vergrößernverkleinern
MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Red Bull Racing feierte beim Grand Prix von Monaco 2010 einen Doppelsieg © getty

Der Circuit de Monaco ist eine Herausforderung für Teams, Fahrer und Autos. SPORT1 beleuchtet die entscheidenden Faktoren.

Von Tobias Wiltschek

Der Grand Prix von Monaco (1. Training, Do., ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) ist der vorläufige Höhepunkt der Formel-1-Saison ? und eine der größten Herausforderungen für Teams, Autos und Piloten.

Als "Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer" beschrieb Nelson Piquet einst das erste Stadtrennen der Königsklasse. (DATENCENTER: WM-Stand)

Durch die umfangreichen Regeländerungen zu Beginn der Saison wird die Hatz durch die Straßenschluchten des Fürstentums noch anspruchsvoller als in den vergangenen Jahren.

DRS, Pirelli-Reifen und der immer komplizierter werdende Umgang mit dem Lenkrad werden den Ausgang des Rennens auf dem Kurs an der Cote d'Azur maßgeblich beeinflussen und die Fahrer bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit treiben. (RENNKALENDER: Die Saison 2011)

Nur wer sich darauf am besten einstellt, wird am Ende auf dem Podium ganz oben stehen. SPORT1 beleuchtet die entscheidenden Faktoren der sechsten Station im Formel-1-Kalender.

DRS:

Der verstellbare Heckflügel stand vor dem Monaco-GP im Mittelpunkt der Diskussionen. Nicht nur Lotus-Pilot Jarno Trulli forderte aus Sicherheitsgründen ein Verbot des Systems. "Wahrscheinlich bringt es dich mehr aus dem Konzept, als dass es eine Hilfe ist", warnte der Italiener, der den einzigen Grand-Prix-Sieg seiner Karriere in Monaco feierte.

Auch Nick Heidfeld setzte sich für ein DRS-Verbot in Monaco ein. "Ich glaube nicht, dass DRS dort irgendeine positive Auswirkung auf die Überholmanöver haben wird", sagte der Mönchengladbacher.

Bei der Fahrerbesprechung stimmten laut "Bild" mit Michael Schumacher und Lewis Hamilton nur zwei Piloten für den Einsatz des Systems in Monaco. Gerade Hamilton gilt als sehr risikofreudig und freut sich schon auf die Herausforderung: "Wir dürfen den verstellbaren Heckflügel zum Einsatz bringen, was ziemlich schwierig werden wird."

Rennleiter Charlie Whiting und die FIA entschieden, dass die Fahrer das System in Training und Qualifying einsetzen können, allerdings nicht in der Tunnelpassage vor der Einfahrt in die Hafenschikane.

[kaltura id="0_u5v0h994" class="full_size" title="Streckenvorstellung Monaco"]

Im Rennen wurde die Überholzone auf die Zielgerade gelegt. Doch auch dort wird es wohl selten zu Überholmanövern kommen. Laut Heidfeld ist das "ja keine Gerade, sondern ein Rechtsknick. Und dann in die erste Kurve hinein wird es nochmal sehr eng."

Lenkrad:

Der gewinnbringende Einsatz der technischen Hilfsmittel erfordert den perfekten Umgang mit dem Lenkrad. "Angesichts der erhöhten Lenkradarbeit im Cockpit in dieser Saison stellt Monaco eine noch größere Herausforderung für die Fahrer dar", teilte Mercedes vor den Grand Prix im Zwergstaat mit.

Tatsächlich sind die Hände der Fahrer in Monaco ständig in Bewegung, um Korrekturen am Auto vorzunehmen. In der Haarnadel schlagen die Fahrer das Lenkrad um mehr als 180 Grad ein. Die Strecke beinhaltet 19 Kurven, die Piloten lenken rund 130 Mal pro Runde. Allein dies erfordert höchste Konzentration im Cockpit.

Darüber hinaus besitzt das Lenkrad mit Drehschaltern, Knöpfen und Schaltwippen über 30 individuelle Funktionen; unter anderem für die Aktivierung von DRS und KERS. Mit den Schaltwippen wechseln die Piloten 55 Mal pro Runde die Gänge.

Durch die neuen Systeme für die Saison 2011 müssen die Fahrer in Monaco rund 70 Mal pro Runde Funktionen am Lenkrad verstellen. Im Qualifying des vergangenen Jahres waren es noch 50 Lenkradeingaben. Dadurch steigt die Arbeitslast des Fahrers um bis zu 40 Prozent.

Reifen:

Die Reifenwahl wird die Teams im Fürstentum vor noch größere Probleme stellen als in den vergangenen Rennen. Denn Pirelli hat angekündigt, mit der Mischung "supersoft" die weichsten Reifen mit nach Monaco zu nehmen.

Noch ist nicht klar, wie lange diese Pneus halten werden. Laut Hersteller bestechen sie zwar durch ihre kurze Aufwärmzeit und durch volle Leistung von der ersten Runde an.

Doch danach werden sie sich so schnell abnutzen, dass sie nicht viel länger als zehn Umläufe zu nutzen sind. Besonders unter einer hohen Benzinlast dürfte sich die Ausdauer der Reifen in Grenzen halten.

Mit einem Boxenstopp wie im Vorjahr wird man keinesfalls über die Distanz kommen, vielmehr darf mit einer weiteren Boxenstopporgie gerechnet werden. "Auf der Strecke wird es schon hektisch werden", glaubt Jenson Button. Daher wird der Rennstrategie erneut eine besondere Bedeutung zukommen.

Qualifying:

Trotz der neuen Regeln ist das Qualifying in Monaco nach wie vor wichtiger als bei allen anderen Rennen. Aufgrund des engen Kurses werden die Piloten dort höchste Priorität darauf legen, so weit vorn wie möglich in der Startaufstellung zu stehen.

Insofern ist nicht zu erwarten, dass die Fahrer ? wie Schumacher in Barcelona ? mehr oder weniger freiwillig auf eine gute Startposition verzichten, nur um Reifen zu sparen.

Button freut sich auf diese Herausforderung. "Der letzte schnelle Versuch im Qualifying ist dort einfach nur atemberaubend", sagte der britische McLaren-Pilot.

Auch er wird sich im Qualifying wohl für die "supersoften" Reifen entscheiden, obwohl es laut Hersteller Pirelli keine "klassischen" Qualifikationsreifen sind. Doch wo, wenn nicht bei der Zeitenjagd am Samstag, sollen die Teams diese Pneus einsetzen? Für schnelle Runden sollte die neue Mischung am besten geeignet sein.

Wie die Piloten mit diesen Reifen im Rennen zurechtkommen, muss sich erst noch erweisen. Wie so vieles beim Grand Prix am kommenden Wochenende.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel