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Sergio Perez fuhr bei seinen fünf bisherigen Formel-1-Starts zwei WM-Punkte heraus © getty

Der Red-Bull-Star rast in der Quali zum Monaco-GP zur Bestzeit. Der Unfall von Sauber-Pilot Perez überschattet das Qualifying.

Monte Carlo - Ein schlimmer Unfall von Sergio Perez hat die erste Monaco-Pole von Weltmeister Sebastian Vettel überschattet (Zusammenfassung Qualifying, ab 17.30 Uhr im TV auf SPORT1) . Statt ausgiebiger Freude gab es viele nachdenkliche Gesichter.

Der Mexikaner Perez war rund zweieinhalb Minuten vor Ende der dritten und letzten Qualifikationsrunde beim Grand Prix in Monte Carlo (So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) mit mehr als 250 km/h in die Streckenbegrenzung geknallt, erlitt dabei aber laut einer Mitteilung seines Teams glücklicherweise nur eine Gehirnerschütterung und eine Oberschenkelprellung. (410947Bilder).

"Ich bin glücklich über das Ergebnis", sagte Vettel: "Aber das Wichtigste ist, dass Sergio bei Bewusstsein ist. Es wirft immer einen Schatten, wenn man sieht, dass einer der Kollegen aus dem Auto gezogen wird. Wir alle wünschen ihm das Beste. Oft kann man zwischen den Zeilen hören, das Fahren sei heutzutage zu einfach. Das heute war aber ein Weckruf, aus dem wir lernen sollten." (Qualifying: Die Zeiten im Überblick)

Nach Minuten ansprechbar

Auf Nachfrage per Boxenfunks, ob er okay sei, hatte Perez zunächst keine Antwort gegeben. Die Bergungsarbeiten wurden mit Sichtschutz-Tüchern vor den Blicken der Fans und den TV-Kameras geschützt.

Erst Minuten nach dem Unglück war Perez ansprechbar und klagte offenbar über Schmerzen im Bein und starke Kopfschmerzen. Er soll aber auf Fragen und Stimulation reagiert und im Krankenhaus bereits angekündigt haben, er wolle am Sonntag starten. Dies scheint jedoch illusorisch.

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Das Qualifying, in dem Vettel sich letztlich die fünfte Pole Position im sechsten Rennen sicherte, wurde für mehr als eine halbe Stunde unterbrochen. Perez' Fahrer-Kollegen saßen bis zur Wiederaufnahme mit starren Blicken rund eine Dreiviertelstunde in der Box in ihren Autos und verfolgten die Bergung über TV-Schirme. Perez' Vater Antonio stand mit vors Gesicht geschlagenen Händen in der Sauber-Garage.

Erinnerungen an Wendlinger-Crash

Der schlimme Unfall weckte Gedanken an den schweren Crash von Karl Wendlinger.

Der Österreicher war vor 17 Jahren an derselben Stelle in die Mauer gekracht und hatte danach wochenlang im Koma gelegen. Ein besonders schlimmes Deja-vu-Erlebnis muss dies für Teamchef Peter Sauber gewesen sein, denn auch Wendlinger war damals für den Rennstall des Schweizers gefahren.

"Ich freue mich, dass es Perez einigermaßen gut geht. Das ist die Hauptsache", sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn: "Beim letzten solchen Unfall hatte es noch ganz andere Konsequenzen gegeben."

Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner dachte sofort an Wendlinger und stellte erleichtert fest: "Die Formel 1 ist sicherer geworden. Das hat dafür gesorgt, dass die Auswirkungen nicht mehr so schlimm sind wie noch vor 15 Jahren."

Rosberg verunglückt an derselben Stelle

Im Moment des neuerlichen Unglücks wurde wieder einmal klar, welch großes Glück am Morgen Nico Rosberg hatte (BERICHT).

Der Deutsche, der im Fürstentum aufgewachsen ist und wohnt, war an derselben Stelle auf ähnliche Weise verunglückt. Auch Rosberg war ausgangs des Hafentunnels zunächst rechts gegen die Mauer geknallt, dann aber um wenige Zentimeter an der Begrenzungsmauer der Schikane vorbeigerutscht, in die der Mexikaner am Nachmittag nahezu ungebremst schleuderte.

"Das Wichtigste ist, dass Nico nichts passiert ist", hatte Mercedes-Sportchef Norbert Haug erklärt. Rosberg war dennoch sauer, der Wahl-Monegasse rannte gequält lächelnd und wortlos an den Reportern vorbei.

Der in seiner Heimat eigentlich als Geheimtipp gehandelte Rosberg konnte dank des vollen Einsatzes seines Teams am Mittag im Qualifying aber auf die Strecke gehen und sicherte Startplatz acht. "Es war eine Hammerleistung vom Team, das Auto wieder zusammenzubauen. Da war ja kein Rad mehr dran. Keiner war sauer, dass ich das Auto zerlegt habe, alle haben mir auf die Schultern geklopft", sagte Rosberg, der den Fehler auf seine Kappe nahm.

"Demonstration seiner Stärke"

Vettel nimmt die Jagd auf seinen ersten Monaco-Erfolg am Sonntag derweil standesgemäß von Platz eins auf. Mit seiner starken Bestzeit von 1:13,556 verwies er Jenson Button im McLaren und seinen Red-Bull-Kollegen Mark Webber auf die Plätze.

"Die Pole-Position ist gerade hier sehr wichtig", sagte er: "Aber eine Garantie für den Sieg ist sie nicht. In Monaco ist es immer ein bisschen auch ein Glücksspiel." Vettels schnellste Runde war aber kein Glück, sondern eine Demonstration seiner Stärke. "Sebastian war fantastisch. Eine solche Runde hatten wir nicht erwartet, sie war auf den Millimeter perfekt", sagte Horner.

Rekord-Weltmeister Michael Schumacher startet im Mercedes von Platz fünf hinter Vize-Weltmeister Fernando Alonso. "Michael hat einen klasse Job gemacht", sagte Haug. Adrian Sutil (Force India) und Nick Heidfeld (Renault) enttäuschten als 15. und 16.

Timo Glock startet im Virgin von Platz 21.

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