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Alonso (r.) und Vettel belegte im letzten Jahr die Plätze eins und zwei der WM-Wertung © imago

Wer ist der beste Fahrer? Vettel dominiert, Alonso brilliert auf unterlegenem Material. Hamilton hat seinen eigen Favoriten.

Von Olaf Mehlhose

München - Die Frage stellt sich immer wieder, und jedesmal ist sie schwer zu beantworten: Wer ist der beste Fahrer in der Formel 1?

Einer, der vielleicht Licht ins Dunkel bringen könnte, ist Marc Gene. Als Testfahrer bei Williams und Ferrari verbrachte der Spanier einen Großteil seiner langen Karriere Seite an Seite mit den Größen seiner Zunft. (KOLUMNE: Peters Pitstop)

Vor allem Fernando Alonso, sein jetziger Kollege beim Traditions-Team aus Maranello, hat einen bleibenden Eindruck auf den 36-fachen Grand-Prix-Teilnehmer hinterlassen.

"Ich habe mit Weltmeistern wie Schumacher, Villeneuve und Räikkönen zusammengearbeitet, und Fernando ist derjenige, der mich am meisten beeindruckt", sagte Gene bei "El Mundo": "Bevor er zu Ferrari kam, hatte ich große Erwartungen. Jetzt kann ich sagen, dass er meine Erwartungen übertroffen hat."

Gleiches Material wie Massa

Darüber hinaus widersprach der 37-Jährige der weitläufigen Ansicht, dass Premium-Material beim Rennstall aus Maranello einzig für den Doppel-Weltmeister reserviert sei.

"Ich kann zu 100 Prozent bestätigen, dass beide, sowohl Felipe, als auch Fernando, das gleiche Material zur Verfügung haben", erklärte Gene: "Wenn Fernandos Resultate besser waren, liegt das daran, dass er auf einem sehr hohen Level ist."

Wie hoch genau, dazu äußerte sich der Ferrari-Angestellte nicht. Dass sein Landsmann für ihn der Top-Fahrer in der Formel 1 ist, scheint jedoch unbestritten.

Dominant wie Vettel

Bei einem genaueren Blick auf Alonsos bisherige Resultate erscheint die aktuelle Saison tatsächlich äußerst eindrucksvoll.

In den bisherigen sechs WM-Läufen hat er bereits 45 Punkte mehr gesammelt als sein Teamkollege. In den Quali-Duellen weist er die perfekte Bilanz von 6:0 Siegen auf. ( SERVICE: Quali-Duelle)

Ähnlich deutlich dominiert bei den Spitzenteams ansonsten nur Sebastian Vettel. (DATENCENTER: WM-Stand)

Hamilton unentschieden

Die Frage, welcher der beiden Piloten im Augenblick der bessere Fahrer ist, lässt sich indes schwer beantworten.

Die Zahlen sprechen im Moment für Weltmeister Vettel. Fakt ist aber auch: Alonso bricht in einem unterlegenem Auto regelmäßig in die Phalanx der am besten ausgerüsteten Teams ein.

McLaren-Star Lewis Hamilton wollte sich zumindest auf keinen der beiden festlegen.

Natürlich halte er sich für den besten Fahrer, meinte der Brite bei "El Pais", von den anderen Piloten seien es aber Alonso, Vettel und Rosberg - wobei Vettel auch von seinem guten Auto profitiere.

"Die blutigsten Zweikämpfe"

Etwas überraschend sprach der Weltmeister von 2008 dabei in höchsten Tönen von seinem einstigen Erzrivalen.

"Fernando zählt zu den Besten in der Formel 1", lobe der 26-Jährige: "Seine Situation bei Ferrari ist einzigartig. Er ist sehr talentiert und hat die volle Unterstützung seines Teams. Er gibt die Richtung vor. Ich sage nicht, dass es gut oder schlecht ist, es ist der Weg, den sie gewählt haben."

Die Duelle mit Alonso hätten entscheidenden Einfluss auf den weiteren Verlauf seiner Karriere gehabt, betonte Hamilton: "Er hat mich in meiner Karriere am meisten geprägt, wir hatten die blutigsten und intensivsten Zweikämpfe auf der Strecke. Er spielt für mich die gleiche Rolle, die Schumacher für ihn gespielt hat."

Auf Schumis Spuren?

Was Alonso im Moment noch mit Schumi verbindet, ist, dass er nach zwei WM-Siegen mit Benetton vier titellose Jahre (2007 - 2010) hinnehmen musste.

Diese Scharte (1996 - 1999) wetzte der 42-Jährige Mecedes-Pilot allerdings durch fünf weitere Weltmeisterschaften mit der Scuderia mehr als aus.

Demnach müsste der 29-Jährige in diesem Jahr die WM gewinnen, um weiterhin mit seinem Vorbild Schritt zu halten.

Eins scheint zumindest klar: Kampflos wird sich Alonso von seinem großen Traum nicht verabschieden.

Knackpunkt Silverstone

"Der Abstand wird von Mal zu Mal größer - wir können rechnen, aber es ist weder meine Art noch die von Ferrari, das Handtuch zu werfen", sagte der 26-malige Grand-Prix-Sieger und relativierte damit jene Kommentare, die ihm nach dem Monaco-GP als ein Aufgeben im Titelkampf ausgelegt worden waren. (Alonso verneigt sich vor Vettel)

Knackpunkt sei der Grand Prix von Silverstone eine Strecke, die viel aerodynamischen Abtrieb erfordere: "Dort werden wir wirklich sehen, in welche Richtung die Saison gehen wird."(DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Iley vor der Rückkehr?

Dazu passen die Gerüchte, dass der ehemalige Aerodynamik-Chef John Iley nach Informationen von "Autosprint" vor einer Rückkehr zur Scuderia steht.

Kurios: Erst 2009 hatte Ferrari Iley noch wegen der schwachen Performance des F60 gefeuert.

Der Brite soll dazu beitragen, die Schwachstelle in der Aerodynamik zu beheben und den F150 Italia spätestens bis zum Großen Preis von Großbritannien auf Red-Bull-Niveau zu bringen.

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