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Seit 2004 trägt die FIA Formel-1-Rennen in Bahrain aus © getty

Der Weltverband will das im März abgesagte Rennen von Bahrain nachholen. Dagegen protestieren Menschenrechtsorganisationen.

München - Die FIA schickt die Formel 1 nun doch in die Wüste. Das am 13. März wegen der blutigen Unruhen im Königreich Bahrain abgesagte WM-Rennen wird nun am 30. Oktober nachgeholt. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Dies gab die FIA am Freitagnachmittag offiziell bekannt. Der für diesen Termin angesetzte Große Preis von Indien wurde an das Saisonende verschoben.

Ein genauer Termin steht noch nicht fest, denkbar sind der 4. oder der 11. Dezember. Als letzter WM-Lauf steht bislang der Große Preis von Brasilien am 27. November in Sao Paulo im Kalender.

Ecclestone zögerte Beschluss hinaus

Die ursprüngliche Deadline für eine Entscheidung war schon am 1. Mai abgelaufen.

Der mächtige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte zuletzt aber gefordert, "noch ein bisschen abzuwarten, um genau zu sehen, welche Fortschritte im Land gemacht werden".

Zuletzt hatten sich Menschenrechtler gegen eine Austragung des Rennens ausgesprochen. (KOLUMNE: Peters Pitstop)

Bahrain sagt Danke

"Im Namen von Bahrain danke ich Bernie Ecclestone, Jean Todt, der FIA und dem Rest der Motorsport-Gemeinde für die Unterstützung, die wir in diesem Jahr erhalten haben", erklärte Bahrains Streckenchef Zayed R. Alzayani.

In der hitzigen Diskussion um die Austragung in Bahrain hatten sich zuletzt mehrere Lager gebildet. Bernie Ecclestone war dafür, Menschenrechtler dagegen.

Teams und Fahrer wollten nicht, enthielten sich aber diplomatisch, Experten waren sich unschlüssig.

Ecclestone hatte dazu erklärt, er sehe lediglich ein Datumsproblem, kein politisches. "Es gibt dort viele nette Leute", meinte er: "Wir hätten keine Schwierigkeiten."

Brawn stöhnt über kurze Pause

Die Teams und die Piloten stehen nun vor einer schwierigen Aufgabe.

Wahrscheinlich wird das Rennen am 11. Dezember ausgetragen, zwei Wochen nach Sao Paulo.

"Es wird zu viel", begründete Mercedes-Teamchef Ross Brawn seine ablehnende Haltung: "Unsere Jungs arbeiten seit Januar und hätten dann bis Weihnachten keine Zeit für Urlaub. Das ist nicht akzeptabel."

Teams ohne Einfluss

Einen Einfluss auf die Entscheidung hatten die Teams nicht, da sie sich schriftlich verpflichtet haben, an der gesamten im Kalender aufgeführten Saison teilzunehmen. "Wir haben aber das Recht, unsere Meinung zu sagen", meinte Brawn.

Auch McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh klagte. Ein Termin im Dezember sei "hart für die Teams, aber möglich ist alles", sagte er, "die Teams entscheiden in dieser Frage nicht. Wir fahren, wann und wo wir sollen."

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Polizei sichert die Straßen

Die Entscheidung um das Nachholen des Rennens in Bahrain war eine schwierige, denn Alltag ist dort längst nicht eingekehrt. (DATENCENTER: WM-Stand)

Am Mittwoch endete offiziell der Ausnahmezustand, angeblich sitzt ein Viertel der Streckenmitarbeiter im Gefängnis.

Am Donnerstag sicherte ein großes Polizeiaufgebot die Straßen in Manama.

Kundgebungen gegen das Königshaus sollten auch mit Blick auf die FIA-Entscheidung unter allen Umständen unterbunden werden.

Menschenrechtler protestieren

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte in einem Brief an die FIA und alle Teams dringend dazu aufgefordert, das Rennen nicht neu anzusetzen.

Angesichts des Ausmaßes der Menschenrechtsverletzungen sollten die internationalen Rennfunktionäre "darüber nachdenken, ob es wirklich angemessen wäre, dieses Jahr ein Formel-1-Event in Bahrain abzuhalten", hieß es:

"Es gibt kaum einen Anlass, daran zu glauben, dass das Ende des Ausnahmezustands am 1. Juni für das bedrohliche menschenrechtliche Klima in Bahrain einen großen Unterschied machen wird."

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