Bei seiner Analyse des Kanada-GP macht sich Peter Kohl für die Strecke stark. Sutil kommt schlecht weg. Tops Flops von Montreal.

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TOPS:

Das Rennen: O.k., die Safety-Car-Phasen waren teilweise zu lang und die Unterbrechung von 2 Stunden und 3 Minuten war auch nicht grad ein Burner - aber unter dem Strich war es geiles Entertainment, besser als jeder Action-Film und härter als jedes Metallica-Konzert.

Die Strecke: Der Circuit Gilles Villeneuve ist ein Kracher! Unbedingt im Kalender halten!!! Nichts für Weicheier, wie schon die Freien Trainings gezeigt haben. Allerdings auch nicht gerade Budget-freundlich. Fragt mal nach bei Sauber?.

Jenson Button: Ja, er hat Alonso abgeschossen, das war ein Fahrfehler ? der bei diesen chaotischen Bedingungen aber passieren kann. Wie er trotz fünf Boxenstopps, einer Drive Through, zwei Unfällen und einem Reifenschaden am Ende aber vorne alle abgebügelt hat, war erste Sahne. Pures Racing, wenn auch mit reichlich DRS-Hilfe. Der Charming Boy aus Frome war diesmal ein echter Tiger.

Michael Schumacher: Da war er wieder phasenweise, der alte Champion. So wollen die Fans ihn sehen, so macht sein Comeback Sinn! Schade nur, dass mit dem W02 nicht mehr drin ist?.

Mark Webber: Stark, wie der Australier gegen alle Widerstände ankämpft und sich behauptet. Weder das wieder einmal bei ihm nicht funktionierende KERS, noch der Dreher, in den er von Hamilton geschubst wurde, haben ihn entmutigt. Nachdem er sich beim Überholen von Schumacher durch das Abkürzen der Schikane einen Vorteil verschafft hatte, ließ er sich zudem sofort geschickt wieder zurück fallen, um einer Strafe zu entgehen. Gut gebrüllt, tasmanischer Löwe!

Lotus-Renault: Klare Leistungssteigerung, beide Autos im Quali in den Top 10 und beide mit gutem Rennen. Da steckt wieder eine Menge Potenzial drin.

HRT: Wenn man sich vor Augen hält, wie übel der Saisonstart war, muss man derweil vor Collin Kolles und seinen Jungs den Hut ziehen. Liuzzis 13. Platz war die beste Platzierung in der noch jungen HRT-Historie und an Marussia-Virgin sind sie verdientermaßen auch schon vorbei gezogen.

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Sauber: Die Truppe aus Hinwil hat einen Oscar verdient für die beste Show des Jahres! Kobayashi ist in jedem Rennen bislang ein fettes Ausrufezeichen - die Taktiker von Peter Sauber sind immer wieder die vollen Durchblicker, und wie Pedro De La Rosa sich als Blitzersatz für Perez geschlagen hat, ist trotz Betoneinschlag im 3. Freien Training aller Ehren wert.

Toro Rosso: Durchblick bewahrt, beide Autos in den Punkten, endlich mal wieder ein brauchbarer GP von Alguersuari, der bislang total abgetaucht war. Allerdings überdeckten die chaotischen Bedingungen im Rennen ein schwaches Qualifying.

GUTE ZEITEN / SCHLECHTE ZEITEN:

Sebastian Vettel: Alles richtig gemacht, bis auf die Schlussphase. Frühzeitiges Beine hoch legen geht nicht bei solchen Bedingungen. Der Rausrutscher am Ende, der Platz 1 kostete, ist der erste Fleck in diesem Jahr auf einer ansonsten blütenweißen Weste.

Nico Rosberg: Eine unglückliche Phase, die er gerade durchlebt. Wie schon in Monaco kommt bei ihm viel zusammen, was ihn nicht gut aussehen lässt. Er versucht mit allen Mitteln dagegen zu halten. Schön, dass er sich nicht unterkriegen lässt.

Felipe Massa: Ein wirklich gutes Rennen, aber das Überrundungsmanöver gegen Karthikeyan war Mumpitz. Vollgas gebend mit Slicks ins Nasse fahren, geht selten gut, sollte er eigentlich nach so vielen Jahren in der Formel 1 wissen. Sein Endspurt gegen Kobayashi im Kampf um Platz 6 war allerdings ein echter Brüller.

Paul di Resta: Stark als Debütant in Montreal in allen Trainings, erneut Qualisieger gegen Teamkollege Sutil. Aber im Rennen wieder wie in Monaco eine Nase zertrümmert und am Ende auf Slicks blöde abgeflogen, so dass unter dem Strich die Bilanz durchwachsen bleibt.

FLOPS:

107-%-Regel: Warum gibt es sie, wenn sie doch nie angewendet wird?

Adrian Sutil: Hinter dem Saftey Car einem Kollegen ins Heck trullern ist nicht clever. Entwickelt sich zum Crash Kid der F 1 und ist teamintern in der Qualifikation Di Resta klar unterlegen. Nervensache? Der Druck im Kessel wird jedenfalls immer größer. So empfiehlt er sich nicht für ein Top-Team!

Strecken-Stewards: Fallen und stolpern vor lauter Hektik, zudem rennen sie lebensmüde auf dem Kurs herum, während ein Fahrzeugpulk vorbei donnert. Leute, Leute - nehmt Euch ein Beispiel an den Kollegen aus Monaco - mir scheint eine dringende Nachschulung empfehlenswert.

Lewis Hamilton: Ich will mich nicht an einer Hetzjagd gegen den Engländer beteiligen. Ich habe mich schon oft über seine angriffslustige Fahrweise gefreut, die für viel Unterhaltung in der Vergangenheit gesorgt hat. Der Schubser gegen Webber kann passieren, die Aktion gegen Button war allerdings höchst riskant und eher unnötig. Wer im Klassement zurück liegt und Punkte aufholen muss, sollte sich cleverer verhalten. Immer alles auf eine Karte zu setzen, macht sich selten bezahlt. Das sollte er eigentlich schon gelernt haben.

Die Formel 1 rockt gewaltig! Mit Sicherheit auch wieder in knapp zwei Wochen in Valencia. Da werden Sie Christian Glück und Walter Zipser hören, da ich zeitgleich am Nürburgring beim 24 h Rennen bin. Die Kolumne nach dem Großen Preis von Europa wird deshalb entfallen.

Dann also bis Silverstone,

Ihr Peter Kohl

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