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Der Mexikaner Sergio Perez kam in diesem Jahr aus der GP2-Serie in die Formel 1 © imago

Der mexikanische Sauber-Pilot übersteht seinen Quali-Crash in Monaco erstaunlich glimpflich. Die Piloten fordern mehr Sicherheit.

Von Marc Ellerich

München - Die wichtigste Meldung des Tages erreichte die Formel 1 und all ihre vielen Beobachter am späten Samstagnachmittag gegen 17 Uhr.

Sauber-Pilot Sergio Perez habe seinen schweren Unfall im Qualifying zum Monaco-GP (So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) ohne "ernsthafte Verletzungen" überstanden, teilte sein Team mit.

"Eine Gehirnerschütterung und einen geprellten Oberschenkel" habe der 21 Jahre alte Rookie des schweizerischen Rennstalls bei seinem heftigen Unfall bei Tempo 270 ausgangs des Hafentunnels erlitten. (410947Bilder)

Nacht im Krankenhaus

Der Mexikaner verbrachte eine relativ ruhige Nacht im Hospital Princess Grace von Monaco und befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Nach einer weiteren Untersuchung am Sonntag sollte über seine Entlassung entschieden werden.. (Qualifying: Die Zeiten im Überblick)

Einen Start im Rennen verboten ihm die Ärzte. Aber auch der Pilot selbst soll diesen Wunsch geäußert haben.

Alles in allem erstaunlich gute Nachrichten angesichts der Bilder, die sich am Nachmittag geboten hatten.

Re-Start nach einer halben Stunde

Die versammelte Szene hatte nach Perez kapitalem Crash den Atem angehalten, zwei Minuten und 26 Sekunden vor dem Ende des Qualifyings, das in dem Moment, da der Mexikaner in seinem Auto seitlich in eine Barriere einschlug, Weltmeister Sebastian Vettel anführte.

Schnellster blieb er auch nach bangem Warten, der Bergung des Unglückspiloten und seines zerstörten Rennwagens und den folgenden Reparaturarbeiten. Nach etwa einer halben Stunde nahmen die Fahrer noch einmal ihre Arbeit auf, doch das veränderte nichts mehr.

[kaltura id="0_u5v0h994" class="full_size" title="Eine Runde in Monaco"]

Hamilton strafversetzt

Vettels Bestzeit von 1:13,556 Minuten hatte Bestand, die fünfte Pole-Position des Weltmeisters in diesem Jahr war unverrückbar. Platz zwei ging an McLaren-Pilot Jenson Button, Dritter wurde Vettels Teamkollege, Vorjahressieger Mark Webber.

Vettel wird damit acht Plätze vor seinem erbittersten Rivalen, McLaren-Pilot Lewis Hamilton starten, der wegen Abkürzens in einer Schikane um zwei Plätze strafversetzt wurde.

Rekord-Weltmeister Michael Schumacher blieb Fünfter. Er wusste, dass er von Perez' Unfall und der anschließenden Unterbrechung profitiert hatte. "Realistisch wäre Platz sieben gewesen", meinte der Mercedes-Pilot.

Rosberg crasht im Training

All das hatte zunächst keine größere Bedeutung mehr. Zwar waren bereits die ersten Nachrichten durchgesickert, der Mexikaner haben den Unfall letztlich glimpflich überstanden, aber Perez und sein schwerer Unfall blieben das Thema des Tages.

Das zusätzlich an Bedeutung gewann, weil vormittags, im Abschlusstraining, auch Mercedes-Pilot Nico Rosberg verunglückt war, ebenfalls ausgangs des Hafentunnels, mit enormem Tempo, allerdings mit mehr Glück als später Perez. Der junge Deutsche war haarscharf an der Barriere vorbei geschlittert, die der Kollege später voll traf. (BERICHT)

Diese Bilder und jene des Perez-Unfalls blieben in den Köpfen hängen. Noch am Nachmittag entbrannte in der Glamour-Metropole an der französischen Riviera eine Sicherheitsdebatte.

"Unfälle wie diese sind ein Weckruf", sagte Pole-Setter Vettel: "Wir müssen sicherstellen, dass wir daraus lernen, auch wenn wir für morgen wenig tun können. Die beste Nachricht ist, dass es Sergio gut geht und wir hoffentlich ein gutes und sicheres Rennen haben werden."

Rosberg: Barriere versetzen

Rosberg, morgens nach einem Fahrfehler einem schlimmeren Schicksal entgangen, forderte konkrete Veränderungen an der Strecke. "Ich hatte sehr viel Glück, dass ich die Barriere verfehlt habe", sagte er: "Die Barriere ist schon lange hier, hier ist schon viel passiert. Es sollte nicht allzu schwierig sein, sie aus dem Weg zu bekommen und 50 Meter nach hinten zu versetzen. Ich glaube, es ist die Zeit, das zu tun."

Der drittplatzierte Button erinnerte an den schweren Unfall des Österreichers Karl Wendlinger 1994 an derselben Stelle. Wendlinger, seinerzeit ausgerechnet in einem Sauber unterwegs, hatte anschließend wochenlang im Koma gelegen.

Und er selbst habe 2003 einen nahezu identischen Unfall am tückischen Tunnelende gehabt. "Die Sicherheit der Autos ist seit Karl Wendlingers Unfall dramatisch besser geworden. Und die Barriere ist seit meinem Unfall weiter nach hinten versetzt worden", sprach der Brite: "Aber es gibt Abschnitte, und dieser ist der wichtigste, von denen wir wollen, dass sie sicherer werden. Es gibt immer etwas, das wir tun können. Wir müssen uns hinsetzen und das für die Zukunft verbessern."

Button: Du wirst zum Passagier

Button schilderte die Probleme aus Rennfahrer-Sicht: "Das Heck wird an der Stelle sehr instabil, in diesem Jahr scheint das wegen des angeblasenen Diffusors (Abgase, die unter dem Auto ins Heck geleitet werden, d. Red.) noch mehr der Fall zu sein", berichtete Button: "Du wirst dort zum Passagier, es schleudert dich nach rechts und du verlierst die Bremsfähigkeit, so als ob du zwei Räder verlieren würdest."

Vettel berichtete von seiner Erleichterung, nachdem ihn positive Nachrichten über den Gesundheitszustand des Kollegen erreicht hatten. Zuvor habe er unruhig im Auto gewartet. "Du sitzt in deinem Rennwagen, fragst nach Informationen. Um ehrlich zu sein, es ist schwierig konzentriert zu bleiben. Du fühlst dich nicht wohl, wenn du nicht weißt, was los ist."

"Wie Roulette im Casino"

Über seinen ersten Startplatz verlor der Red-Bull-Star vergleichsweise wenige Worte. "Eine Sache, die unverändert gilt, ist, dass die Pole-Position hier sehr wichtig ist." Aber das Rennen sei sehr lang, "ein wenig wie Roulette im Casino". Vieles könne sich in den letzten Minuten verändern.

Es waren Worte, die Vettel so oder ähnlich schon öfter gesprochen hatte und die ein wenig nach Routine klangen an einem sehr aufreibenden Tag.

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