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Neue Regeln, bekannte Gesten. Sebastian Vettel nach der Pole-Fahrt von Valencia © getty

Sebastian Vettel fährt in Valencia zur 22. Pole-Position seiner Karriere und spottet über die Aufregung wegen des Motor-Mappings.

Von Marc Ellerich

München - Alles beim Alten, die Formel 1 hat über Nacht kein neues Gesicht bekommen. So in etwa lässt sich ganz nüchtern das Qualifying zum Europa-Grand-Prix in Valencia (So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) zusammenfassen. (DATENCENTER: Quali-Ergebnis)

Denn die Zeitenjagd auf dem spanischen Stadtkurs endete mit dem in diesem Jahr fast schon üblichen Ergebnis: Sebastian Vettel ist für seine Konkurrenten ein pfeilschneller Gegenspieler, der nicht zu greifen ist. (422487Bilder)

Der Weltmeister fuhr im Red Bull unbedrängt im achten Anlauf zur siebten Pole-Position dieses Jahres, mittlerweile die 22. seiner nach wie vor jungen Karriere. Als einziger Fahrer blieb er bei strahlendem Sonnenschein mit seiner Zeit von 1:36,975 Minuten unter der magischen Marke von 1:37 Minuten. (BERICHT: Trotz Motoren-Hickhacks - Vettel holt 22. Pole)

Webber keine Gefahr

Der Abstand zum zweitplatzierten Teamkollegen Mark Webber lag zwar nur bei knapp zwei Zehntelsekunden, doch der Australier freute sich später über seinen zweiten Startplatz als wäre es die Pole-Position. Zu keinem Zeitpunkt stellte er eine Gefahr für den Jüngeren dar.

Und Lewis Hamilton? Dem fehlten vier Zehntel, was mehr oder weniger Vettels Vorsprung an den Samstagnachmittagen vor der ominösen Regelveränderung war.

Die Machtverhältnisse in der elitären PS-Liga bleiben also weiterhin fest zementiert, daran ändert offenbar auch die neue Motor-Mapping-Regel nichts, die im Vorfeld so viel aufgeregtes Geraune produziert hatte.

Von einer "Lex Red Bull" hatte sogar Vettels vorgesetzter Förderer Helmut Marko gesprochen und den Konter seines Teams am Grünen Tisch angekündigt.

Den, so sieht es aus, kann sich Red Bull sparen, denn Vettel hat ihn ja auf der Rennstrecke schon gesetzt.

[kaltura id="0_o4u5rnf4" class="full_size" title="Eine Runde in Valencia"]

"Es ist viel geredet worden"

Der Samstagsschnellste machte sich nach seiner Bestzeit über die vielen Spekulationen über eine veränderte Hierarchie im Fahrerfeld lustig. "Es ist ja vorher viel geredet worden", sagte der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte: "Ich habe ehrlich gesagt nie verstanden, warum." Angst vor einem Thronsturz habe er nie verspürt. (STIMMEN: Sind im Niemandsland)

Auch vor dem nächsten Grand Prix, dem englischen Rennen in Silverstone, werde es die Diskussionen über einen Machtverlust Red Bulls geben, orakelte Vettel nach seiner Pole-Fahrt.

Sein Urteil hat er längst gefällt: "Ich denke, dass alle Zeit verlieren werden. Aber die Leute glauben, dass wir mehr verlieren werden als die anderen Teams. Dem kann ich nicht zustimmen."

Knappe Sätze, wenige Gesten

Grundsätzlich machte Vettel ohnehin nicht den Eindruck, als würde ihn die Aufgeregtheit der anderen groß interessieren. "Wir mussten uns auf das konzentrieren, was hier unsere Aufgabe ist. So einfach ist das."

Und das hat seiner Meinung nach auch ganz gut geklappt. "Alles in allem war es für uns ein sehr guter Tag. Meine erste Runde war ganz gut", urteilte der WM-Führende.

Vettel klingt mittlerweile sehr routiniert, wenn er seine Glanztaten zusammenfasst. "Good Job", hatte er nach seiner Fahrt auf die Pole ans Team gefunkt, mehr nicht.

Und wohl auch wegen solch knapper Sätze und sparsamer Gesten im Ziel muss der Heppenheimer sich mittlerweile danach fragen lassen, warum er seine ersten Startplätze nicht mehr so ausgelassen feiert wie früher.

Vettel: Kein Kinderspiel

Dieser Eindruck sei falsch, beeilte sich Vettel in Valencia zu versichern. Er habe auf dem "Street Circuit" einfach nur zu wenig Zeit zum Jubeln gehabt. "Ich habe die zweite Runde frühzeitig abgebrochen, bin reingekommen und musste dann aufpassen, dass ich alles richtig mache."

Und seine Fahrt zum ersten Startplatz sei keinesfalls ein Kinderspiel gewesen, beteuerte der Heppenheimer. "Es ist ein schwieriger Kurs, weil es hier so viele Kurven gibt. 25 sind es, bevor wir die Linie passieren, und jede einzelne ist ziemlich schwierig. Es ist ziemlich hart, die perfekte Runde zu schaffen."

Hamilton: "Bin im Kampf"

Dass der Klassenprimus damit nicht falsch lag, machen die Kommentare der Konkurrenten deutlich, die sich im Qualifying mittlerweile geradezu bereitwillig hinter den "Bullen" einordnen.

Hamilton gab an, er habe nicht mit seinem dritten Platz gerechnet: "Ich bin begeistert, dass ich im Kampf bin." Der McLaren-Pilot, der Kanada-Sieger Jenson Button drei Plätze hinter sich ließ, setzt seine Hoffnungen ins Rennen am Sonntag. "Von dieser Position können wir gewinnen. Man muss Glück haben und alles perfekt hinkriegen, um vor die Red Bull zu kommen."

Der Brite erwartet viele Boxenstopps und wähnt darin einen Vorteil: "Man hat gesehen, wie sich die anderen Rennen in diesem Jahr entwickelt haben. Es kann immer noch sehr aufregend werden."

Alonso: Red Bull unerreichbar

Auch Ferrari-Star Fernando Alonso hat seine Ambitionen nicht beerdigt. "Unser Ziel ist das Podium", sagte der Spanier, sein Qualifying fand er trotz einer halben Sekunde Rückstand auf Vettel "nicht enttäuschend".

Der österreichisch-britische Gegner "war und ist immer noch der Favorit". Red Bull sei derzeit fast unerreichbar. Ferraris Ziel sei es gewesen, McLaren zu attackieren, "und genau das haben wir getan".

So sprachen sich Vettels geschlagene Verfolger Mut zu nach dem Motto: Aufgeben gilt nicht.

Mercedes im Niemandsland

Bei Mercedes hingegen, dessen Piloten Nico Rosberg und Michael Schumacher auf den Plätzen sieben und acht gemeinsam mit ihren Landsleuten Nick Heidfeld (9.) und Adrian Sutil (10.) für schwarz-rot-gold eingefärbte Top 10 sorgten, herrschte Nüchternheit.

"Alles in allem sind wir dort herausgekommen, wo wir es erwartet haben", berichtete Rekord-Weltmeister Michael Schumacher: "Es wäre optimistisch zu erwarten, dass wir die Autos vor uns angreifen können. Unsere Startposition zeigt realistisch, wo wir im Moment stehen. Wir sind etwas im Niemandsland."

Auch für die Silberpfeile haben sich die Verhältnisse über Nacht nicht wirklich verändert.

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