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Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel gewann vier der ersten fünf Saisonrennen © getty

Für den ersten Monaco-Sieg an pusht Vettel sein Team bis zum Äußersten. Der Weltmeister brandmarkt den "Einbruch von Barcelona".

Monte Carlo - Sebastian Vettel haut auf den Tisch.

Um endlich einen Sieg zwischen Party, Prunk und Promis zu feiern und somit einen der letzten Makel seiner schon so erfolgreichen Karriere auszulöschen, hat der Formel-1-Weltmeister vor dem Monaco-GP (1. Training, Do., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) Klartext geredet.

Trotz vier Siegen in fünf Rennen ist er unzufrieden, weil das Auto im Rennen von Barcelona deutlich langsamer war als im Qualifying und das KERS wieder einmal Aussetzer hatte.

Und der WM-Zweite Lewis Hamiton wittert Morgenluft: In Spanien kam er nur 0,6 Sekunden hinter Vettel ins Ziel gekommen, nun verspricht er vollmundig: `Wir können Red Bull in Monaco eine blutige Nase verpassen."(DATENCENTER: Der WM-Stand)

"Das war dünn"

"Das war dünn. Wir müssen schnell analysieren, warum wir so eingebrochen sind", sagte Vettel.

Hinter verschlossenen Türen bei Red Bull soll er dies noch deutlich energischer formuliert haben.

"Sowas gehört nicht nach Außen, sowas regelt man intern", sagte er am Mittwoch und bestätigte seine Kritik damit indirekt: "Die Jungs haben schon den Dampf, dass es tadellos funktioniert und nicht wieder zickt. Das muss unser Anspruch sein, denn es gibt Tage, an denen das bestraft wird."

Die Konkurrenz hat den Titelkampf gegen den Deutschen nach einem Viertel der Saison fast schon aufgegeben, selbst Hamilton ist trotz der Kampfansage fürs nächste Rennen vorsichtig ("Puh, das wird schwer"), doch Vettel lehnt sich noch lange nicht zurück. Gerade nicht vor Monaco.

Kein Ivan Lendl

Denn der 23-Jährige hat in seiner erst kurzen Karriere schon fast alles erreicht.

Er ist Weltmeister, hält zahlreiche Rekorde als jüngster Champion oder Rennsieger, hat bereits auf elf der aktuellen Strecken triumphiert.

Ein Sieg beim Glamour-Rennen in den Häuserschluchten des Fürstentums fehlt ihm aber noch.

[kaltura id="0_u5v0h994" class="full_size" title="Eine Runde in Monaco"]

Und eine Formel-1-Karriere ohne Monaco-Sieg ist etwa so unvollendet wie die des großen Ivan Lendl, der alle Tennisturniere dieser Welt gewann - nur nicht das in Wimbledon.

"Eine einzigartige Herausforderung"

"Dieses Rennen ist eines der Highlights des Jahres", sagt Vettel: "Es ist ein außergewöhnliches Gefühl, ein Formel-1-Auto in Monaco zu fahren. Es handelt sich um eine einzigartige Strecke und eine einzigartige Herausforderung für den Fahrer."

Auf die Frage, welche Rennen er 2011 unbedingt gewinnen wolle, hatte der Hesse vor der Saison den Nürburging genannt - denn auch vor heimischem Publikum fehlt ihm noch ein Sieg - und Monaco.

Alle seine Rivalen haben diesen großen Sieg schon auf der Visitenkart verewigt. Lewis Hamilton, Jenson Button, Fernando Alonso und seit dem Vorjahr auch Teamkollege Mark Webber.

Vettel war damals Zweiter geworden, die vorherigen Starts endeten mit einem fünften Platz 2008 und einem Rennende an der Mauer ein Jahr darauf.

Monaco ist unberechenbar

Läuft alles normal, wird Vettel am Sonntag diesen Makel löschen.

Er hat das aktuell beste Auto, zeigt Rennen für Rennen sein Ausnahmetalent und bewies beim Sieg in Barcelona seine außergewöhnlichen Kämpferqualitäten.

Und den technischen Hilfsmitteln, die beim Red Bull noch manchmal klemmen (wie das KERS oder der verstellbarer Heckflügel) kommt in den engen Straßen von Monte Carlo nicht die große Bedeutung zu. Dafür ist Monaco unberechenbar.

In den vergangenen zehn Jahren gab es neun verschiedene Sieger, selbst Michael Schumacher gewann während seiner dominantesten Zeit zwischen 2000 und 2004 nur einmal.

Forderung ans Team

Auch deswegen pusht Vettel immer weiter. Zufriedenheit will er nicht akzeptieren.

"Immer, wenn wir mehr Tempo von ihm gefordert haben, hat er es gebracht", sagte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko nach dem Spanien-Sieg (Bericht).

Nun fordert Vettel, dass es auch umgekehrt genauso läuft.

Keine Hilfe von Schumi

Dabei braucht er auch nicht die Hilfe von Rekordweltmeister Michael Schumacher, obwohl genau diese Hamilton laut englischen Medien unterstellt.

Als die beiden den Rekordweltmeister in Spanien gemeinsam überrundeten, soll Schumacher Vettel leichter vorbeigelassen haben - wegen der Freundschaft der beiden.

"Das muss ein Missverständnis sein", entgegnete Schumacher: "Es stimmt zwar, dass Sebastian und ich befreundet sind. Aber auf der Strecke mache ich keine Unterschiede oder fahre für oder gegen jemanden."

Hamiltons Team McLaren bestritt indes, dass er die Vorwurf so getätigt hat.

Ende der Wartezeit?

Denn mit einem Erfolg würde er nicht nur eine eigene Wartezeit beenden, sondern die aller Motorsportfans in Deutschland.

Seit Schumachers Erfolg 2001 und damit seit zehn Jahren hat nämlich kein Deutscher mehr das glamouröseste Autorennen der Welt gewonnen.

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