiv einen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben unsere Lektion gelernt."

Webber applaudiert

Wohin das führen soll, schwant der Konkurrenz bereits. "Er ist in Bestform", applaudierte der neuerlich geschlagene Webber seinem Kollegen: "Er hatte einen großartigen Start in die Saison und ist nahezu an seinem Maximum."

Das sei nicht schön für ihn und die übrige Konkurrenz, so der Australier weiter: "Aber es liegt an uns, das früher oder später zu beenden."

Jeder habe Schwächen, machte der Pilot aus Queanbeyan allen Vettel-Jägern stellvertretend Mut. Das einzige Problem: 2011 hat Vettel sie niemandem gezeigt.

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