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Zum ersten Mal in seiner Karriere gewinnt Jenson Button den Kanada-GP © getty

Der Brite spricht nach dem außergewöhnlichen Sieg in Montreal von seinem "besten Rennen". Sein Teamkollege ist der große Verlierer.

Von Julian Meißner

München - Der Protagonist wusste das Geschehen schon Sekunden nach der Zieldurchfahrt perfekt einzuordnen.

"Ein höllisches Rennen", hatte Sensationssieger Jenson Button nach eigener Aussage in Montreal erlebt und traf mit dieser Einschätzung den Nagel auf den Kopf.417508(DIASHOW: Die Bilder vom Rennen)

In der letzten Runde entriss der Brite vom McLaren-Team, der in einem chaotischen Grand Prix zwischenzeitlich auf den letzten Platz zurückgefallen war, Seriensieger Sebastian Vettel noch dessen nächsten Triumph. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Spektakulärstes Rennen

Durch den Coup im bislang spannendsten und spektakulärsten Rennen des Jahres übernahm der Weltmeister von 2009 auch die Rolle als Vettel-Verfolger Nummer eins in der WM.

Lewis Hamilton, bis dato Vettel noch am dichtesten auf den Fersen, katapultierte sich durch eine selbst verschuldete Kollision, ausgerechnet mit dem eigenen Teamkollegen, aus dem Rennen.

"Wir sind nicht das erste Team, das solch einen Unfall hat, und ich bin sicher, wir werden nicht das letzte sein", meinte McLaren-Geschäftsführer Jonathan Neal. Und Teamchef Martin Whitmarsh sagte: "Die beiden sind sich einig, dass es sich um einen Renn-Zwischenfall handelte."

Button: "Mein bestes Rennen"

Mit sauertöpfischer Miene betrachtete Hamilton im Parc ferme die Jubelarien seines Stallkollegen, der wiederum behauptete: "Das war definitiv mein bestes Rennen."

In der Tat war die Art und Weise seines ersten Sieges seit April 2010 in Schanghai mehr als beeindruckend. "Sich von der letzten Position so durchs Feld zu kämpfen, ist fast so gut wie das Rennen zu gewinnen", meinte Button.

Dabei hatte es lange danach ausgesehen, als würde der Große Preis von Kanada als Abbruchrennen in die Geschichte eingehen.

Irrwitzige Aufholjagd

Nach sintflutartigen Regenfällen wurde das Rennen nach 25 Runden für über zwei Stunden unterbrochen, bevor Button sich zu seiner irrwitzigen Aufholjagd aufmachte.

[kaltura id="0_ag4vs6sj" class="full_size" title="Eine Runde mit Vettel in Kanada"]

Wetter-Kapriolen erzwangen insgesamt fünf Safety-Car-Phasen, die Pole-Setter Vettel alle schadlos überstand. Bis kurz vor Schluss sah der Champion wie der sichere Sieger aus - bis Button ihn schließlich doch noch in den entscheidenden Fehler hetzte.

"Natürlich bin ich enttäuscht", sagte Vettel: "Es war vom Start bis ins Ziel ein sehr schwieriges Rennen, und wir haben abgesehen von der letzten Runde jede einzelne angeführt."

Vettel baut Vorsprung nicht genügend aus

Er sei "etwas zu konservativ" gewesen und habe seinen Vorsprung nicht weit genug ausgebaut.

Doch mit Platz zwei sammelte der WM-Leader weitere wichtige Punkte auf dem Weg zur Titelverteidigung.

Und mit auf die Reise zurück nach Europa, wo in zwei Wochen in Valencia das nächste Rennen steigt, nimmt der Heppenheimer die Erkenntnis, dass seine Konkurrenz sich gegenseitig munter in die Parade fährt.

Hamilton und Alonso ohne Punkte

Neben Hamilton, der für seine Aktion gegen Button harsche Kritik einstecken musste (Bericht: "Es kann Tote geben"), landete auch Ferrari-Star Fernando Alonso in Montreal einen Nuller.

Der Spanier kollidierte ebenfalls mit Button und zog dabei den Kürzeren. Button ging aus dem Unfall 23 Runden vor Schluss mit einem Plattfuß hervor und schleppte sich an die Box. Spätestens da schien ein schwarzer Tag für McLaren besiegelt.

Doch Button nutzte die Gunst der Stunde, wechselte auf Intermediates, und pflügte fortan von hinten durch das Feld.

"Ein fantastisches Rennen", resümierte der neue WM-Zweite: "Auch wenn ich nicht gewonnen hätte, hätte es mir Spaß gemacht."

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