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Sebastian Vettel hat in der WM 58 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton © getty

Sebastian Vettel entscheidet sich gegen sein Team und gewinnt in Monte Carlo mit einer hochriskanten Ein-Stopp-Strategie.

Von Marc Ellerich

München - Nach der Siegerehrung konnte Sebastian Vettel niemand mehr aufhalten, nicht einmal die monegassische Staatsgewalt.

Sobald er die große Schampusflasche in den Händen hielt, stürmte der Weltmeister wild den Champagner um sich spritzend vom Podium und machte vor nichts und niemandem Halt. Sogar ein Soldat der fürstlichen Ehrengarde musste dran glauben und wurde nassgespritzt. (411278Bilder)

So groß war die Freude über seinen ersten Sieg an der französischen Riviera (Zusammenfassung ab 22.15 Uhr im TV auf SPORT1), und irgendwo musste der viele Stress ja auch hin, den der junge deutsche Red-Bull-Star während der nervenaufreibenden 78 Runden hatte kontrollieren müssen. (BERICHT: Vettel siegt im Chaos-GP)

"Verrücktes Hammer-Rennen"

"Das war ein verrücktes Hammer-Rennen", jubelte Vettel nach seinem fünften Sieg im sechsten Grand Prix 2011: "Ich bin extrem glücklich und sehr, sehr stolz, mich in die Siegerliste eingetragen zu haben. Man hat ja heute gesehen, wie schwierig das hier ist." (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Ein Urteil, dem kaum jemand widersprechen wird. Nicht Ferrari-Star Fernando Alonso, der nur 1,1 Sekunden hinter dem Red-Bull-Piloten Zweiter wurde, und auch nicht Jenson Button, der zwischenzeitlich deutlich in Führung lag, seinen McLaren letztlich aber auf dem dritten Platz abstellte. (STIMMEN: "Ein Wochenende zum Vergessen")

[kaltura id="0_u5v0h994" class="full_size" title="Eine Runde in Monaco"]

Petrow crasht

Rekord-Weltmeister Michael Schumacher erst Recht nicht, der vor Vettel als letzter deutscher Fahrer in den engen Straßen der mondänen Mittelmeer-Metropole triumphiert hatte - vor nunmehr zehn Jahren.

Die Ausgabe 2011 konnte der deutsche Superstar nicht beenden. Nach 35 Runden versagte sein Mercedes den Dienst.

Aber das war nur ein Höhepunkt in einem Rennen, das mit ereignisreich nur unzureichend beschrieben wäre. Es gab viele Zwischenfälle, erbitterte Duelle und mehrere Kollisionen.

Zwei Mal rückte nach Unfällen das Safety Car aus. Sechs Runden vor Schluss wurde der Grand Prix vorübergehend sogar abgebrochen, weil der russische Lotus-Renault-Pilot Witali Petrow sich in einem spektakulären Massencrash verletzt hatte.

Vettel in Bedrängnis

Der Abbruch war wohl die rennentscheidende Szene, zumindest aus der Sicht des späteren Siegers. Zuvor war Vettel in arger Bedrängnis gewesen, rundenlang verfolgt vom Duo Alonso/Button, das sich den Deutschen für den finalen Hieb zurecht legen wollte.

Vettel, so schien es, musste fallen. Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren alle drei Fahrer auf harten Reifen unterwegs, Vettel allerdings schon seit der 16. Runde.

In der ersten Safety-Car-Phase nach 34 Runden (Felipe Massa war im Hafentunnel in die Leitplanke gerast) hatte der Weltmeister ganz bewusst auf einen Reifenwechsel verzichtet, Button und Alonso stoppten.

Eiskalte Kalkulation

Vettel dagegen entschied sich gegen die Anweisung seines Teams für eine hochriskante Ein-Stopp-Strategie. "Ich wurde zwar reingerufen, aber ich habe an die Box gefunkt und gesagt, ich will draußen bleiben, weil das die einzige Chance ist, das Rennen zu gewinnen."

Zu diesem Zeitpunkt kalkulierte der spätere König von Monaco eiskalt, wie er erläuterte. Er habe sich an ein Duell mit Felipe Massa zwei Jahre zuvor erinnert, so Vettel. "Auch damals waren meine Hinterreifen hinüber. Ich bin lange vor ihm geblieben, aber dann ist er vorbei gekommen. Doch ich habe daraus gelernt."

Vettel, der zu diesem Zeitpunkt 15 Sekunden hinter Button auf Platz zwei lag, entschied sich für den Monte-Carlo-Poker und blieb auf der Strecke. So kam er wieder am Engländer im McLaren vorbei. "Wir sind das Risiko eingegangen und belohnt worden", meinte er anschließend. Zwar sei es "immer enger und enger geworden. Klar, ich hatte mit meinen Reifen zu kämpfen, aber es hätte gereicht, glaube ich."

"Er war so weit weg"

Oder auch nicht, wie Vettel ehrlich einräumte. Wäre Massa nicht kollidiert, hätte er Button wohl nicht mehr eingeholt.

"Hätte es das Safety Car nicht gegeben, wäre es wohl schwierig geworden, Jenson zu schlagen. Er war so weit weg." Aber es gab die erste Safety-Car-Phase, die Vettel wieder zur Führung verhalf. Und es gab die zweite, die letztlich seinen hoch gefährdeten Sieg rettete.

Auf den neuen, superweichen Reifen, die Vettel während der Unterbrechung nach dem Petrow-Crash aufziehen ließ, konnten weder Alonso noch Button ihren Vordermann gefährden.

Button: Nichts falsch gemacht

Das Verfolger-Duo haderte später mit den Safety-Car-Phasen - Button mit der ersten, Alonso mit der zweiten.

"In der ersten Safety-Car-Phase haben wir eine Position gut gemacht, weil wir Jenson überholen konnten und dann Zweiter waren", analysierte Alonso: "Aber den Sieg haben wir wohl verloren, als das Rennen unterbrochen wurde."

Button ärgerte sich ebenfalls, nahm die Niederlage aber sportlich. "Es ist kein schlechtes Resultat, aber wir haben natürlich auf viel mehr gehofft", meinte der Engländer: "Es ist heute einfach nicht für uns gelaufen. Es ist enttäuschend, weil wir nichts falsch gemacht haben."

58 Punkte Vorsprung

So bleiben die Verhältnisse in der Formel 1 2011 unverändert. Vettel ist für seine Konkurrenten derzeit nicht zu greifen. 58 Punkte Vorsprung hat er in den WM mittlerweile auf Verfolger Lewis Hamilton.

Und derzeit, so scheint es gar, stellt für den Weltmeister sogar das Unmögliche keine Hürde dar. "Eigentlich war es nicht möglich, das Rennen mit nur einem Stopp durchzufahren", meinte der Serien-Sieger offenherzig. Wer wollte ihm widersprechen?

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