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Sebastian Vettel gewann zum ersten Mal in seiner Karriere den Grand Prix von Monaco © getty

Vettel gewinnt ein turbulentes Rennen in Monte Carlo. Petrov muss nach einem Crash in die Klinik. Hamilton spielt den Rambo.

Monte Carlo - Kumpelhaftes Abklatschen mit Fürst Albert, ein vorsichtiges Küsschen für dessen künftige Gattin Charlene.

Völlig entkräftet, aber im Stile eines Gentlemans hat Pokerface Sebastian Vettel seinen ersten Siegerpokal in der Fürstenloge von Monaco abgeholt.

Auf der Strecke hatte der Weltmeister in einem unvergesslichen und chaotischen Grand Prix von Monaco (Zusammenfassung ab 22.15 Uhr im TV auf SPORT1) noch mit Nerven aus Stahl geglänzt und sich bei der Taktik sogar den Anweisungen seines Teams widersetzt.

Als er nach seinem Premieren-Sieg im Spielerparadies ungewöhnlich ausgelassen den Sieger-Champagner aufs Team spritzte, hatte er die Herzen des Fürstenpaares schon erobert. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

"Ein verrücktes Hammer-Rennen"

Schmunzelnd beobachteten der fünfmalige Olympia-Teilnehmer im Bob und die ebenfalls olympia-erfahrene Ex-Schwimmerin den derzeit größten deutschen Sportstar, wie dieser den ersehnten Sieg im schillernsten Rennen (411278Bilder) der Welt feierte.

"Ich bin extrem glücklich und sehr sehr stolz, mich in Siegerliste hier eingetragen zu haben", sagte Vettel erleichtert: "Das war ein echt verrücktes Hammer-Rennen, es hat sich unendlich lange angefühlt. Aber am Ende war es ein perfekter Tag."

Vettel auf eigene Faust

Die letztlich wichtigste Entscheidung im chaotischen Pokerspiel traf der 23-Jährige auf eigene Faust.

"Als Jenson auf weichen Reifen Druck gemacht hat, wurde zwar reingerufen, aber ich habe gesagt, wir versuchen es und bin draußen geblieben", erzählte Vettel.

Neben seinem großen Kämpferherzen wohl der entscheidende Faktor für den ersten deutschen Sieg in Monaco seit Michael Schumacher 2001.

Rennen wird unterbrochen

Nach einem völlig missratenen Boxenstopp und einer Safety-Car-Phase zum ungünstigsten Zeitpunkt hatte der Heppenheimer die in dieser Rennphase eigentlich schnelleren Fernando Alonso im Ferrari und Jenson Button im McLaren-Mercedes erfolgreich hinter sich gehalten.

Nach einem Massencrash und einer Verletzung des Russen Witali Petrow wurde das Rennen sechs Runden vor Schluss unterbrochen, nach dem Neustart ließ sich Vettel den Sieg nicht mehr nehmen und verwies Alonso und Button auf die Plätze zwei und drei.

Hamilton außer Rand und Band

Nach der Ehrenrunde kletterte Vettel auf der Zielgeraden auf die Nase seines Autos und feierte mit seinen Mechanikern mit der La Ola den Triumph.

Mit 143 von 150 möglichen Punkten liegt Vettel in der Gesamtwertung meilenweit vor McLaren-Pilot Lewis Hamilton (85), dessen Rennen mit mehreren Kollisionen und einer Durchfahrtstrafe völlig verkorkst war.

[kaltura id="0_u5v0h994" class="full_size" title="Eine Runde in Monaco"]

Am Ende blieb für den Briten am "schlimmsten Wochenende meiner Karriere" nur der sechste Rang.

Entwarnung bei Petrow

Petrow war nach einem Unfall in der Schlussphase kurz bewusstlos, klagte über Schmerzen in den Beinen und konnte nicht selbst aus dem Auto steigen.

Nach ersten Aussagen erlitt er aber keine Knochenbrüche. Er wurde ebenso wie tags zuvor der Mexikaner Sergio Perez ins Krankenhaus gebracht.

Perez war bei einem Unfall im Qualifying mit einer Gehirnerschütterung und einer Oberschenkelprellung glimpflich davongekommen.

Schumi glücklos

Ein weiteres unglückliches Rennen erlebte Rekordweltmeister Michael Schumacher.

Durch einen verkorksten Start fiel er schon vom fünften auf den zehnten Rang zurück, nach knapp der Hälfte der Distanz war das Rennen wegen eines Feuers in der Airbox für ihn beendet.

Parken musste er sein Auto in der berühmten Rascasse-Kurve.

Im Gegensatz zu 2006, als er sein Auto im Qualifying dort querstellte und von der Pole Position auf den letzten Startplatz strafversetzt wurde, diesmal aber unfreiwillig.

Viel Prominenz auf den Rängen

Auch der in Monaco lebende Nico Rosberg im zweiten Silberpfeil blieb bei seinem Heimrennen als Elfter ohne Punkte.

Die holten dafür Adrian Sutil im Force-India-Mercedes als Siebter und Nick Heidfeld im Renault als Achter. Timo Glock schied nach nicht einmal der Hälfte des Rennens aus.

Vor den Augen zahlreicher Prominenter wie der deutschen Tennis-Ikone Boris Becker, dem früheren Spice-Girl Geri Halliwell, Sänger James Blunt oder Hollywood-Actionstar Jason Statham behauptete Vettel seine Führung bei Rennbeginn.

Red Bull verpatzt die Stopps

Vettel enteilte dem Feld sehr zügig, katastrophal verlief aber dann sein erster Stopp in Runde 17, der kurz zuvor an die Box gegangene Button lag plötzlich in Führung.

Auf den schnellen Supersoft-Reifen baute Button die Führung zunächst kontinuierlich aus, teilweise auf rund 15 Sekunden.

Noch schlimmer verlief der erste Stopp bei Webber, der schon nahezu alle Chancen auf eine Podiumsplatzierung einbüßte und am Ende lediglich Vierter wurde.

Ungünstige Safety-Car-Phase

Nach einem Intermezzo mit Hamilton verursachte Felipe Massa dann eine Safety-Car-Phase, die für Vettel nicht ungünstiger hätte kommen könnte.

Zwar lag der Deutsche beim Neustart minimal vor Button, dieser hatte allerdings schon den zweiten Stopp ablsoviert.

Pech: Der Weltmeister hatte offenbar eigentlich in die Box fahren wollen, die rote Flagge stoppte sein Vorhaben und zwang ihn zum Umdenken.

"Du musst ihn überholen"

Das Team ermutigte Vettel per Funk, er müsse Button zehn Runden hinter sich halten, dann würden dessen Reifen abbauen.

Sein Rivale erhielt vom McLaren-Kommandostand dagegen die Nachricht: "Tut uns leid, aber wenn du gewinnen willst, musst du ihn auf der Strecke überholen."

Furioses Finale

Gefährlich wurde nach Buttons nächsten Stopp plötzlich auch Alonso, der nur zwei Sekunden hinter Vettel auf Rang zwei lag.

Nachdem Button aufgeschlossen hatte, sahen die Zuschauer über fast 20 Runden einen atemberaubenden Dreikampf, in dem Vettel aber wie schon zuletzt in Barcelona gegen Hamilton die Nerven behielt.

In der Schlussphase lief das Trio auf einen großen Pulk Überrundeter auf, die Massenkarambolage mit zwischenzeitlichem Rennabbruch sorgte wieder für ein völlig neues Bild.

Die Teams durften Reifen wechseln, Vettel war sein entscheidendes Problem los.

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