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Sebastian Vettel feierte in Barcelona seinen 14. Sieg in der Formel 1 © getty

Sebastian Vettel trotzt in Barcelona massivem Druck und technischen Problemen. Mark Webber fügt sich in seine Rolle.

Von Julian Meißner

München/Barcelona - Die erwartete Machtdemonstration des Red-Bull-Teams ist ausgeblieben.

Dafür rückte der Weltmeister die Verhältnisse im Fahrerfeld und auch innerhalb seines Rennstalls in beeindruckender Weise zurecht.

Nachdem ihm in Barcelona (408045Bilder) sein Stallgefährte Mark Webber erstmals in diesem Jahr die Pole-Position weggeschnappt hatte, antwortete Sebastian Vettel beim Großen Preis von Spanien im Stile eines Champions.

Von tonnenschwerer Last, die von seinen Schultern gefallen sei, sprach der 23-Jährige, nachdem er dank einer Glanzleistung den vierten Sieg im fünften Saisonrennen mit 0,6 Sekunden Vorsprung vor McLaren-Pilot Lewis Hamilton ins Ziel gerettet hatte (Bericht: Vettel gewinnt Spanien-Krimi).

"Wir hätten nicht damit gerechnet, dass es so eng wird", musste Vettel eingestehen und kündigte, euphorisiert von einem seiner am härtesten erkämpften Erfolge, übermütig an: "Ich werde heute einen trinken."

Fehleranalyse bei Red Bull

Dass die Rundfahrt auf dem für Prozessionen bekannten Circuit de Catalunya eine derart knappe Angelegenheit werden würde, hatten nach dem Klassenunterschied zwischen Red Bull und der Konkurrenz im Qualifying die wenigsten erwartet (DATENCENTER: Das Rennergebnis) .

"Alle haben behauptet, das wird ein langweiliges Rennen und eine Red-Bull-Show, aber es ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben", bekannte Vettel: "Wir müssen schauen, warum."

Erneut Gedränge an der Box

Nachdem die eifrigen Rivalen schon am Start einen Formationsflug der "Bullen" verhinderten, zeigte sich auch im weiteren Rennverlauf, dass ein höchst überlegener Samstags-Speed nicht unbedingt in ein lockeres Rennen münden muss.

Bis zur vier Boxenstopps absolvierten die 24 Fahrer jeweils, 77 waren es insgesamt. Wieder einmal kam es also darauf an, zum richtigen Moment die richtigen Reifen auf der Felge zu haben.

[kaltura id="0_do2pfk7q" class="full_size" title="Eine Runde in Barcelona"]

"Zum Glück haben wir kühlen Kopf behalten und das bestmögliche Ergebnis erzielt", konnte Vettel am Ende eines erneut ereignisreichen Rennens von sich behaupten, während sein Teamkollege Frust schob.

Alonso mit Wahnsinnsstart

Webber verspielte die Chance auf seinen ersten Sieg seit August 2010 in Ungarn schon auf den ersten Metern der 307,104 Kilometer langen Renndistanz.

Vettel zog direkt außen am Australier vorbei, innen setzte sich Lokalmatador Fernando Alonso dank eines Wahnsinnsstarts von Rang vier kommend an die Spitze des Feldes.

"Mein Start war gar nicht so schlecht", meinte Webber: "Aber Alonsos Start war phänomenal. Er hatte viel Windschatten, und plötzlich waren Sebastian und Fernando auf beiden Seiten neben mir."

Webber desillusioniert

Ein Dreikampf, aus dem der 34-Jährige als Letzter hervorging. In der Folge verlor Webber eine weitere Position an Jenson Button im zweiten McLaren, der als Einziger der fünf Bestplatzierten auf "nur" drei Boxenstopps setzte.

"Am Ende hat jeder das Ergebnis eingefahren, was er verdiente", zeigte sich Webber desillusioniert: "Ich habe heute einen vierten Platz verdient."

Hamilton vollauf zufrieden

Von Enttäuschung war Lewis Hamilton trotz der verpassten Chance auf den zweiten Saisonsieg weit entfernt.

Der Brite, der seinen Platz als WM-Zweiter hinter Vettel festigte, meinte mit Blick auf Red Bull: "Wir haben einen tollen Job gemacht, wenn man sieht, dass ihr Auto ein gutes Stück schneller ist als unseres."

Von einem Klassenunterschied war in der entscheidenden Endphase des Rennens aber nur wenig zu sehen: Hamilton nutzte den Vorteil des verstellbaren Heckflügels, Vettel hatte einmal mehr Probleme mit KERS. "Ich hatte 30 Runden lang Druck von Lewis", beschrieb Vettel das beinharte Duell.

Fünfter Streich in Monaco?

Umso beeindruckender war es, wie souverän der Heppenheimer den Sieg am Ende nach Hause fuhr.

Und umso frustrierender muss für die Konkurrenz die Erkenntnis sein, dass Vettel derzeit selbst dann nicht zu stoppen ist, wenn nicht alles nach Plan läuft. Vier Pole-Positions und vier Siege aus fünf Rennen sprechen eine genauso deutliche Sprache wie das WM-Tableau, das Vettel mit 118 Punkten vor Hamilton (77) anführt.

Außer den Piloten von Red Bull und McLaren darf sich zunächst niemand Hoffnungen auf einen Sieg machen: Beide Teams überrundeten in Barcelona mit beiden Fahrzeugen den kompletten Rest des Feldes, einschließlich des fünftplatzierten Turbo-Starters Alonso.

Bis zum nächsten Rennen, das schon in einer Woche in Monaco steigt, wird sich an der Hackordnung der Formel 1 kaum etwas ändern.

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