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Lewis Hamilton triumphierte im letzten Jahr beim Großen Preis von Kanada © getty

Beim Grand Prix von Kanada ist Gilles Villeneuve allgegenwärtig. Die Strecke fordert Höchstleistungen von Fahrer und Material.

Von Olaf Mehlhose

München - Der Mythos ist allgegenwärtig.

Jeder der sich in Kanada für Rennsport interessiert, stolpert zwangsläufig über Volksheld Gilles Villeneuve, jenem sagenumwobenen Ferrari-Piloten, der 1982 bei einem Trainingsunfall in Zolder tödlich verunglückte. (DATENCENTER: WM-Stand)

Die Popularität des sechsfachen Grand-Prix-Gewinners, der die erste Ausgabe des Großen Preis von Montreal (1. Training, Do., ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) für sich entschied, ist unter seinen Landsleuten bis heute ungebrochen.

Neben seinem tragischen Ende trug insbesondere seine draufgängerische Fahrweise zur Legendenbildung bei. Nach seinem Tod wurde der Kurs in Circuit Gilles Villeneuve umbenannt. (SPORT1 Tipp-König: jetzt mitspielen und 5.000 Euro gewinnen)

"Etwas ganz Besonderes"

Der spätere WM-Gewinn seines Sohns Jacques Villeneuve im Jahr 1997 hat die Verehrung für den ehemaligen Vize-Weltmeisters nur noch weiter gesteigert.

Ähnlich wie sein Vater beeindruckte der heute 40-Jährige während seiner zehn Jahre in der Königsklasse durch seinen spektakulären Fahrstil. Zum Rennen in seiner Heimat baute Villeneuve Junior in seiner Karriere eine ganz spezielle Beziehung auf.

"Ich liebe diese Stadt", sagte er vor einigen Jahren: "Es ist etwas ganz Besonderes, vor den Fans in meiner Heimat zu fahren. Die Atmosphäre ist fantastisch, aber die Leute sind auch viel zivilisierter und professioneller als in einigen anderen Ländern."

Und sie lieben Teufelskerle wie die beiden Villeneuves.

Hohes Tempo, enge Kurven

Vielleicht gehört das Rennen von Montreal auch deshalb zu den spektakuläreren seiner Art. Gleich an vier Punkten überschreiten die Fahrer diee Geschwindigkeit von 300 km/h.

Zusätzlichen Reiz bekommt die Piste durch den Wechsel von engen Schikanen und Kurven mit langen Geraden.

Darüber hinaus sorgen die vielen Betonmauern für ein ähnlich eingeengendes Gefühl wie beim Großen Preis von Monaco. (RENNKALENDER: Die Saison 2011)

Bremsen am Limit

Auch an das Material stellt der Parcours höchste Ansprüche. Vor allem die Bremsen werden extremen Belastungen ausgesetzt.

Der krasseste Bremspunkt des Kurses liegt vor der Haarnadel-Kurve, in der die Fahrer bis zum Scheitelpunkt der Kurve von 295 km/h auf 60 km/h herunter bremsen. Die Bremsscheiben erreichen bei diesem Manöver Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius.

"Montreal ist mit Abstand der härteste Kurs für die Bremsen. Unsere Fahrer stehen 16 Prozent der Runde auf der Bremse", sagte Mercedes-Ingenieur Mark Slade: "In Montreal gibt es in jedem Umlauf vier Stellen, an denen aus über 300 km/h auf rund 120 km/h herunter gebremst wird."

Überholen zu einfach?

Die Reifen werden auf den 70 Runden in Montreal ebenfalls höchsten Anforderungen unterworfen.

"Wegen der Beschaffenheit der Strecke ist es sehr unrealistisch, dass wir eine Ein-Stopp-Strategie sehen werden", sagte Paul Hembery. Dafür werde es im Gegensatz zu Monaco aber auch mehr Möglichkeiten zum Überholen geben, prognostizierte der Pirelli-Boss.

Toro-Rosso-Fahrer Sebastien Buemi fürchtet sogar, dass es fast ein bisschen zu einfach werde, am Vordermann vorbeizuziehen.

"Bisher war es so, dass das DRS-System am besten auf einer langen Geraden wie in China oder der Türkei funktioniert. Die Gerade nach der Haarnadelkurve ist genau so beschaffen."

Schlüsselstelle "Wall of Champions"

Am Ende der langen Geraden müssen die Fahrer dann noch die vielleicht schwierigste Passage des gesamten Kurses bewältigen.

Die letzte Schikane vor Start und Ziel wartet die berühmt-berüchtigte "Wall of Champions", die ihrem Namen der Tatsache verdankt, dass die drei Weltmeister Michael Schumacher, Damon Hill und Villeneuve im Rennen 1999 allesamt in die Begrenzungsmauer crashten.

Auch wenn die Schikane mittlerweile leicht entschärft wurde, stellt sie für die Fahrer immer noch eine Höchstschwierigkeit dar.

Richtig was für Draufgänger.

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