Die Neuerungen haben die Formel 1 nicht dramatischer gemacht, im Gegenteil. Die PS-Liga 2011 ist glatt, beliebig und verwirrend.

Spannender hätte sie werden sollen die Formel 1 des Jahres 2011, aufregender.

Mehr Überholvorgänge dank verstellbarer Heckflügel und des Extra-Anschubs KERS. Mehr Unberechenbarkeit dank des neuen Reifenlieferanten Pirelli. So lautete in etwa das Versprechen.

Nach vier Grands Prix steht fest: Die Formel 1 ist nicht spannender, sie ist beliebig geworden und chaotisch.

Rekordträchtige 82 Boxenstopps wie diesmal beim Türkei-Grand-Prix bringen keine Spannung. Sie sorgen für Verwirrung. Und zwar nicht nur beim Publikum sondern sogar bei den Experten.

Mercedes-Pilot Nico Rosberg räumte anschließend freimütig ein, er habe während des Rennens nicht den leisesten Schimmer gehabt, wo im Feld er gerade herumkurvte.

Auch sein Kollege Michael Schumacher wusste nach dem Grand Prix nicht zu sagen, wie oft er seinen Rennwagen an die Box gelenkt hatte. Der Mann ist siebenmaliger Weltmeister.

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Davon abgesehen: Welcher Zuschauer soll begreifen, was sich da vor seinen Augen abspielt, wenn ganze Brigaden von Raumfahrt-Ingenieuren und promovierten Mathematikern in den Teams damit ihre Probleme haben?

Beispiel? Die Stars der Branche mussten entgegen aller Berechnungen der Spezialisten ihre Autos vier Mal an den Streckenrand lenken, um sich neue Reifen abzuholen. Geplant und von vielen angekündigt waren drei Stopps.

Und? Wurde der türkische Grand Prix deshalb aufregender?

Die Überholmanöver: Auch hier staunt der Experte. Nico Hülkenberg, seines Zeichens Formel-1-Testfahrer, hat sich das "Neue Überholen" wie viele andere offenbar ganz anders vorgestellt.

"Die wehren sich oft gar nicht mehr", kommentierte der TV-Experte die vielen zahnlosen Duelle. Das Racing sei der Formel 1 verloren gegangen, lautete sein Urteil.

Sein ungleich berühmterer Landsmann Sebastian Vettel hatte vor dem Szenario, das nun eingetreten ist, bereits vor dem Saisonstart gewarnt. Die Formel 1 laufe Gefahr, künstlich zu werden, sprach der Weltmeister.

Nun muss man sagen: Vettel hatte leider Recht. Die Formel 1 ist glatter geworden, glatt wie Plastik.

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