vergrößernverkleinern
Lewis Hamilton gewann im April vor Sebastian Vettel den Großen Preis von China © getty

Vor dem Kanada-GP rechnet sich auf einmal Ferrari Chancen auf den Sieg aus. Bei McLaren deutet alles auf einen Bluff hin.

Von Julian Meißner

München - Es ist längst zur Routine geworden für Sebastian Vettel.

Zum sechsten Mal bei sieben Gelegenheiten 2011 sicherte er sich die Pole-Position (Bericht), an diesem Samstag ließ er danach überschäumende Freude vermissen.

"Die Position, von der wir losfahren, ist in Ordnung", erklärte der Weltmeister vom Red-Bull-Team im Parc ferme lapidar, obwohl mit dem Coup auf dem Circuit Gilles Villeneuve im kanadischen Montreal nicht unbedingt zu rechnen war.

"Yes, Baby", hatte Vettel immerhin einigermaßen euphorisch unmittelbar nach der Zeitenjagd auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in den Funk gerufen und sich bei seinen Mechanikern bedankt.

Diese wurden am Freitag zu einer Extraschicht verdonnert, nachdem Vettel seinen Boliden an der "Wall of Champions" demoliert hatte.

Ferrari bläst zur Attacke

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", so Vettel nach der Quali: "Auf einer Strecke, die uns nicht ganz so entgegen kommt, haben wir bewiesen, dass wir schnell sein können."

In die Rolle seiner härtesten Verfolger für das Rennen am Sonntag (18.45 Uhr im LIVE-TICKER) sind in Kanada Fernando Alonso und Felipe Massa geschlüpft.

Von den Startplätzen zwei und drei blasen die Ferrari-Piloten zur Attacke auf die Spitze (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

"Es sieht gut aus. Wir haben eine Chance auf den Sieg", meinte Alonso, der seinen letzten Erfolg im Oktober 2010 in Südkorea feierte. Und Massa frohlockte: "Wir sind viel näher dran an Red Bull."

Mercedes zufrieden, McLaren pokert

Doch Vettel ist weiter das Maß der Dinge und echte Konkurrenz rar. Während Ferrari sich über einen kleinen Schritt nach vorne freute, gab man sich bei Mercedes schon mit den Startplätzen sechs (Nico Rosberg) und acht (Michael Schumacher) zufrieden.

Und das McLaren-Team, das mit Lewis Hamilton den WM-Zweiplatzierten und einzigen Sieger der Saison neben Vettel stellt, sieht sich in Kanada angesichts der Dominanz des Deutschen schon genötigt, tief in die Trickkiste zu greifen.

Hamilton: "Vettel ist weg"

In der Hoffnung auf Niederschlag am Sonntag bauten die Briten offenbar auf ein Regensetup, zu Lasten des Qualifying-Speeds. Hamiltons Klagen nach dem Qualifying klangen dazu passend schwer nach einem Bluff.

"Wir sind einfach sehr langsam an diesem Wochenende", lamentierte er: "Es sieht so aus, als hätten die anderen einen Schritt vorwärts gemacht, aber ich weiß es wirklich nicht." Er habe das Maximum aus seinem Boliden herausgeholt und diesen so "hart wie noch nie" rangenommen, und dennoch sei nicht mehr drin gewesen.

Und nicht nur für das Rennen auf der Ile Notre-Dame, auch in der WM schwindet nach eigener Aussage Hamiltons Hoffnung.

[kaltura id="0_ag4vs6sj" class="full_size" title="Eine Runde mit Vettel in Kanada"]

"Vettel ist weg, er geht seinen Weg", so der Weltmeister von 2008 über den Primus und sein scheinbar übermächtiges Team: "Für uns sind sie sehr, sehr schwer einzuholen bei diesem Tempo."

Vettel bleibt cool

Soviel Understatement ist selbst für die Poker-Profis des McLaren-Rennstalls ungewöhnlich. Doch Vettel will sich davon nicht verrückt machen lassen.

"Wir sind gerüstet, egal, ob es regnet oder trocken ist", meinte er zu den Spekulationen über einen möglichen Abstimmungsvorteil bei der Konkurrenz, fügte aber an: "Es ist nicht die einfachste Strecke im Regen. Die Mauern sind sehr nah. Das Wichtigste ist, die Zielflagge zu sehen."

Klare Zielvorgabe

Gedanken über sein Punktepolster - selbst Hamilton liegt mit 58 Punkten schon weit zurück - versucht Vettel beiseite zu schieben.

"Gelassener darf man nicht werden, sonst schafft man es nicht, die 100 Prozent aus sich rauszuholen", erklärte der 23-Jährige mit der Reife eines alten Hasen: "Man sollte nach wie vor noch den Hunger haben, und den haben wir."

Daran besteht angesichts der beindruckenden Serie mit sechs Erfolgen aus sieben Rennen kein Zweifel.

Und auch wenn das Siegen für den jüngsten Champion aller Zeiten langsam zur Routine wird, weiß er, was weiter von ihm verlangt wird. "Klar ist unser Ziel, das Rennen zu gewinnen", so Vettel: "Nur zum Spaß an der Freude sind wir nicht dabei."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel