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Der Grand Prix von Bahrain wurde 2004 in den Rennkalender der Formel 1 aufgenommen © getty

Bahrain, ja oder nein? Ob das Rennen im politisch zerstrittenen Königreich nachgeholt werden soll, ist heftig umstritten.

Köln - Bahrain, ja oder nein? Die Frage, ob die Formel 1 nachträglich ihr Rennen im politisch zerstrittenen Königreich austragen sollte, sorgt kurz vor der Entscheidung für heftige Diskussionen.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist dafür, Menschenrechtler sind dagegen. Teams und Fahrer wollen nicht, enthalten sich aber diplomatisch, Experten sind unschlüssig. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Ecclestone erklärte bereits, er sehe lediglich ein Datumsproblem, kein politisches. "Es gibt dort viele nette Leute", meinte er: "Wir hätten keine Schwierigkeiten."

Die hätten die Teams und die Piloten sehr wohl - auch, aber nicht nur wegen der wohl nötigen Verlängerung der Saison, schlimmstenfalls bis zum 3. Advent.

Brawn: "Nicht akzeptabel"

"Es wird zu viel", sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn: "Unsere Jungs arbeiten seit Januar und hätten dann bis Weihnachten keine Zeit für Urlaub. Das ist nicht akzeptabel."

Einen Einfluss auf die Entscheidung haben die Teams nicht, da sie sich schriftlich verpflichtet haben, an der gesamten im Kalender aufgeführten Saison teilzunehmen.

"Wir haben aber das Recht, unsere Meinung zu sagen", meinte Brawn.

Whitmarsh zurückhaltend

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh gab sich bei diesem Thema zumindest öffentlich vorsichtiger.

Ein Termin im Dezember sei "hart für die Teams, aber möglich ist alles", sagte der Brite: "Die Teams entscheiden in dieser Frage nicht. Wir fahren, wann und wo wir sollen."

Entscheidung in Kürze

Bis Freitag will der Automobil-Weltverband FIA eine Entscheidung fällen, ob und, wenn ja, wann das für ursprünglich für den 13. März geplante und wegen der politischen Unruhen abgesagte Rennen nachholt wird.

Eine schwierige Entscheidung, denn Alltag ist in Bahrain längst nicht eingekehrt. Am Mittwoch endet offiziell der Ausnahmezustand, angeblich sitzt ein Viertel der Streckenmitarbeiter im Gefängnis.

HRW fordert Absage

Das Problem: Egal, wie die Entscheidung ausfällt, sie wird irgendwie auch als politisches Votum gelten.

Deswegen hat die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in einem Brief an die FIA und alle Teams dringend dazu aufgefordert, das Rennen nicht neu anzusetzen.

Angesichts des Ausmaßes der Menschenrechtsverletzungen sollten die internationalen Rennfunktionäre "darüber nachdenken, ob es wirklich angemessen wäre, dieses Jahr ein Formel-1-Event in Bahrain abzuhalten", hieß es.

Und weiter: "Es gibt kaum einen Anlass, daran zu glauben, dass das Ende des Ausnahmezustands am 1. Juni für das bedrohliche menschenrechtliche Klima in Bahrain einen großen Unterschied machen wird."

"Ethisch-moralisch kein Problem"

Der Sport dürfe aber auch nicht zu politisch werden, mahnen viele.

"Ethisch-moralisch hätte ich kein Problem", sagte TV-Experte Christian Danner: "Sonst dürften wir auch nicht nach Malaysia, wo bekennende Homosexuelle ins Gefängnis müssen, oder nach China, wo es unzählige Menschenrechtsverletzung gibt. Der Sport ist eher ein Mittel zur politischen Entspannung, das hat er mehrfach bewiesen."

Logistisch sieht aber auch Danner Probleme: "Am 3. Advent das letzte Rennen zu fahren, muss nicht sein."

Vor allem, wenn die Titel-Entscheidung - und dies ist angesichts von Sebastian Vettels Dominanz zu erwarten - längst gefallen sein sollte.

Verschiebt sich die Indien-Premiere?

Als Termin für Bahrain wäre nach jetzigem Stand übrigens der 30. Oktober vorgesehen.

Die für dieses Datum vorgesehene Indien-Premiere würde dann hinter das eigentlich geplante Saisonende (27. November in Sao Paulo) rücken.

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