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Bernie Ecclestone ist der Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC © getty

Bernie Ecclestone will den Bahrain-GP ans Ende der Saison verlegen - oder ganz absagen. Auch FIA-Boss Todt kommt ins Grübeln.

Von Olaf Mehlhose

München - Die "Causa Bahrain" sorgt in der Formel 1 weiter für Wirbel.

Nach heftiger Kritik an der FIA-Entscheidung, den Grand Prix wieder in den Rennkalender aufzunehmen, hat nun auch Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone eine Kehrtwende vollzogen. (Trotz Widerstand: FIA setzt Bahrain-Termin fest)

Der 80-Jährige, der bisher als einer der großen Befürworter des Rennens im Golfstaat galt, regte an, die Austragung auf das Ende der Saison zu verlegen.

"Am besten schieben wir Bahrain auf das Ende der Saison und, wenn es sicher und in Ordnung ist, dann gehen wir hin. Wenn nicht, dann gehen wir nicht und es gibt keine Probleme", erklärte der Brite. (BERICHT: Adventsfinale in der Formel 1)

Schwierigkeiten bei Verschiebung

Ob eine Verschiebung allerdings so einfach über die Bühne gehen würde, wie es sich "Big Bernie" vorstellt, bleibt abzuwarten.

Sollte die WM wie in der vergangenen Saison bis zum letzten Rennen offenbleiben, würden die benachteiligten Teams mit Sicherheit gegen eine kurzfristige Absage des Grand Prix protestieren.

"Keine Ahnung, was passiert"

Doch damit wollte sich der F-1-Boss im Moment noch nicht befasen. Dass er und die Teams Bedenken in punkto Sicherheit haben, soll der Milliadär schon auf der Sitzung der FIA kundgetan haben.

Tatsache sei, dass "wir keine Ahnung haben, was passiert", wird Ecclestone vom "Daily Telegraph" zitiert: "Wir haben uns den Bericht der FIA angehört und darin hieß es, dass es in Bahrain überhaupt keine Probleme gibt. Ich höre aber etwas anderes und denke, dass wir vorsichtig sein sollten."

Offenbar hat er die Teams in einem Brief bereits zum Protest gegen den FIA-Beschluss aufgefordert.

"Wir können den Termin am 30. Oktober via Faxabstimmung ändern, falls notwendig. Das würde schnell gehen", betonte Sir Bernie.

Bekommt Todt Zweifel?

Auch FIA-Boss Jean Todt scheinen langsam Zweifel an der Entscheidung zu kommen. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

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"Wenn wir klare Beweise haben, dass die Situation riskant ist, dann werden wir das natürlich in Betracht ziehen", deutete der 65-jährige Franzose gegenüber der "BBC" an.

Todts Vorgänger Max Mosley hatte, nachdem der Nachholtermin für den Bahrain-GP bekannt geworden war, bereits vor einem großen Imageschaden für die Formel 1 (Bericht) gewarnt.

Jetzt legt der ehemalige Chef der FIA nach: "Es gibt nicht die geringste Chance, dass Bahrain stattfindet."

Englische Regierung rät ab

Überraschend käme ein Zurückrudern der Formel-1-Bosse jedenfalls nicht.

Wegen massiver Sicherheitsbedenken hat nun sogar die britische Regierung vor dem Nachholen des Grand Prix gewarnt.

Sportminister Hugh Robertson mahnte, dass aufgrund der zu erwartenden Proteste am Rande der Veranstaltung immer die Gefahr bestehe, dass das Rennen in einem "Desaster" ende.

Darüber hinaus dürfe es nicht sein, dass die Politik auf den Sport einwirke.

Reine Profigier

Nabeel Rajap, der Präsident des Zentrums für Menschenrechte in Bahrain, warnte ebenfalls davor, an der Entscheidung der FIA festzuhalten.

"Die Menschen sind erschüttert und haben am Renntag zum Tag des Zorns aufgerufen, um in jeder Stadt Bahrains ihren Ärger über das Vorgehen der Regierung kundzutun", sagte Rajap.

Die Entscheidung des Automobilverbands könne er sich nur mit reiner Profitgier erklären: "Es ist sehr traurig zu hören, dass wirtschaftliche Interessen einen höheren Stellenwert haben als die Menschenrechte in dieser Region."

"Alle wollen Sicherheit"

Auch im Fahrerlager ist die Austragung des Bahrain-GP weiterhin ein heiß diskutiertes Thema.

"Alle Fahrer haben Bedenken und wollen Sicherheit", sagte Williams-Pilot Rubens Barrichello in seiner Funktion als Sprecher der Fahrervereinigung bei "Totalrace": Natürlich müssen wir alle mehr reisen und arbeiten. Aber das, was für die Fahrer die höchste Bedeutung hat, ist die Sicherheit."

Die Situation der Bevölkerung von Bahrain scheint dem Brasilianer dagegen nicht sonderlich am Herzen zu liegen.

"Der Rest interessiert mich nicht", stellte der 39-Jährige klar.

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