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Der Grand Prix von Bahrain soll am 30. Oktober 2011 nachgeholt werden © getty

Max Mosley kritisiert die Entscheidung der FIA, den Bahrain-GP nachzuholen. Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen.

Von Olaf Mehlhose

München - Mit der Entscheidung, den Grand Prix von Bahrain gegen den Widerstand einiger Teams wieder in den Rennkalender aufzunehmen, hat die FIA großen Unmut auf sich gezogen. (Trotz Widerstand: FIA setzt Bahrain-Termin fest)

Die Teams haben zwar eine vertragliche Verpflichtung unterschrieben, an allen Saisonrennen teilzunehmen, doch das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen.

"Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis. Wir werden innerhalb der FOTA darüber sprechen, und danach könnte es eine detailliertere Stellungnahme geben", hielt sich Renault-Teamchef Eric Boullier zunächst noch bedeckt.

Mark Webber wird da schon konkreter, der Red-Bull-Pilot zweifelt weiterhin daran, dass das Rennen tatsächlich über die Bühne geht. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

"Meine Meinung hat sich nicht geändert, seit ich Ende Februar zum ersten Mal dazu gefragt wurde. Auch wenn jetzt eine Entscheidung getroffen wurde, wäre ich sehr überrascht, wenn der Bahrain-Grand-Prix in diesem Jahr stattfinden würde", sagte der Australier.

Und der 34-Jährige ist nicht der Einzige, dem die Neuansetzung bitter aufstößt, auch von Menschenrechtsorganisationen wird die Entscheidung heftig kritisiert.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht des bahrainischen Volkes", sagt Alex Wilks, der im Internet zu einem Boykott des Grand Prix aufgerufen hat, an dem sich bereits hunderttausende Menschen beteiligen, unter anderem Ex Weltmeister Damon Hill.

"Hoher Preis"

Max Mosley, der ehemalige Boss der FIA, warnt vor einem großen Imageschaden für die Formel 1.

"Nach den fürchterlichen Ereignissen der vergangenen Monate, versucht die Regierung, ihr Image aufzupolieren. Durch die Austragung des Grand Prix hofft sie der Welt zu zeigen, dass es sich nur um kurzfristige Schwierigkeiten gehandelt hat und alles wieder normal ist", erklärte Mosley: dem "Telegraph": "Die Entscheidung, dass Rennen auszutragen, ist ein Fehler, für den - sollte er nicht korrigiert werden - die Formel 1 einen hohen Preis zahlen wird."

Doch der Imageverlust ist bei weitem nicht der einzige Grund, warum die Austragung des Rennens weiterhin in den Sternen steht.

Eine Analyse des "Guardian" beleuchtet dringliche Probleme.

Sicherheit:

Der wichtigste Punkt für Teams und Fahrer ist, dass sowohl FIA als auch die Regierung von Bahrain eine risikofreie Durchführung des Rennwochenendes garantieren.

Die Teams müssen die absolute Sicherheit haben, dass ihr Personal in keinster Weise gefährdet ist - und zwar vor, während und nach dem Rennen.

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Die Bedenken der Piloten sollten ebenfalls ernst genommen werden. Der Widerstand gegen eine Neuansetzung des Bahrain-GP ist im Fahrerlager groß.

Eric Boullier (Teamchef von Lotus Renault): "Wir gehen gerne nach Bahrain, solange unsere Sicherheit und die Sicherheit der Menschen, die dort leben, garantiert sind."

Versicherung

Viel wird auch davon abhängen, welche Empfehlung die jeweiligen Regierungen für Reisen in den Golfstaat aussprechen werden. Sollte von einer Einreise abgeraten werden, sind die Teams nicht versichert und müssen für alle anfallenden Schäden selbst aufkommen.

Sollte Bahrain aber als lediglich bedenklich heruntergestuft werden, würde für die Rennställe Versicherungsschutz bestehen. Im Moment besteht allerdings noch die Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amtes der Commonwealth-Staaten, die von allen Reisen in den Inselstaat abrät.

Sollte diese Empfehlung bis zur Austragung des Grand Prix fortdauern, hätten die Teams einen gültigen Grund ihre Teilnahme abzusagen.

Bernie Ecclestone (Formel-1-Boss): "Wir müssen abwarten, was in Bahrain passiert. Wenn die Lage friedlich ist und es keine Probleme gibt, besteht für die Teams kein Grund zur Sorge."

Personal

Normalerweise haben alle Mitarbeiter ein Anrecht auf mindestens 20 Tage Jahresurlaub. Sollte Bahrain den Indien-GP ersetzen wäre dies nicht möglich, da das Personal mindestens bis zum 15. Dezember eingespannt wäre. (BERICHT: Adventsfinale in der Formel 1)

Den Teams bliebe einzig die Option, die zu viel geleisteten Tage zu entlohnen. Die nicht genutzten Urlaubstage im Januar zur Verfügung zu stellen, ist nahezu unmöglich, da sich das neue Auto zu diesem Zeitpunkt bereits in der Konstruktion befindet.

In der heißen Entwicklungsphase auf essentiell wichtiges Personal zu verzichten, könnte die gesamte Saison 2012 gefährden.

Ross Brawn (Teamchef Mercedes-GP): "Unsere Jungs arbeiten seit Januar und hätten dann bis Weihnachten keine Zeit für Urlaub. Das ist nicht akzeptabel."

Logistik

Die Autos nach Bahrain zu verfrachten, sollte das kleinere Problem sein. Schwieriger wird die Abfertigung der Teams und ihrer Angestellten. Schon die kleineren Rennställe fahren mit etwa 75 Mitarbeitern zu den Rennen, bei den größeren beträgt die Anzahl das Doppelte.

Insgesamt dürfte der Formel-1-Tross rund 3.500 Menschen in den Golfstaat bringen, für alle werden Flüge und Unterkünfte benötigt. Auch wenn dies das kleinste Probleme ist, werden die Teams es sicherlich ansprechen.

Absage der Teams

Sollten sich die Teams gemeinsam dazu entscheiden, nicht am Rennen in Bahrain teilzunehmen, dürften sie mit großer öffentlicher Unterstützung rechnen.

Darüber hinaus könnten die Teams ihre Verhandlungsposition vor der Neuverhandlung der Concorde Vereinbarung stärken, sollten sie als Einheit auftreten.

Doch ein Machtkampf mit Bernie Ecclestone und der FIA birgt auch Risiken. Sich den vertraglich festgelegten Verpflichtungen zu entziehen, könnte Strafen in Millionenhöhe zur Folge haben.

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