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Sebastian Vettel hat in der WM 58 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton © getty

Ist Monaco-Sieger Sebastian Vettel der WM-Titel noch zu nehmen? Alonso streckt die Waffen, der Weltmeister bleibt vorsichtig.

Von Marc Ellerich

München - So mutig Sebastian Vettel mit seiner hochriskanten Ein-Stopp-Strategie im Chaos-Grand-Prix von Monte Carlo gewesen war, so vorsichtig blieb der frisch gekrönte König von Monaco nach seinem Triumph. (411278Bilder)

Wer von den Konkurrenten ihn denn noch stoppen könne im weiteren Saisonverlauf, der noch mindestens 13 Grands Prix ausweist? (Vettel: Es war eigentlich unmöglich)

Die Antwort des Red-Bull-Weltmeister, der mittlerweile fünf von sechs Rennen als Schnellster beendet hat, zudem fünf Mal vom ersten Startplatz aus, war an Langeweile kaum zu überbieten. "Das ist noch ein langer Weg", sprach er: "Letztes Jahr hat man gesehen, was im Verlauf einer Saison alles passieren kann. Ich nehme es Rennen für Rennen." (BERICHT: Vettel siegt im Chaos-GP)

Alonso: "WM fast gewonnen"

So lautet mittlerweile Vettels Standardantwort auf die W-Frage, die ihm nun nach jedem Rennsieg 2011 gestellt wird. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Die Konkurrenz sieht das - zumindest öffentlich - völlig anders. Ferrari-Star Fernando Alonso, der dem Sieger bis zum Rennabbruch mit anschließendem Neustart am nächsten gekommen war und schließlich Zweiter wurde, geht davon aus, dass sein deutscher Konkurrent den zweiten Titel so gut wie in der Tasche hat.

"In den letzten Jahren hat man gesehen, dass du die WM fast gewonnen hast, wenn du fünf oder sechs Grands Prix gewonnen hast", meinte der Weltmeister der Jahre 2005 und 2006. (DATENCENTER: WM-Stand)

[kaltura id="0_u5v0h994" class="full_size" title="Eine Runde in Monaco"]

Vettel "fantastisch"

Die Statistik gibt dem Spanier Recht. Noch nie verspielte ein Pilot, der die ersten fünf Rennen gewonnen hatte, anschließend den Titel. Allerdings gilt diese Rechnung nur für die "alte" Formel 1.

2010 führte der Weltverband FIA ein neues Punktesystem ein. Auch die Zahl der Grands Prix hat in den vergangenen Jahren wieder zugenommen (zuletzt waren 2005 19 Grands Prix zu fahren).

Vettels Leistung im ersten Saisondrittel nannte der Pilot aus Oviedo schlichtweg "fantastisch". (STIMMEN: "Ein Wochenende zum Vergessen")

"Im Moment ist das unmöglich"

Alonso erinnerte an Jenson Buttons Titelgewinn 2009. Der damalige Brawn-Pilot hatte vor zwei Jahren ebenfalls fünf Siege in den ersten sechs Saisonrennen gefeiert.

"Jenson war vor ein paar Jahren in derselben Situation und wir kennen sein Ergebnis: Er hat die Weltmeisterschaft gewonnen."

Er selbst könne Vettel derzeit wohl nicht gefährlich werden. Um die gewaltige 78-Punkte-Lücke zum Deutschen zu schließen, müsste Alonso die nächsten drei Grands Prix gewinnen und Vettel komplett leer ausgehen. "Im Moment ist das unmöglich", urteilte der Spanier: "Die Distanz ist zu groß. Wir müssen realistisch sein und in Kanada und Valencia um eine Podiumsplatzierung kämpfen. Siege sind wohl zu optimistisch."

Button: Gewaltig

Button, Vettels zweiter Verfolger in Monaco und letztlich Dritter, wollte dem Deutschen dagegen noch nicht zum Titelgewinn gratulieren.

Vettels Führung nannte der McLaren-Star "gewaltig". Vettel sei "sehr schnell in einem sehr schnellen Auto und erledigt seinen Job".

Über den Titel brauche der junge Weltmeister derzeit nicht nachzudenken, meinte Button: "Aber ich wünschte mir, er würde es tun, weil er dann Fehler machen würde. Im Moment sieht es aber nicht danach aus."

"Wir können um Siege kämpfen"

Anders als Alonso sieht der Ex-Champion durchaus die Chance, seinem jüngeren Widersacher das Leben schwer zu machen. "Im Qualifying gibt es eine große Lücke, aber ganz offensichtlich ist das Qualifying nicht alles, besonders in diesem Jahr. Beim Renntempo sind wir nah dran. Die tolle Sache ist: Wir können um Siege kämpfen", sagte Button.

Und Lewis Hamilton, Buttons englischer Kollege, der sich vor dem Monte-Carlo-Rennen als Einziger auf Augenhöhe mit dem Deutschen sah?

Der Weltmeister von 2008 hatte nach einem katastrophalen Wochenende mit Kollision, Bestrafungen und viel Zank erst einmal mit seiner Frustbewältigung zu tun.

"Es ist wahrscheinlich das schlechteste Wochenende, das ich je hatte", sagte der McLaren-Fahrer: "Ich versuche jetzt mal, meinen Mund zu halten und die restliche Saison zu genießen, die sicherlich interessant werden wird. Aber man sieht, dass sich Vettel auf und davon macht."

Horner: Punktesystem trügerisch

Vettels Red-Bull-Team übrigens zieht sich bei Nachfragen auf eine ähnliche Strategie zurück, wie sein gefeierter Star.

"Die Dinge können sich sehr, sehr schnell verändern", rechnete Teamchef Christian Horner im Fürstentum vor: "Sebastian hat einen schönen Vorsprung. Aber das neue Punktesystem ist trügerisch. Nach dem alten System betrüge seine jetzige 58-Punkte-Führung lediglich zwanzig Zähler. Das sind etwas mehr als zwei Rennsiege."

Horner sprach von einem "phänomenalen Start ins Jahr", Vettel sei nur sieben Punkte von der möglichen Maximalausbeute entfernt.

Aber, so der Teamchef: "Jenson war sehr schnell, Lewis war es letzte Woche, und Fernando war erneut stark. Wir können nichts als selbstverständlich ansehen."

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